Bayerische Tradition

"Schleicht euch aus Bayern!": Söder poltert beim Politischen Aschermittwoch

Aktualisiert:

von Michael Reimers

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Aschermittwoch: Söder schießt gegen Reichinnek

Videoclip • 01:20 Min • Ab 12


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Parteien dient der Politische Aschermittwoch für teils scharfzügige Angriffe auf ihre Gegner. Söder nutzte die Bühne erneut für Verbalattacken.

Das Wichtigste in Kürze

  • Am Politischen Aschermittwoch laden Parteien zur politischen Plänkelei gegen ihre Opponenten.

  • Die Tradition hat ihre Wurzeln in Bayern und reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück.

  • Vor dem Hintergrund der Kommunalwahlen in Bayern steht der diesjährige Politische Aschermittwoch auch im Zeichen des Wahlkampfes.

Für den CSU-Chef Markus Söder ist es die größte politische Show-Veranstaltung des Jahres: Beim Politischen Aschermittwoch gehört die Bühne traditionell dem Regierungschef Bayerns – und der poltert angriffslustig gegen andere Politiker:innen und Parteien. Am Mittwochvormittag (18. Februar) teilte Söder gegen politische Gegner:innen aus


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Grünen-Bashing und Ansage an Sozialisten

Gleich zu Beginn seiner Rede hat Söder mehrere Ansagen gemacht. "Hier ist nicht die Berliner Blase, hier spricht das Volk!", rief der CSU-Chef. "„Hier ist eine links-grüne Verbotszone!" Die Grünen hätten ein "Söder-Trauma", behauptete er.

Auch an die politische Linke hat er eine klare Botschaft gerichtet: "Und an alle sozialistischen Klugscheißer kann ich nur sagen: 'Schleicht euch aus Bayern!'"

Der Ministerpräsident kritisierte auch zum wiederholten Male den Länderfinanzausgleich. Es müsse endlich Schluss sein mit der "innerdeutschen Entwicklungshilfe", beklagt er in Passau.

Was ist der Politische Aschermittwoch?

Die Tradition des Politischen Aschermittwochs geht ursprünglich auf den Freistaat Bayern zurück. Dort gilt dieser Tag als Landestreffen aller größten deutschen Parteien. Daher gehören Bier und Fischsemmeln zum Politischen Aschermittwoch traditionell dazu. Mittlerweile wird auch in anderen Bundesländern der Politische Aschermittwoch von Parteien als schelmisches Sprachrohr genutzt.

Es geht dabei weniger darum, Ideen und Konzepte zu vermitteln. Vielmehr ist das Ziel, auf humoristische, aber durchaus schnippische, oder gar polemische Art und Weise den politischen Gegner:innen abzuwatschen. Persönliche und unsachliche Attacken auf Politiker:innen anderer Parteien stehen dabei auf der Tagesordnung. Von den Redner:innen werden zumeist emotionale Themen aufgegriffen, mit Bezug zu aktuellen Krisen: von Pflege, Rente oder Bürgergeld, bis hin zu Migration, Sicherheitspolitik sowie Schuldenbremse. Die politische Gefolgschaft soll dabei motiviert als auch mobilisiert, Gegner:innen im besten Fall Wähler:innen abgejagt werden.

Die CSU wird als Traditionsträger für den Politischen Aschermittwoch angesehen, da die Partei die Versammlungen seit ihrer Entstehung in bayerischer Tradition fortlaufend als politische Bühne nutzte. Oppositionsparteien der CSU bekommen auf der Versammlung seither ihr Fett weg.

Der Politische Aschermittwoch hat mittlerweile neben seiner traditionellen Bedeutung auch einen zweckmäßgen Stellenwert. Besonders wenn Wahlen im laufenden Jahr anstehen, wird der polemische Schlagabtausch auch als Wahlkampfveranstaltung genutzt.

Geschichte des Politischen Aschermittwochs

Die Anfänge des Politischen Aschermittwochs reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Bayerische Bauer:innen trafen sich in Vilshofen an der Donau zum Vieh- und Rossmarkt. Wenn nicht akribisch um Preise gehandelt wurde, dann ging es um Themen des Tages. Später im 19. Jahrhundert wurde dann auch die königliche Politik in Bayern behandelt. Vilshofen galt traditionsgemäß bis 1975 als Heimat der politischen Veranstaltungen am Aschermittwoch.

Offiziell datiert man den Beginn des Politischen Aschermittwochs jedoch auf das Jahr 1919. Damals rief der bayerische Bauernbund zu einer Versammlung auf, im Zuge derer vorwiegend Spitzenpolitiker der Bayernpartei (BP) und CSU gegeneinander debattierten.

Mitunter diente die Versammlung bis zum Ende der NS-Diktatur auch der NSDAP als Propagandaveranstaltung. Die Partei konnte mithilfe des Politischen Aschermittwochs Popularität erlangen und der Veranstaltung zudem derzeit zu bundesweiter Bekanntheit verhelfen. Während des Zweiten Weltkrieges fanden keine Veranstaltungen statt.

1946 startete der Politische Aschermittwoch erstmalig wieder mit Veranstaltungen in Vilshofen, zu welchem damals die Bayernpartei geladen hatte. Die CSU schloss sich in den 50er Jahren wieder unter Vorsitz von Franz Josef Strauß an. In den 60er Jahren gesellte sich dann auch die SPD hinzu. Wegen des Zulaufes weitere Parteien und einer wachsenden Anzahl an Zuhörer:innen zog der Politische Aschermittwoch 1975 nach Passau, wo jedes Jahr seit 2004 ein humoristisches Scharmützel abgehalten wird.


Kommunalwahlen in Bayern: Am Politischen Aschermittwoch auf Stimmenjagd

Am 8. März 2026 finden in Bayern Kommunalwahlen satt. Daher wird der diesjährige Aschermittwoch als Bühne für die Mobilisierung der Partei-Wählerschaft genutzt. Folgende Parteien laden in diesem Jahr zum scharfzügigen Schlagabtausch:

  • CSU in Passau, Dreiländerhalle: Parteichef und Ministerpräsident Markus Söder sowie Generalsekretär Martin Huber als Redner

  • Grüne in Landshut, Bernlochner Saal: Landtagsfraktionschefin Katharina Schulze und Bundestagsfraktionschefin Katharina Dröge als Redner:innen

  • Freie Wähler in Deggendorf, Stadthalle: Parteichef Hubert Aiwanger, Florian Wiedemann und Digitalminister Fabian Mehring als Redner

  • SPD in Vilshofen an der Donau, Wolferstetter Keller: Vizekanzler und Parteichef Lars Klingbeil sowie Bayern-SPD-Chefin Ronja Endres als Redner

  • Die Linke in Thyrnau, Kurgästehaus Kellberg: Stellv. Fraktionsvorsitzende im Bundestag Janine Wissler als Rednerin

  • AfD in Tiefenbach, Gasthof Knott: Landtagsfraktionschefin Katrin Ebner-Steiner, Landeschef Stephan Protschka und Vize-Bundestagsfraktionschef Markus Frohnmaier als Redner

  • BSW in Tiefenbach, Gasthof Knott: Bundesvorsitzende Fabio De Masi und Amira Mohamed Ali als Redner

  • FDP in Dingolfing, Stadthalle: Vize-Parteichef Wolfgang Kubicki als Redner

  • ÖDP in Passau, Gasthof Aschenberger: Landesvorsitzende Agnes Becker und Tobias Ruff als Redner:innen


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

historisches-lexikon-bayerns.de: "Politischer Aschermittwoch"

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