Missbrauchsnetzwerk
Wie Epstein Frauen mit Modelversprechen köderte
Veröffentlicht:
von Damian Rausch:newstime
Angeblicher Epstein-Abschiedsbrief veröffentlicht
Videoclip • 01:12 Min • Ab 12
Mit falschen Versprechen auf eine Modelkarriere sollen junge Frauen aus Europa in das Netzwerk von Jeffrey Epstein gelockt worden sein. Neue Recherchen zeichnen das Vorgehen der mutmaßlichen Anwerber nach.
Das Wichtigste in Kürze
Recherchen identifizieren mindestens 19 Europäerinnen, die über Modelscouts mit Epstein in Kontakt kamen.
Betroffene berichten von Karriereversprechen, die in sexueller Ausbeutung endeten.
In mehreren europäischen Ländern wurden Ermittlungen wegen des Verdachts auf Menschenhandel eingeleitet.
Wie Epstein junge Frauen in Europa anlockte
Der verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein soll über Jahre hinweg gezielt die Modelbranche genutzt haben, um junge Frauen für sein Missbrauchsnetzwerk zu rekrutieren. Das geht aus Recherchen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung hervor, über die auch die Tagesschau berichtet. Demnach konnten mindestens 19 Europäerinnen identifiziert werden, die über vermeintliche Modelscouts mit Epstein in Kontakt gebracht wurden.
Versprechen einer Modelkarriere
Laut den Recherchen sprachen mehrere Scouts gezielt junge Frauen an und machten ihnen Hoffnung auf eine Karriere als Model. Fotos der Frauen wurden anschließend an Epstein weitergeleitet. Gefielen ihm die Kandidatinnen, wurden Gespräche per Skype oder Treffen an einem seiner Wohnsitze organisiert.
Eine Betroffene, die von den Medien unter dem Namen Mara genannt wird, berichtete, sie sei Anfang der 2000er-Jahre in Spanien von einem angeblichen Modelscout angesprochen worden. "Als ich das hörte, war ich natürlich total begeistert, denn ich wollte schon immer Model werden", sagte sie. Später sei sie nach Florida geflogen, weil sie von einem Vorstellungsgespräch für einen Modeljob ausgegangen sei. Stattdessen habe sie sexuellen Missbrauch erlebt und sei über längere Zeit in ein Abhängigkeitsverhältnis geraten.
Netzwerk von Vermittlern
Im Zentrum der Recherchen steht unter anderem der schwedische Modelscout Daniel S. Eine Auswertung der Epstein-Akten ergab laut Tagesschau mehr als 1.800 Treffer zu seinem Namen. Demnach soll er zwischen 2005 und 2019 Fotos von mindestens 52 Frauen an Epstein geschickt haben. Daniel S. weist Fehlverhalten zurück. Er habe Frauen ausschließlich als Models vermittelt und nichts von möglichen Straftaten Epsteins gewusst.
Auch der französische Modelagent Jean-Luc Brunel wird in den Recherchen genannt. Mehrere Betroffene werfen ihm vor, junge Frauen unter dem Vorwand von Modeljobs an Epstein herangeführt zu haben. Brunel bestritt die Vorwürfe stets. Er starb 2022 in Untersuchungshaft, bevor es zu einem Prozess kommen konnte.
Auch in den News:
"Meister der Manipulation"
Der New Yorker Anwalt Arick Fudali, der mehrere Betroffene vertritt, beschreibt Epstein als "Meister der Manipulation". Er sei sehr geschickt darin gewesen", Einflussmöglichkeiten oder Schwachstellen bei seinen Opfern zu erkennen (...) und er nutzte das aus, um sie zu kontrollieren und sie dazu zu zwingen, alles zu tun, was er von ihnen verlangte". Nach Schätzungen des US-Justizministeriums könnten mehr als 1.000 Menschen Opfer des Epstein-Netzwerks geworden sein.
Ermittlungen in Europa
Nach der Veröffentlichung weiterer Epstein-Akten wurden in mehreren europäischen Ländern Sonderermittlungen wegen des Verdachts auf Menschenhandel eingeleitet. In Frankreich meldeten sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft rund 20 mutmaßliche Betroffene. Die tatsächliche Zahl der Opfer könnte deutlich höher liegen, da viele Fälle bis heute ungeklärt sind und die Dokumente als unvollständig gelten.
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Verwendete Quellen:
Tagesschau: "Wie Epstein Frauen in Europa in die Falle lockte"
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