Berufsorientierung für Schülerinnen und Schüler
Girls' und Boys' Day – noch zeitgemäß?
Veröffentlicht:
von Magdalena Fürst17:30 SAT.1 Bayern
Girls und Boys Day in Bayern: Jugendliche brechen mit Rollenklischees
Videoclip • 01:56 Min • Ab 12
Ein Beruf ist typisch Frau oder typisch Mann? Genau dieses Denken soll der Girls' und Boys' Day eigentlich überwinden – ist aber dennoch geschlechtergetrennt aufgebaut. Ist das noch der richtige Weg?
Einblicke in die Arbeitswelt
Ade, Klischee: Der sogenannte Zukunftstag oder Girls' und Boys' Day soll Kindern und Jugendlichen Einblicke in die Arbeitswelt geben und ihnen vor allem diejenigen Berufsfelder nahebringen, in denen Frauen beziehungsweise Männer unterrepräsentiert sind. Häufig sind Angebote deshalb nach Geschlecht unterteilt.
Ob dieses Modell noch zeitgemäß ist, hinterfragt die Kommission Queere Jugendarbeit des Bayerischen Jugendrings (BJR). Diese kritisiert, es würden dadurch eben die Klischees reproduziert, die es zu überwinden gelte. Zudem würden Kinder und Jugendliche ausgeschlossen, die sich nicht eindeutig in diesen Kategorien wiederfinden.
"Wir wollen diese Aktionstage nicht kleinreden – sie haben viel bewegt und wichtige Debatten angestoßen. Aber ein Format, das Jugendliche zunächst nach Geschlecht sortiert, bevor es Klischees überwinden will, trägt einen Widerspruch in sich, den wir als Bayerischer Jugendring thematisieren wollen", sagt BJR-Präsident Philipp Seitz.
Der Vorsitzende der Kommission Queere Jugendarbeit, Patrick Wolf, sagt: "Ein zeitgemäßer Zukunftstag sollte alle Jugendlichen unabhängig von Geschlecht und Selbstbezeichnung ansprechen und Berufe nicht länger als "Frauen-" oder "Männerberufe" markieren. Die Einladung sollte nach Interesse und Neugier formuliert sein – zum Beispiel: Entdecke Berufe, in denen du dich bisher noch nicht gesehen hast."
Manche Schulen haben eine derartige Neuerung bereits eingeführt, sprechen beispielsweise von einem "Schnupperarbeitstag".
Ein Tag im Jahr reicht nicht aus
Dass beim Thema Chancengleichheit und Berufsvorbereitung noch viel getan werden muss, findet auch der Verband Deutscher Realschullehrer (VDR). "Denn noch immer scheinen junge Menschen bei der Berufswahl verfestigten Rollen- oder Geschlechterklischees zu folgen. So entscheiden sich Jungen überdurchschnittlich häufig für technische Berufe wie Elektroniker oder Industriemechaniker, während Mädchen eher soziale oder kaufmännische Berufe wählen", heißt es vom Verband. Berufsorientierung müsse daher als zentrale und systematisch verankerte Aufgabe von Schule verstanden werden.
Auch die BJR-Kommission Queere Jugendarbeit betont, strukturelle Probleme wie Lohnungleichheit und starre Rollenbilder ließen sich durch einen Aktionstag im Jahr nicht lösen.
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Verwendete Quelle:
Nachrichtenagentur dpa
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