Notlage nach russischen Angriffen
Stromausfall bei –20 Grad: Wie Kiew dem bislang kältesten Kriegswinter trotzt
Veröffentlicht:
von Jana Wejkum:newstime
Selenskyj warnt vor neuem Russen-Angriff
Videoclip • 34 Sek • Ab 12
Zweistellige Minusgrade stellen die Bevölkerung der ukrainischen Hauptstadt auf eine harte Probe. Wegen Raketenangriffen sind Notabschaltungen an der Tagesordnung. Unicef warnt vor drohender Unterkühlung bei Kindern.
Es schneit und nachts sinken die Temperaturen bis auf minus 20 Grad: denkbar schlechte Umstände für flächendeckende Stromausfälle. In der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind diese aktuell aufgrund schwerer russischer Angriffe an der Tagesordnung. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, könnte die Lage durch weitere Angriffe zu einer humanitären Katastrophe werden.
Seit Herbst gibt es stundenweise geplante Stromausfälle, weil das russische Militär seitdem wieder systematische Angriffe auf Umspannwerke, Kraftwerke und auch auf Heizkraftwerke unternimmt.
Erst als Kiew vor einer Woche massiv mit ballistischen Raketen beschossen wurde, verschlechterte sich die Lage dramatisch: Mehrere Tage lang waren Stadtteile im Osten Kiews ohne Strom. Gut 6.000 Wohnblöcke und damit mehrere Hunderttausend Einwohner:innen mussten ohne Heizung auskommen. Seit Dienstag (13. Januar) sorgten neuerliche Raketenschläge für Notabschaltungen im gesamten Stadtgebiet.
Luxus: Waschen, Heizen, Fahrstuhl fahren
Das Ergebnis: stockender Nahverkehr, keine Kochmöglichkeiten, lahmgelegte Fahrstühle und einstellige Temperaturen in Wohnräumen. Laut Informationen der dpa nutzen Stadtbewohner:innen ihren Gasherd, um Ziegelsteine aufzuwärmen, und verwenden sie als Wärmequellen in ihren Betten.
Die Stadt hat nach Angaben der Behörden in Schulen und Behörden "Punkte der Unbeugsamkeit" eingerichtet. Dort gibt es Tag und Nacht Strom zum Aufladen von Handys, Internetzugang und heißen Tee. Rund 1.200 solcher Stellen soll es geben, hinzu kommen 45 Aufwärmzelte in besonders betroffenen Vierteln.
Auch in den News:
Unicef: Kinder von Unterkühlung bedroht
Die Schüler:innen Kiews haben aufgrund der Umstände Schulferien bis Anfang Februar. Das UN-Kinderhilfswerk Unicef veröffentlichte am Freitag (16. Januar) ein Statement, in dem es ein Ende der schweren Angriffe fordert. "Kinder und ihre Familien leben im ständigen Überlebensmodus", heißt es darin. Eltern könnten ihre Kinder weder baden, noch mit warmem Essen versorgen. Kuscheltiere würden in die Fenster gestopft, "um die eisige Kälte draußen zu halten".
Besonders Neugeborene und Säuglinge seien von Unterkühlung und Atemwegserkrankungen bedroht. "Ohne Wärme und medizinische Hilfe kann diese Situation schnell lebensbedrohlich werden", schreibt Unicef.
Prognose: drei Wochen Frost
Obwohl es Fortschritte bei den Reparaturen gibt, seien laut Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko rund 300 Wohnblöcke immer noch ganz ohne Heizung. Weitere Angriffe könnten die Reparaturen wieder zunichte machen. Klitschko warnt die Bürger:innen: "Der Frost wird laut Prognose noch gut drei Wochen anhalten." Vor dem Frühling ist ein Ende der Krise für Kiew kaum in Sicht.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Unicef: "Schwere Angriffe und bittere Kälte: Der härteste Kriegswinter trifft Kinder in der Ukraine"
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