Autobauer unter Druck

SPD-Politiker jubelt über VW-Erfolge in China: Lanz fragt sich, "was Deutschland davon hat"

Veröffentlicht:

von Natascha Wittmann

:newstime

VW streicht Erfolgsmodell "Touran" aus dem Programm

Videoclip • 01:19 Min • Ab 12


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Bei "Markus Lanz" prallte die Euphorie über das VW-Comeback in China auf die Sorge um Jobs in Deutschland. Als es um Tempo, Transformation und die Folgen für heimische Werke ging, lieferte sich der ZDF-Moderator ein Wortgefecht mit SPD-Ministerpräsident Olaf Lies.

VW überrascht in China: Im ersten Quartal 2026 ist der Konzern dort wieder Marktführer. Bei "Markus Lanz" wurde der Erfolg am Dienstagabend aber nicht einfach bejubelt, sondern als Startpunkt für die Frage genutzt, was das eigentlich für Deutschland bedeutet.

Lanz wunderte sich zunächst darüber, dass VW in China Modelle verkauft, die es hierzulande gar nicht gibt. China-Experte Jörg Wuttke erklärte den Kurswechsel mit einem klaren Fokus auf Tempo und Anpassung. So habe man in den letzten zwei Jahren "massiv investiert", um "eben chinesischer zu werden. Und deswegen hat man es geschafft, nicht vier Jahre zu brauchen, um ein neues Modell herzustellen, sondern zwei Jahre."

Doch Lanz blieb skeptisch: "Es ist ja schön, wenn VW Erfolg hat, aber die Frage, was Deutschland davon hat, interessiert uns dann auch." Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies erinnerte an frühere Effekte: "Wir haben ja davon profitiert, dass wir so erfolgreich in China waren." Dies sei "ja auch ein Benefit für den Konzern selbst" gewesen.

Aus Lies' Sicht sei das Comeback auf dem chinesischen Markt alternativlos: "Der Weg, den chinesischen Markt wiederzuerobern, der musste sein." Dem SPD-Mann zufolge sei es "ein Riesenerfolg, überhaupt mal wieder den Fuß in der Tür zu haben". Wuttke brachte es schließlich als Aufgabe für Deutschland auf den Punkt: "Wir müssen die Transformationsphase hinbekommen."


Olaf Lies: "Ich glaube, wir machen einen Fehler"

"Wir müssen gucken, wie wir diese nächsten fünf bis sechs Jahre hinbekommen, dass unsere Firmen in China (...) lernen, anders zu bauen, schneller zu bauen, risikoreicher zu bauen", erklärte Wuttke. Das Know-how müsse am Ende auch in Deutschland ankommen.

Journalistin Kerstin Münstermann äußerte jedoch Zweifel, ob sich das politisch vermitteln lasse: "Ob Ihr Konzept tatsächlich dem deutschen Verbraucher und dem Wähler klarzumachen ist, habe ich Zweifel. Weil der Arbeitsplatz ist weg." Lies widersprach sofort: "Das ist er eben nicht." Er mahnte: "Aus Angst davor, dass ich es nicht vermitteln kann, eine Debatte nicht zu führen, wäre fatal." Lanz wiederholte dennoch Münstermanns Worte: "Aber der Arbeitsplatz ist weg!"

Lies beharrte erneut darauf, dass dies nicht der Fall sei. "Wo soll denn produziert werden? In deutschen Werken natürlich!" Der SPD-Politiker warnte davor, sich in die Zuschauerrolle zu begeben: "Ich glaube, wir machen einen Fehler, wenn wir dasitzen, zugucken und sagen: 'Dann schrumpfen wir halt, weil wir gegen den Wettbewerb, der kommt, nichts machen können.'" Deutschland müsse sich stattdessen "auf die Welle mit begeben und sagen: 'Wie können wir profitieren davon?'." Er betonte: "Wir müssen wieder Lust haben, erfolgreich zu sein." Ob damit auch längere Arbeitszeiten gemeint seien, ließ Lies trotz mehrerer Nachfragen des ZDF-Moderators offen.

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Olaf Lies: "Das trifft den Ferienflieger und damit die Menschen direkt"

Neben VW ging es in der Sendung auch um die Folgen des Irankrieges. Lanz fragte, wie sehr der Konflikt die deutsche Wirtschaft treffe. Lies antwortete ehrlich: "Es ist wirklich fundamental." Deutschland brauche, so der SPD-Politiker, "dringender denn je" ein "Stück Wirtschaftswachstum".

Gleichzeitig treibe der Konflikt die Energiepreise in die Höhe, was Deutschland "extrem" betreffe. "Deswegen müssen wir alle ein großes Interesse daran haben, dass es am Ende auch zu einer Verhandlungslösung kommt, die eine dauerhafte Stabilität gibt." Lies erklärte in dem Zusammenhang: "Je länger dieser Konflikt andauert, desto schwieriger wird die Lage." Dies gelte "vor allen Dingen im Preis. Das merken wir natürlich heute schon. Das trifft den Ferienflieger und damit die Menschen direkt."

Kerstin Münstermann schlug derweil Alarm, als es um die angespannte Stimmung zwischen China und Taiwan ging. Sie mahnte: "Sollte es nur um eine Blockade von Taiwan gehen, haben wir Probleme in der Wirtschaft." Olaf Lies stimmte zu und sagte, ein Konflikt träfe "unglaublich viele deutsche Unternehmen (...), die da sind". Die Welt müsse zusammenstehen, mahnte er: Es brauche "eine klare europäische Politik mit China".

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