Pläne des Agrarministers
Ravioli für den Ernstfall: Wie Deutschland sich besser auf Krisen vorbereiten will
Veröffentlicht:
von Claudia ScheeleAgrarminister Alois Rainer plant eine nationale Ravioli-Reserve.
Bild: Patrick Pleul/dpa
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer will die Ernährungs-Notfallvorsorge ausbauen. Neben Getreide und Linsen sollen künftig auch fertige Gerichte wie Dosenravioli auf Lager gelegt werden.
In Zeiten zunehmender sicherheitspolitischer Spannungen plant Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) eine deutliche Aufstockung der deutschen Ernährungs-Notfallvorsorge. Der CSU-Politiker fordert eine nationale Reserve mit fertigen Lebensmitteln, die im Krisenfall sofort verzehrt werden können. In einem Interview mit dem "Berlin Playbook Podcast" von "Politico" betonte er: "Wir sind momentan in einer sicherheitspolitischen Lage, die uns alle zum Nachdenken bringt. Für mich ist es wichtig, dass neben der Versorgung bei Rüstungsgegenständen auch die Ernährungssicherung eine große Rolle spielt."
Von Getreide zu Dosenravioli: Ein neuer Ansatz
Bislang lagern in denstaatlichen Notfallvorräten vor allem Grundnahrungsmittel wie Getreide, Linsen oder Dosenmilch. Diese müssen jedoch vor dem Verzehr erst aufwendig verarbeitet werden. Rainers Plan sieht daher vor, die Vorräte um fertige Produkte wie Dosenravioli oder Dosenlinsen zu erweitern. "Ich will das ausbauen zu einer nationalen Reserve mit schon fertigen Produkten, die man gleich verzehren kann, wenn sie warm gemacht werden", erklärte der Minister.
Die Kosten für diese neue "Ravioli-Reserve" schätzt Rainer auf 80 bis 90 Millionen Euro. Umgesetzt werden soll das Konzept gemeinsam mit der Privatwirtschaft. Große Lebensmittelketten könnten in das Vorhaben eingebunden werden, da sie über bestehende Lieferketten und Lagerkapazitätenverfügen. "Mein Ansatz wäre, dass man die private Wirtschaft, die großen Lebensmittelketten, da einbezieht", so Rainer.
Warum eine nationale Lebensmittelreserve?
Die Idee hinter dem Ausbau der Ernährungs-Notfallvorsorge ist einfach: Im Krisenfall muss die Bevölkerung schnell und unkompliziert mit Lebensmitteln versorgt werden können. Aktuelle geopolitische Entwicklungen, Lieferkettenprobleme und potenzielle Krisenszenarien verdeutlichen die Notwendigkeit solcher Maßnahmen. Rainer betonte: "Ohne Essen und Trinken könnten wir nicht leben."
Die geplante Reserve soll nicht nur für Katastrophenfälle wie Naturkatastrophen oder Pandemien dienen, sondern auch auf mögliche längerfristige Versorgungsengpässe vorbereiten.
Kritik an dem ungewöhnlichen Vorschlag
Obwohl Rainers Vorschlag grundsätzlich auf Zustimmung stößt, gibt es auch kritische Stimmen. Logistische Fragen wie die Haltbarkeit der Produkte und die regelmäßige Erneuerung der Vorräte werfen Herausforderungen auf. Außerdem wird diskutiert, ob 80 bis 90 Millionen Euro ausreichen, um eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen.
Ein weiterer Punkt ist die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft: Während große Lebensmittelketten vermutlich gut integriert werden könnten, bleibt unklar, wie kleinere Anbieter oder regionale Produzenten eingebunden werden sollen.
Der Bund hat seit einigen Jahren eine staatliche Notfallreserve
Die Idee staatlicher Notfallvorräte ist nicht neu. Bereits seit den 1960er-Jahren lagert der Bund Grundnahrungsmittel wie Getreide ein, um in Krisensituationen die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Diese Vorräte wurden jedoch nie grundlegend modernisiert und bestehen größtenteils aus unverarbeiteten Lebensmitteln.
Die geplante "Ravioli-Reserve" könnte ein zentraler Bestandteil einer umfassenderen Strategie zur Stärkung der deutschen Krisenvorsorge werden. Neben der Verfügbarkeit von Lebensmitteln sollen laut Rainer auch Wasserreserven und Energieversorgung stärker in den Fokus rücken.
Verwendete Quellen:
"Bild": "Ravioli für den Ernstfall: Wie Deutschland sich besser auf Krisen vorbereiten will"
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