Polittalk bei Markus Lanz
Wusste Trump vorzeitig von einem "Deal"? Nahost-Experte überrascht bei Lanz mit Aussage
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von Hellmut BlumenthalNahost-Experte Daniel Gerlach sprach bei Markus Lanz über den Zehn-Punkte-Plan aus Teheran.
Bild: ZDF/ Cornelia Lehmann
Wie ist die Lage im Iran-Krieg, nachdem die Parteien eine vorübergehende Waffenruhe vereinbart haben? Großen Anlass zum Aufatmen sehen die Talk-Gäste von Markus Lanz am Mittwochabend noch nicht.
Das Wichtigste in Kürze
In der Sendung "Markus Lanz" sehen die Gäste trotz Waffenruhe im Iran-Konflikt noch keinen echten Deal; der Zehn-Punkte-Plan bleibt vage und umstritten.
Journalistin Annett Meiritz beschreibt bei Lanz Donald Trump als unberechenbaren Präsidenten mit kleinem Beraterkreis und geschwächtem Sicherheitsapparat in Washington.
Nahost-Experte Daniel Gerlach überrascht bei Lanz mit der Aussage, Trump habe wohl schon vor seinem letzten Tweet vom Deal gewusst; zugleich wird die religiös aufgeladene Rhetorik in Trumps Umfeld diskutiert.
Gibt es Hoffnung auf ein Ende der Kampfhandlungen im und um den Iran? Wird die Straße von Hormus bald wieder passierbar sein? Und werden die Parteien eine dauerhafte Friedenslösung finden? Für die Journalistin Annett Meiritz und den Nahost-Experten Daniel Gerlach war es am Mittwochabend bei Lanz noch zu früh für klare Prognosen.
Das Verhalten von Donald Trump sei besonders schwer einzuschätzen, sagte Meiritz, die mehrere Jahre für das "Handelsblatt" in den USA lebte. "Donald Trump ist der ungeduldigste US-Präsident aller Zeiten", erklärte sie in dem ZDF-Talk. Er wolle unbedingt das Mullah-Regime, das seit 1979 im Iran wirkt, zur Strecke bringen. Dabei wolle der Präsident offenbar nur auf das hören, was er hören wollte. Warnungen aus seinem Umfeld habe er in den Wind geschlagen. Nach der vergleichsweise reibungslosen Intervention in Venezuela habe er zudem überschätzt, wozu sein Militär fähig sei.
Daniel Gerlach betonte, dass man angesichts der Waffenruhe noch nicht von einem "Deal" reden könne. Es gebe bisher nur einen Zehn-Punkte-Plan, über dessen Details "es sehr unterschiedliche Interpretationen" gebe. Ob die Parteien sich auf einen längerfristigen Nichtangriffsvertrag, eine Vereinbarung zur Nutzung der Straße von Hormus und den Verzicht auf nukleare Anreicherung seitens des Iran einigen werden, sei noch keineswegs sicher.
Wusste Trump vorzeitig von einem "Deal"? "Es spricht viel dafür"
Journalistin Meiritz erklärte im Verlauf des Polittalks, "dass der Kreis der Menschen, die Donald Trump beeinflussen, sehr, sehr, sehr klein geworden ist". Ihrer Einschätzung nach haben nicht mehr als fünf oder sechs Menschen noch "das Ohr von Trump". Auch der Zustand des nationalen Sicherheitsrates sei alarmierend. "Wir haben ja eine komplette Neubesetzung der Geheimdienste unter Donald Trump." Zwei Drittel der Mitarbeiter:innen habe der Präsident entlassen. Nicht einmal Top-Diplomat:innen aus Deutschland und Europa hätten einen verlässlichen Draht ins Pentagon oder Außenministerium, weil man nicht genau wisse, wen man anrufen soll. "Wahnsinn!", staunte Moderator Lanz an dieser Stelle.
Auf die martialischen Botschaften des US-Präsidenten auf "Truth Social" angesprochen - es heißt, Trump poste diese mittlerweile nicht mehr selbst, sondern lasse sie schreiben - sagte der Nahost-Experte Daniel Gerlach: "Es spricht aus meiner Sicht viel dafür, dass Trump in dem Moment, als er diesen letzten Tweet abgesondert hat, schon wusste, dass es einen Deal, eine Vereinbarung, gibt." Was er dann hinzufügte, verblüffte den Moderator. "Wenn ich diese Information vor zwei Tagen hatte, dann gehe ich mal davon aus, dass es sehr viel andere gab, die diese Information hatten." - "Sie hatten die? Vor zwei Tagen?", fragte Lanz erstaunt. Gerlach bejahte. Und vermutete hinter dem krassen Tweet eine kalkulierte Drohgebärde von Trump, damit dieser hinterher als die treibende Kraft hinter dem Deal dastehe.
Auch in den News:
Expertin weist auf "biblische Vokabeln" bei Trump hin
Ein Einspieler des US-Kriegsministers Pete Hegseth sorgte dann noch für einen besonderen Moment. Dieser betonte in einer öffentlichen Stellungnahme, die "Operation Epic Fury"sei ein voller Erfolg. Zudem sprach Hegseth von der "Gnade" des US-Präsidenten. Die Journalistin Annett Meiritz erklärte dazu, dass in Trumps Umfeld zuletzt vermehrt biblische Vokabeln Einzug halten würden.
"Wir wissen, dass evangelikale Pastoren im ganzen Land diesen Krieg tatsächlich loben und ihn erheben zu einem Kampf Christentum gegen Islam." Markus Lanz fand diesen Aspekt "superinteressant", denn "das würde ja erklären, warum die Rettung des US-Piloten einige Tage zuvor zum größten Comeback seit Lazarus gemacht wurde." Bei der schwindenden Unterstützung des Präsidenten in der US-Öffentlichkeit könne das ein wichtiges Faustpfand werden.
Zum Schluss mahnte Daniel Gerlach noch ein Umdenken in der deutschen Politik angesichts der sprunghaften Handlungen der USA. Speziell über das Thema Völkerrecht müsse nachgedacht werden. "Es geht nicht, dass deutsche Politiker uns erzählen, dass Migration aus dem Nahen Osten unser größtes Problem ist, und gleichzeitig eine Politik gutheißen, die eine der größten Fluchtbewegungen in Gang setzen kann."
Verwendete Quellen:
Markus Lanz: Sendung vom 9. April
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