Landesweite Proteste

Iran vor neuer Ära? Wieso ausgerechnet der Schah-Sohn Pahlavi Hoffnung weckt

Veröffentlicht:

von Emre Bölükbasi

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Iran: Rolle des Schah-Sohns im Exil

Videoclip • 02:00 Min • Ab 12


Im Iran eskalieren Proteste gegen das Regime – und plötzlich rückt ein Name wieder ins Zentrum der Geschichte: Reza Pahlavi. Wer ist der Mann, den viele als Hoffnungsträger sehen?

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit Ende Dezember protestieren Iraner:innen gegen das Regime.

  • Was zunächst ein Aufstand gegen die Wirtschaftskrise war, wurde rasch zu einem politischen Protest.

  • Der Name Reza Pahlavi fällt seitdem immer wieder in jeder Iran-Debatte. Ein Überblick über die Bedeutung der Pahlavis für den Iran.

Das Internet ist tot, die Straßen beben. Im Iran gehen seit Ende Dezember Zehntausende auf die Straße – trotz massiver Gewalt und Verhaftungen. Die Wirtschaft liegt am Boden, die Währung ist abgestürzt. Für viele Iraner:innen fühlt es sich an wie ein historischer Moment – als könnte das Regime erstmals ernsthaft ins Wanken geraten.

Mitten in diesem Chaos taucht ein Name immer wieder auf: Reza Pahlavi. Wer ist dieser Mann, der für viele als Hoffnungsträger gilt, aber auch umstritten ist? Und wieso spielt seine Familie heute noch eine wichtige Rolle? Ein Rückblick auf die turbulente Politik in der jüngeren Geschichte des Iran.

Keine politische Macht der Pahlavis seit 1979

Der Sohn des letzten Schahs lebt seit der Revolution von 1979 im Exil in den USA. Politische Macht hat er keine – aber Sichtbarkeit. In Interviews bietet er sich als Vermittler für eine mögliche Übergangsphase an. Ohne Titel, ohne Krone, wie er selbst sagt. Für viele Regimegegner ist er damit zur prominentesten Stimme einer zersplitterten Opposition geworden.

Um zu verstehen, warum ausgerechnet ein Pahlavi heute wieder Hoffnung auslöst, lohnt sich der Blick zurück. Die Dynastie begann 1925 mit Reza Schah Pahlavi, der das damalige Persien autoritär modernisieren wollte – eng gestützt vom Westen.

Sein Sohn Mohammed Reza Pahlavi setzte diesen Kurs fort. Doch Modernisierung von oben, massive Repressionen durch Militär und Geheimdienst und die Ausschaltung demokratischer Kräfte wie Premierminister Mohammad Mossadegh schufen ein explosives Gemisch. Der von CIA und britischem Geheimdienst unterstützte Sturz Mossadeghs 1953 gilt bis heute als Wendepunkt.

Massenproteste führen zum Ende der Pahlavi-Ära

Die Rechnung folgte 1979. Massenproteste, wirtschaftliche Ungleichheit und politische Unterdrückung ebneten den Weg für die Islamische Revolution. Der Schah floh, Ajatollah Khomeini kehrte zurück, die Islamische Republik entstand. Doch auch dieses System entwickelte mit der Zeit autoritäre Züge: Machtkonzentration beim Obersten Führer, wirtschaftliche Dominanz der Revolutionsgarden, Korruption, Misswirtschaft und harte Repression gegen jede Form von Protest.

Heute kommt all das zusammen. Die Wirtschaftskrise verschärft den sozialen Druck, selbst ehemals regimetreue Händler protestieren. Präsident Massud Peseschkian räumte öffentlich ein, dass die Probleme hausgemacht seien. Gleichzeitig reagiert der Staat mit Gewalt und Internet-Blackouts. Aus wirtschaftlichem Protest ist längst eine politische Bewegung geworden – ähnlich wie einst gegen die Pahlavis.

Reza Pahlavi profitiert von diesem historischen Echo. Für viele junge Iraner:innen steht sein Name weniger für Monarchie als für einen säkularen Staat und internationale Öffnung. Andere warnen: Auch das Schah-Regime sei repressiv gewesen, Pahlavi sei umstritten, eine geeinte Opposition existiere nicht.

Wie es weitergeht, ist offen – ob das Regime überlebt, chaotisch kollabiert oder eine Übergangsphase entsteht. Sicher ist nur: Die Vergangenheit des Iran ist plötzlich wieder hochaktuell. Und sie entscheidet mit über seine Zukunft.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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