Politik überschattet WM-Finale

Trump kürt ausgerechnet seinen schärfsten Kritiker zum Champion

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von Nadine von Parseval

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Trump kassiert Buhrufe bei WM-Finale

Videoclip • 01:01 Min • Ab 12


Während Spanien den WM-Titel feiert, rückt auf der Ehrentribüne ein politischer Konflikt in den Fokus. Zwischen US-Präsident Donald Trump und den spanischen Vertreter:innen bleibt der Austausch auffallend distanziert. Hintergrund sind monatelange Spannungen über Verteidigungsausgaben und die NATO.

Das Wichtigste in Kürze

  • Spanien hat das WM-Finale gewonnen und den Titel gefeiert.

  • Bei der Siegerehrung fiel die distanzierte Begegnung zwischen Donald Trump und den spanischen Vertreter:innen auf.

  • Hintergrund sind anhaltende Spannungen zwischen den USA und Spanien, insbesondere wegen des Streits über die NATO-Verteidigungsausgaben.

Der Jubel über Spaniens Weltmeistertitel war riesig. Tausende Fans feierten ihre Mannschaft nach dem Finalsieg ausgelassen, während auf der Ehrentribüne vor allem eines auffiel: die auffallend kühle Atmosphäre zwischen US-Präsident Donald Trump und den spanischen Vertreter:innen.

Nach dem Schlusspfiff verfolgte Trump die Feierlichkeiten gemeinsam mit Ehefrau Melania und FIFA-Präsident Gianni Infantino. Später stand er bei der Siegerehrung neben Spaniens König Felipe. Beobachter:innen zufolge wechselten beide jedoch kaum ein Wort miteinander.

Spannungen reichen weit über den Sport hinaus

Die reservierte Begegnung kommt nicht überraschend. Seit Monaten belasten politische Differenzen das Verhältnis zwischen Washington und Madrid. Trump wirft Spanien vor, innerhalb der NATO zu wenig für die eigene Verteidigung zu tun und sich auf den Schutz der Vereinigten Staaten zu verlassen.

Bereits im März fand der US-Präsident deutliche Worte: "Spanien ist furchtbar, ich habe Scott gesagt, er solle den Handel mit Spanien komplett kippen." Wenig später verschärfte Trump seine Kritik weiter. "Spanien hat absolut nichts, was wir brauchen – außer großartigen Menschen. Sie haben großartige Menschen, aber keine gute Führung."


Streit um Verteidigungsausgaben

Auslöser des Konflikts ist Spaniens Haltung beim NATO-Ziel für Verteidigungsausgaben. Anders als die übrigen Bündnispartner wollte sich Madrid nicht verpflichten, künftig fünf Prozent der Wirtschaftsleistung für Verteidigung bereitzustellen.

Trump kritisierte das mehrfach öffentlich. "Es ist das einzige Land, das seinen Anteil nicht auf 5 Prozent erhöht hat. Alle anderen NATO-Staaten haben ihren Anteil erhöht. Und Spanien profitiert sehr von uns. Deshalb bin ich mit Spanien nicht zufrieden."

Das Verhalten Spaniens sei "eine sehr schlimme Sache" und "sehr unfair". erklärte Trump. Zudem sagte er: "Ich habe darüber nachgedacht, sie mit Zöllen zu bestrafen." Anfang Juli verschärfte der US-Präsident seine Drohungen erneut. "Wir werden den gesamten Handel mit Spanien einstellen. Wir wollen nichts mehr mit Spanien zu tun haben."

Besonders spöttisch wurde Trump, als er eine mögliche spätere Reaktion Spaniens nachahmte. "Mal sehen, wie feindselig sie noch sind, wenn sie kommen und sagen: 'Bitte, bitte, wir wollen mit Ihnen Handel treiben, Sir'", sagte der US-Präsident. Damit stellte er Madrid als Bittsteller dar und machte deutlich, dass es ihm nicht nur um politischen Druck, sondern auch um eine öffentliche Demütigung der spanischen Regierung ging. Trump behauptete zudem, Spanien habe den USA "absolut nichts" zu bieten. Zugleich machte er deutlich, dass er nach eigener Auffassung die Befugnis habe, sämtliche Geschäfte mit dem Land zu unterbinden.

Auch in den News:

Der Eklat war erst wenige Tage alt

Dass Donald Trump den spanischen Vertreter:innen bei der WM-Siegerehrung sichtbar distanziert begegnete, kam nicht aus dem Nichts. Sein jüngster öffentlicher Wutausbruch gegen Spanien lag gerade einmal elf Tage zurück.

Anfang Juli, beim NATO-Gipfel in Ankara, hatte der US-Präsident seine Angriffe auf die Regierung von Pedro Sánchez noch einmal deutlich verschärft. Vor laufenden Kameras sagt er: "Spanien ist ein verlorener Fall, ein schrecklicher Partner in der NATO" und warf der Regierung erneut vor, die "Vereinigten Staaten und die übrigen NATO-Partner auszunutzen." Seine Tirade gipfelte in der öffentlichen Aufforderung an seinen Finanzminister, Spanien wirtschaftlich unter Druck zu setzen.

Der Konflikt schwelt allerdings bereits seit Monaten. Trump hatte Sánchez mehrfach wegen dessen außen- und sicherheitspolitischem Kurs attackiert und Spanien wiederholt zum bevorzugten Ziel seiner Kritik innerhalb der NATO gemacht. Der Auftritt in Ankara war bislang der Höhepunkt dieser Auseinandersetzung – und lag zum Zeitpunkt des WM-Finales noch keine zwei Wochen zurück.

Auch in Spanien wurde Trumps Auftritt als innenpolitische Steilvorlage für Ministerpräsident Pedro Sánchez gewertet. Der spanische Politikanalyst Pedro Vallín bezeichnete die Tirade des US-Präsidenten als das "größtmögliche Geschenk" für Sánchez. Über Trumps Wutausbruch sagte er: "Es ist, als würde dich Adolf Hitler im Jahr 1939 beleidigen." Mit dem drastischen Vergleich wollte Vallín wahrscheinlich verdeutlichen, dass die Angriffe des US-Präsidenten Sánchez in den Augen vieler Spanier:innen eher stärken als schwächen.


WM-Finale wird zur politischen Bühne

Damit bekam das WM-Endspiel zwischen Spanien und Argentinien, dessen Auftreten von der Weltpresse scharf kritisiert wurde, nicht nur sportliche Bedeutung. Während Spanien auf dem Rasen den Titelgewinn feierte, rückte auf der Tribüne das angespannte Verhältnis zwischen den USA und einem ihrer europäischen Verbündeten in den Mittelpunkt. Ausgerechnet Donald Trump überreichte schließlich den WM-Pokal an das Team eines Landes, das er in den vergangenen Monaten wiederholt scharf kritisiert hatte.


Verwendete Quellen:

Bild: "Eiszeit zwischen Trump und dem Weltmeister!"

Tagesspiegel: "Schimpftirade im Nato-Streit: Trump will alle Handelsbeziehungen mit Spanien abbrechen – zumindest Sánchez bleibt gelassen"

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