Gewalttat

Nach CSD in Berlin: Eine Tote, 16 Verletzte, Fahndung läuft

Veröffentlicht:

von Claudia Scheele

Berlins Regierender Bürgermeister wertet den Vorfall als Angriff.

Bild: Fabian Sommer/dpa


Hunderttausende feiern in Berlin friedlich den Christopher Street Day – dann fährt am Rand der Veranstaltung ein Auto in eine Menschenmenge. Die Ermittler gehen dem Verdacht eines Anschlags nach.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Berliner CSD ist ein Fahrzeug in eine Menschenmenge gefahren - eine Frau starb, 16 Menschen wurden verletzt.

  • Polizei und Generalstaatsanwaltschaft fahnden nach dem 21-jährigen Abdul B. und ermitteln wegen des Verdachts eines Anschlags.

  • Noch unklar ist, ob es eine zweite Tatphase mit einer Stichwaffe gab und ob der Verdächtige allein gehandelt hat.

Der Christopher Street Day in Berlin ist am Samstagabend (25. Juli) mit einer tödlichen Gewalttat zu Ende gegangen. Nach Angaben der Polizei fuhr kurz vor 22.00 Uhr ein weißer Kastenwagen im Bereich Tiergarten nahe Potsdamer Platz in eine Menschenmenge. Eine Frau starb noch vor Ort an ihren Verletzungen. Nach Angaben der Feuerwehr wurden 16 Menschen verletzt, darunter drei lebensbedrohlich, acht schwer und fünf leicht.

Wie Polizeisprecher Florian Nath sagte, war das Fahrzeug über den Ahornsteig parallel zur Lennéstraße unterwegs und habe dort mehrere Menschen angefahren oder umgefahren, bevor es gegen einen Baum prallte. Der Fahrer sei anschließend ausgestiegen und geflüchtet. In der Nacht teilte die Polizei mit, ein mutmaßlicher Tatverdächtiger sei identifiziert worden. Am Morgen veröffentlichten Polizei und Generalstaatsanwaltschaft ein Fahndungsfoto des 21 Jahre alten Abdul B.


Polizei fahndet nach 21-jährigem Verdächtigen

Die Behörden warnen, der Gesuchte sei möglicherweise bewaffnet und gefährlich. Generalstaatsanwaltschaft und Landeskriminalamt Berlin ermitteln laut Mitteilung "aufgrund des Verdachts eines Anschlags". Polizeisprecher Nath sagte zudem, der Mann sei polizeibekannt und werde "der islamistischen Szene in Berlin zugerechnet".

Nach der Tat lief in Berlin eine großangelegte Fahndung. Der Bereich um den Tatort wurde abgesperrt, der Tiergarten unter anderem mit Wärmebildtechnik abgesucht. Der CSD wurde abgebrochen, Besucher:innen am Brandenburger Tor wurden aufgefordert, das Gelände ruhig zu verlassen. Auch zwei für Sonntag geplante Veranstaltungen wurden abgesagt.

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Was bekannt ist – und was noch offen bleibt

Nach Angaben der Polizei prüfen die Ermittler:innen außerdem, ob es nach der Fahrt eine zweite Tatphase gab. Dabei geht es um den Verdacht, dass Menschen möglicherweise zusätzlich mit einer Stichwaffe verletzt wurden. Zeugen hätten von am Boden liegenden Opfern mit Stichverletzungen berichtet, sagte Nath. Bestätigt ist das bislang aber nicht.

Unklar sind auch weiter der genaue Ablauf und das Motiv der Tat. Offen ist zudem, ob der Gesuchte allein handelte oder ob es mögliche Kompliz:innen gab. Die Polizei erklärte, Zeug:innen hätten dazu unterschiedliche Aussagen gemacht. Auch die Rolle des Fahrzeugs ist noch nicht vollständig geklärt.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner sprach von einem "Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft". Für die queere Community ist die Tat ein Schock: Was als großes Fest für Vielfalt, Demokratie und Toleranz gedacht war, endete in Trauer, Angst und einer der größten Fahndungen der letzten Monate in Berlin.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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