Vor walisischer Küste

"Neptun's Armee der Müllbeseitiger" findet mutmaßliche russische Spionage-Boje

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von Jana Wejkum

Der Tanker "Eventin" gehört zur sogenannten russischen Schattenflotte, die mit Ölschmuggel, Sabotage und Spionage in Verbindung steht. (Archivbild)

Bild: REUTERS


Taucher:innen wollten eigentlich die walisische Küste von Müll befreien, stattdessen entdeckten sie eine Sonarboje.

Das Wichtigste in Kürze

  • Britische Taucher:innen fanden bei einer Aufräumaktion ein Objekt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit als russische Sonarboje identifiziert wurde.

  • Ähnliche Bojen wurden bereits an den Küsten des Vereinigten Königreichs, Irlands und Litauen gefunden.

  • Russische Aktivitäten in Nord- und Ostsee sowie in der Arktis stehen schon lange im Verdacht, Teil von militärischer Aufrüstung, Spionage- oder Sabotageaktionen zu sein.

An gewöhnlichen Tagen fischen die Taucher:innen der "Neptune's Army of Rubbish Cleaners" (NARC) alte Fischernetze und Angel-Equipment aus Plastik aus dem Wasser. Am 15. November ging ihnen vor der Küste des walisischen Pembrokeshire ein ungewöhnlicher Fang ins Netz: Ein rund 120 Zentimeter langer Metallzylinder, rund 15 Kilogramm schwer und etwas verbeult.

Wie die BBC berichtet, hielten die Taucher:innen das Objekt zunächst für eine Navigationshilfe. Dann sei ihnen der Verdacht gekommen, dass es sich um eine Sonarboje handeln könnte. Diese Geräte werden etwa dazu benutzt, U-Boote zu erkennen. Die NARC-Taucher:innen meldeten ihren Fund der Küstenwache, die das auf BBC-Anfrage auch bestätigt habe. Von der Boje sei keine Gefahr ausgegangen.

Typisch für russisches Seeaufklärungsflugzeug

Ein hinzugezogener unabhängiger Verteidigungsexperte habe das Objekt als eine implodierte russische RGB-1A Sonarboje identifiziert. Bojen dieser Art haben einen Sensor, der mithilfe von Sonar Unterwasserobjekte identifizieren kann. Sie würden typischerweise von russischen Seeaufklärungsflugzeugen genutzt.

Obwohl die NARC-Taucher:innen einen solchen Gegenstand noch nie zuvor geborgen hatten, sei der Fund laut BBC nicht ungewöhnlich für britische Gewässer. Bojen der gleichen Bauart wären in vergangenen Jahren auf Stränden im Vereinigten Königreich, Irland und Litauen gefunden worden.

Laut dem Verteidigungsexperten sei das Gerät wahrscheinlich schon länger außer Betrieb. Er vermute, dass die Boje erst vor kurzem abgeworfen wurde, da noch keine Spuren von Algen- oder Muschelbewuchs zu sehen seien. Die Royal Navy habe sich zu dem Vorfall nicht näher äußern wollen.

Ein weiterer Fall russischer See-Spionage?

Die BBC hebt hervor, dass noch in derselben Woche das russische Schiff "Yantar" (deutsch: "Bernstein") in der Nähe britischer Gewässer gesichtet worden war. Es werde verdächtigt, heimlich die Position britischer Seekabel auszuspähen, die den Großteil der Datenverbindung zwischen dem Vereinigten Königreich und dem Rest der Welt darstellen.

Zudem seien vor Kurzem Royal Air Force Piloten von der "Yantar" aus mit Lasern angestrahlt worden, mutmaßlich um sie zu blenden. Die russische Botschaft teilte ihrerseits mit, kein Interesse an britischer Unterwasserkommunikation zu haben.

Auch anderswo fielen russische Aktivitäten auf hoher See auf. So erregte vor wenigen Wochen das internationale Rechercheprojekt "Russian Secrets" Aufmerksamkeit: Für das geheime Militärprojekt "Harmonie" baue Russland demnach ein Unterwasser-Netzwerk von Sensoren, mit der es seine Atomwaffen in der arktischen Barentssee schützen will.

Am ersten Weihnachtstag 2024 wurden zudem die Unterwasserkabel "Estlink 2" vermutlich durch einen Tanker der russischen Schattenflotte beschädigt. Die Schiffe stehen in Verdacht, westliche Sanktionen zu umgehen und womöglich an Spionage- und Sabotageaktionen beteiligt zu sein.


Verwendete Quellen:

BBC: "Suspected Russian tracking device found by scuba divers"

ntv: "Moskau überwacht Meere: Müllfischern geht offenbar russische Spionage-Boje ins Netz"

NDR: "Russian Secrets. So schützt Putin seine Atomwaffen."

Tagesschau: "Warum Russlands Schattenflotte verdächtigt wird"

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