Vor türkischer Küste
Schwarzes Meer: Tanker der russischen Schattenflotte mit Drohne getroffen
Veröffentlicht:
von Max StrumbergerEin Tanker der russischen Schattenflotte, damit will Moskau westliche Sanktionen umgehen. (Archivbild)
Bild: Damien Meyer/AFP/dpa
Ein Öltanker der mutmaßlichen russischen Schattenflotte ist im Schwarzen Meer von einer Drohne getroffen und schwer beschädigt worden. Türkische Medien berichten von einem Brand an Bord und einem Einsatz der Küstenwache.
Das Wichtigste in Kürze
Der Konflikt um Russlands Umgehung westlicher Ölsanktionen eskaliert.
Im Schwarzen Meer wurde der Tanker Elbrus, angeblich Teil der Schattenflotte, von einer Drohne attackiert.
Die türkische Küstenwache brachte das beschädigte Schiff in Sicherheit.
Im Schwarzen Meer wurde ein Öltanker, der Teil von Russlands sogenannter Schattenflotte sein soll, von einer Drohne angegriffen und offenbar schwer beschädigt, berichtet die ukrainische Zeitung "Kyiv Post" unter Berufung auf türkische Medien. Demnach wurde der Tanker Elbus, der unter der Flagge des Pazifikstaats Palau fährt, rund 30 Seemeilen (etwa 56 Kilometer) vor der türkischen Küste getroffen. Nach Angaben türkischer Berichte beschädigte der Drohnenschlag den oberen Bereich des Tankers, was zu einem Brand führte.
Unmittelbar nach dem Einschlag setzte die Besatzung einen Notruf ab. Daraufhin eilten Einheiten der türkischen Küstenwache zu Hilfe, eskortierten das Schiff in die Nähe des Hafens von İnebolu und ließen es dort vor Anker gehen. Die Behörden prüfen nun das Ausmaß der Schäden. Über mögliche Umweltfolgen wurde zunächst nichts bekannt; Verletzte oder Tote wurden nicht gemeldet. Auch zur Art der Ladung oder zur exakten Route des Tankers machten die türkischen Medien keine Angaben.
Trump gibt Ukraine grünes Licht
Der Vorfall gilt als weiterer Schritt in einer sich zuspitzenden Auseinandersetzung um jene Schiffe, mit denen Russland westliche Ölsanktionen zu umgehen versucht. Erst vor wenigen Tagen hatten die USA im Atlantik einen Tanker der russischen Schattenflotte gekapert. Im Hintergrund dieser Angriffe steht eine strategische Verschiebung der westlichen Ukraine-Politik. Das Magazin The Atlantic berichtete unter Berufung auf Quellen in Washington, die US-Regierung unter Präsident Donald Trump habe Kiew ausdrücklich grünes Licht gegeben, russische Ölinfrastruktur ins Visier zu nehmen, um Moskau zu größeren Zugeständnissen bei möglichen Friedensverhandlungen zu drängen.
Tanker wollte offenbar Ölexporthafen Noworossijsk ansteuern
Der Tanker Elbrus soll Teil von Russlands Schattenflotte sein, jenem Netzwerk von Schiffen, die durch verschleierte Eigentumsverhältnisse, wechselnde Flaggen und verdeckte Routen dabei helfen sollen, Sanktionen zu umgehen. Ein mit dem ukrainischen Militär verbundenes Telegram-Konto, Operatyvnyi ZSU, erklärte, die Elbus gehöre zu dieser Flotte und sei "auf dem Weg gewesen, Öl in Noworossijsk zu laden, einem der wichtigsten russischen Ölexporthäfen am Schwarzen Meer".
Auch kremlnahe russische Militärblogger beschrieben das Schiff als Teil dieser Schattenflotte. Das unabhängige russische Portal Mediazona verwies darauf, dass der Tanker "wiederholt sein Registrierungsland gewechselt" habe und bis 2014 im Besitz des staatlich kontrollierten russischen Schifffahrtskonzerns Sovkomflot gewesen sei – ein Muster, das häufig genutzt werde, "um Eigentümer zu verschleiern und Sanktionen zu umgehen".
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