Iran-Vergleich im Oval Office

Trump spricht von Pearl Habor – vor Japans Regierungschefin

Veröffentlicht:

von Jacqueline Bittl

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Pearl Harbor: Trump schockt Japans Regierungschefin

Videoclip • 01:17 Min • Ab 12


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Ein historischer Vergleich im Oval Office sorgt international für Stirnrunzeln: Donald Trump rechtfertigt Angriffe auf den Iran mit Pearl Harbor, ausgerechnet vor Japans Regierungschefin.

Ein Moment sichtbarer Spannung im Weißen Haus: US‑Präsident Donald Trump hat bei seinem ersten Treffen mit Japans neuer Premierministerin Sanae Takaichi einen umstrittenen historischen Vergleich gezogen. Wie unter anderem die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, verwendete Trump im Oval Office einen Hinweis auf den Überraschungsangriffs Japans auf Pearl Harbor 1941, um zu erklären, warum die USA ihre Verbündeten vor den jüngsten Angriffen auf den Iran nicht informiert haben.

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Trumps Worte sorgen für Irritationen in Tokio

"Wir wollten eine Überraschung. Wer weiß besser über Überraschungen Bescheid als Japan? Warum habt ihr mir nichts von Pearl Harbor erzählt?", antwortete Trump, als ein Journalist ihn fragte, warum er die Verbündeten nicht über seine Kriegspläne informiert habe. Der US-Präsident spielte damit auf den Angriff auf die US‑Pazifikflotte, der über 2.400 amerikanischen Soldaten das Leben kostete und die USA in den Zweiten Weltkrieg führte, an. Takaichi reagierte daraufhin sichtlich unbehaglich, holte tief Luft und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück.

Trump stellte die Iran‑Operation zugleich als militärischen Erfolg dar und erklärte, innerhalb der ersten zwei Tage sei etwa die Hälfte der erwarteten Ziele ausgeschaltet worden. Zudem lobte er Japan für die Bereitschaft, sich an internationalen Bemühungen zur Sicherung der Straße von Hormus zu beteiligen – und verteilte dabei erneut Seitenhiebe gegen die NATO, der er mangelndes Engagement vorwarf. Tatsächlich hatten Japan sowie mehrere europäische Staaten vorab ihre grundsätzliche Bereitschaft zu Maßnahmen zur Sicherung der wichtigen Schifffahrtsroute erklärt.

In Tokio löste der Vorfall gemischte Reaktionen aus. Trumps Bemerkung wurde teilweise als unangebrachter Scherz empfunden, teilweise löste sie Irritation über die historische Sensibilität des Vergleichs aus. Trump hatte Japan und andere Länder dazu aufgerufen, zur Sicherung der Straße von Hormus beizutragen, doch Takaichi hatte am Montag (16. März) erklärt, es gebe keine Pläne, Kriegsschiffe zur Begleitung von Schiffen in den Nahen Osten zu entsenden. Japans Regierung betont am Dienstag (17. März), man prüfe mögliche Schritte im Rahmen der pazifistischen Verfassung.

Auch innerhalb Europas stößt Trumps Forderung nach militärischer Unterstützung auf Widerstand. Der US‑Präsident hatte der NATO vorgeworfen, einen "sehr törichten Fehler" zu begehen, indem sie sich nicht in den Krieg einschalte. Dem widersprachen führende Politiker:innen deutlich: Deutschlands Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte erklärt, es handle sich nicht um einen von Europa begonnenen Krieg, eine Haltung, die auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron teilt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) stellte zudem klar, dass sich Deutschland während der andauernden Kämpfe nicht mit militärischen Mitteln an der Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus beteiligen werde.

Der Pearl‑Harbor‑Vergleich unterstreicht einmal mehr Trumps fragwürdigen Stil in der Außenpolitik und zeigt, wie schnell historische Bezüge zu diplomatischen Verstimmungen führen können, gerade unter engen Verbündeten.

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Verwendete Quellen:

cnbc.com: "Trump invokes Pearl Harbor in front of Japanese prime minister to defend Iran attack secrecy"

reuters.com: "Trump compares Pearl Harbor to strikes on Iran in meeting Japan's leader"

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