Warsh folgt auf Powell

Trumps Wunschkandidat: Steht die Unabhängigkeit der Fed auf dem Spiel?

Veröffentlicht:

von Max Strumberger

:newstime

Trump beleidigt Fed-Chef: "Dumme Person"

Videoclip • 01:29 Min • Ab 12


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Mit der Ernennung Kevin Warshs zum Fed-Chef erfüllt sich Donald Trump einen lange gehegten Wunsch. Doch Volkswirte und Zentralbanker weltweit fürchten, die Fed könnte zur politischen Bühne werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der US-Senat hat entschieden: Kevin Warsh wird neuer Chef der Federal Reserve.

  • Während Trump seinen Erfolg feiert, warnen Kritiker vor einer politisierten Geldpolitik.

  • Gelingt Warsh der schwierige Spagat zwischen Marktvertrauen und Loyalität zum Präsidenten?

Freude beim US-Präsidenten, Sorge und Zweifel unter Ökonomen und Notenbankern auf der ganzen Welt: Donald Trumps Kandidat Kevin Warsh leitet künftig die Federal Reserve, die wichtigste Notenbank der Welt. Der Senat bestätigte die Personalie mit einer Mehrheit von 54 zu 45 Stimmen. Volkswirte befürchten, dass sich die Fed nun von einer datenbasierten Geldpolitik entfernen wird und politisch gesteuert agieren könnte. Steht die Unabhängigkeit der Fed tatsächlich auf dem Spiel, nur um Präsident Trump zu besänftigen?

Das zumindest befürchtet etwa die demokratische Senatorin Elizabeth Warren, die Warsh jüngst als mögliche "Marionette" des Präsidenten bezeichnete. Trump hatte in den vergangenen Monaten vehement Zinssenkungen vom bisherigen Fed-Chef Jerome Powell gefordert. Der zwölfköpfige Zentralbankrat sträubte sich. In der Folge beleidigte Trump Powell und stellte dessen Entlassung in Aussicht.


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Beeindruckende Vita

Warsh hingegen beteuert, er habe sich gegenüber dem Präsidenten zu keiner bestimmten Zinsentscheidung verpflichtet und sei von diesem auch nie dazu aufgefordert worden. Er wolle die Fed unabhängig weiterführen. "Entscheidend wird sein, ob Warsh diese Autonomie am Ende auch gegen den permanenten Zinssenkungsdruck von Donald Trump behaupten kann", sagte Stephan Bales, US-Experte bei der Förderbank KfW.

Warsh, der zuletzt an der Universität Stanford tätig war, gilt eigentlich als "Inflation Hawk". Er tendiert also eher zu einer restriktiveren Geldpolitik, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Der 56-Jährige soll sich allerdings laut US-Medien offen für niedrigere Leitzinsen gezeigt haben.

Warsh, Schwiegersohn des engen und langjährigen Trump-Freundes Ronald Lauder, ist ausgewiesener Finanzexperte und hat eine steile Karriere hinter sich. Geboren im Bundesstaat New York, studierte er Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Wirtschaft und Statistik an der Elite-Universität Stanford und legte 1995 an der renommierten Harvard Law School einen Jura-Abschluss ab.

Danach arbeitete er bei der Großbank Morgan Stanley im Investmentbanking, bevor es ihn 2002 in die Politik zog. Als Sonderberater unterstützte er den damaligen Präsidenten George W. Bush in der Wirtschafts- und Finanzpolitik. Bush nominierte ihn dann für den Posten des Fed-Führungsgremiums, dem er bis 2011 angehörte und dort Vertreter der Fed bei den G20-Staaten war.

Mit nur 35 Jahren wurde er Fed-Gouverneur. Als jüngstes Vorstandsmitglied in der Geschichte der Notenbank stand er schon einmal kurz davor, sie zu leiten. Bereits 2017 soll Trump erwogen haben, ihn als Nachfolger für Janet Yellen zu nominieren - er entschied sich aber schließlich für Powell.

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Warsh vor Drahtseilakt

Mit seiner Rückkehr zur wichtigsten Notenbank der Welt gilt es für Warsh nun allerdings deutlich mehr abzuwägen als nur die Frage, ob er Trumps Ruf nach Zinssenkungen folgt oder nicht:

Die Inflation: Infolge des Iran-Krieges schnellte die Teuerungsrate in den Vereinigten Staaten auf 3,8 Prozent nach oben. Ein Abflauen ist angesichts mangelnder Fortschritte im Konflikt zwischen Washington und Teheran nicht in Sicht. Senkt die Fed den Leitzins, dürfte das zwar die Kreditkosten drücken und damit die Nachfrage ankurbeln – doch im Zuge dessen auch die Inflation im eigenen Land weiter anheizen.

Die Staatsverschuldung: In den vergangenen zwölf Monaten stieg die US-Staatsverschuldung von rund 36,2 Billionen US-Dollar (rund 30,8 Bio Euro) auf nunmehr knapp 39 Billionen Dollar. Zudem steuert das Haushaltsdefizit für das laufende Jahr auf fast 2 Billionen Dollar zu. Die steigenden Zinskosten fressen einen immer größeren Teil des US-Budgets auf, was die Handlungsfähigkeit der Trump-Regierung massiv einschränkt.

Der Zentralbankrat: Innerhalb des Gremiums dürfte es bei den anstehenden Zinsentscheiden zu heftigen Diskussionen kommen. Powell kündigte jüngst an, als normales Vorstandsmitglied im Gremium bleiben zu wollen. Er versperrt Trump damit die Möglichkeit, einen weiteren seiner Kandidaten im Gremium zu platzieren. Powell dürfte es seinem Nachfolger auch schwieriger machen, Zinssenkungen durchzubringen.

Die Karriere: Sollte Warsh es über kurz oder lang nicht gelingen, den Zentralbankrat zu Zinssenkungen zu lenken, dürfte er bei Trump in Ungnade fallen. Elmar Völker, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg, sieht Warsh vor einem Dilemma: Entweder kann er den Zentralbankrat überzeugen, für Zinssenkungen zu stimmen – und sorgt dafür, dass das Vertrauen der Anleger in die Fed erodiert. "Oder Herrn Warsh geht es wie seinem Vorgänger Jerome Powell, und er findet sich binnen weniger Monate in der Rolle des neuen Prügelknaben Donald Trumps wieder".


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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