Bei "Markus Lanz"

CDU-Politiker Sepp Müller wettert gegen AfD-Wahlsieger Siegmund: "Hat die Hose voll"

Aktualisiert:

von Natascha Wittmann

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Wahlverlierer Schulze hat neuen Posten

Videoclip • 35 Sek • Ab 12


Bei "Markus Lanz" rechnete CDU-Politiker Sepp Müller nach der Wahl in Sachsen-Anhalt hart mit AfD-Spitzenmann Ulrich Siegmund ab. Er warf ihm gebrochene Versprechen und Ausweichmanöver bei der Regierungsfrage vor. Auch mit Blick auf Sven Schulze fand Müller überraschend deutliche Worte.

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat die politische Landschaft kräftig durchgerüttelt. Trotz der historischen Wahlniederlage für die CDU folgte in Magdeburg der nächste Paukenschlag: Ausgerechnet Ministerpräsident Sven Schulze wurde zum neuen Vorsitzenden der CDU-Landtagsfraktion gewählt. Nach dpa-Informationen setzte er sich am Dienstag (8. September) in einer Kampfabstimmung knapp gegen den bisherigen Fraktionschef Guido Heuer durch.

Bei "Markus Lanz" äußerte sich Unions-Fraktionsvize Sepp Müller (CDU) sorgenvoll zur aktuellen Entwicklung innerhalb seiner Partei. "Das, was passiert ist, ist eine Katastrophe", so Müller mit Blick auf das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt. Auf die Frage, wie es so weit kommen konnte, lieferte er eine selbstkritische Diagnose: "Wir haben insbesondere als Union (...) an Glaubwürdigkeit verloren. Die Menschen vertrauen uns nicht mehr."

Müller ging noch weiter und sagte: "Wir haben das historisch schlechteste Ergebnis deswegen eingefahren, weil die Menschen uns kein Vertrauen mehr schenken, weil wir an Prinzipien nicht mehr festhalten. (...) Die Leute haben die Nase voll von Dingen, die wir versprechen und nicht umsetzen!"

Im TV-Studio drehte sich das Gespräch dann um die Frage, ob die CDU kurz vor der Wahl taktisch unklug agiert habe. Lanz wollte wissen: "War es ein Fehler, drei Tage vor der Wahl die Tür zur Linkspartei komplett zuzumachen?" Sepp Müller reagierte trocken: "Ich stehe da ganz klar - keine Zusammenarbeit mit Links, keine Zusammenarbeit mit Rechts!" Lanz hielt jedoch dagegen: "Darum geht's ja gar nicht. Es geht ja um die Frage des Timings." Der Moderator legte nach: "War das nötig? Warum fällt Ihnen drei Tage vor der Landtagswahl auf, dass Sie diesen Unvereinbarkeitsbeschluss mit der Linkspartei haben?"

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Sepp Müller: "Das ist in meinen Augen ein fatales Signal"

Statt Fehler zuzugeben, betonte Müller erneut seine Linie: "Sie wissen, dass ich bei dieser Frage (...) schon immer sehr klar war." Lanz wollte dies nicht unkommentiert lassen und stichelte in Richtung Müller: "Sie hatten die Sorge, dass es Sven Schulze dann doch mit der Linkspartei macht?" Die klare Antwort des CDU-Mannes: "Ich habe keine Sorge gehabt." Lanz reagierte ungläubig: "Das macht ja jetzt gerade gar keinen Sinn, was Sie sagen." Sepp Müller gab daraufhin zu: "Sven Schulze hat gesagt, er möchte keine Minister am Kabinettstisch haben von den Linken und von der AfD. Eine Tolerierung schließen wir genau so aus. Diesen Satz hätte ich mir persönlich gewünscht."

Lanz nahm dies zum Anlass, Schulzes Schritt zum Fraktionsvorsitz grundsätzlich infrage zu stellen: "Sven Schulze, der Mann, der so historisch (...) diese Wahl verliert, tritt heute plötzlich an in der Kampfkandidatur um den Fraktionsvorsitz und gewinnt ihn auch. Was macht das mit Glaubwürdigkeit von Politik, wenn Leute so offensichtlich an ihren Ämtern kleben?"

Sepp Müller räumte daraufhin ein: "Ich war ein bisschen überrascht. Gestern im Landesvorstand haben wir gesagt, wir machen den Weg frei für einen Neuanfang." Auf Lanz' Nachfrage, "Sind Sie sauer?", blieb er jedoch kontrolliert: "Das ist eine Entscheidung der Fraktion. Also die akzeptiere ich." Beim nächsten Nachhaken - "War es ein Fehler?" - wurde Müller dann aber deutlicher: "Ich hätte es persönlich nicht so getan. Das ist in meinen Augen ein fatales Signal."

Müller gilt als dezidierter Gegner Schulzes. Nachdem Schulze nach dem Wahldebakel seiner Partei angekündigt hatte, nicht mehr als CDU-Landeschef kandidieren zu wollen, warf Müller seinen Hut in den Ring: Er will die Sachen-Anhalt-CDU künftig anführen.

Justus Bender: "In der AfD hoffen sie auf eine Koalition mit dem BSW"

Im Laufe der Sendung wollte Markus Lanz auch wissen: "Wie hat die AfD es geschafft, so viele - vor allem auch Nicht-Wähler - zu mobilisieren?" Journalist Justus Bender erklärte das weniger mit Fakten als mit Stimmung: "Wenn man nach rationalen Gründen suchen würde, kommt man immer wieder an Punkte, wo AfD-Anhänger sich einfach selbst widersprechen, wo das alles keinen Sinn ergibt." Die Ursache liege daher "im Irrationalen". Und: "Es ist sozusagen eine Identifikation mit Ulrich Siegmund, (...) der eigentlich gar nicht viel falsch machen kann."

Mit Blick auf mögliche Mehrheiten ergänzte Bender schließlich: "In der AfD hoffen sie auf eine Koalition mit dem BSW." Lanz fragte interessiert: "Halten Sie das für möglich, dass das kommt?" Bender antwortete vage: "Ich bin immer erstaunt, wie flexibel Frau Wagenknecht in ihrer Biografie sich schon gezeigt hat. Wäre man jetzt wirklich überrascht, wenn sie auch diesen Tabubruch noch begehen würde?"

Ein mögliches Szenario, das Sepp Müller wütend machte. Er griff AfD-Mann Ulrich Siegmund frontal an und sagte: "Herr Siegmund hat am Anfang gesagt, er will mit niemandem koalieren. Auf einmal will er jetzt doch mit dem BSW zusammengehen, (...) also er hat das erste Wahlversprechen schon gebrochen!" Zum Schluss wurde er noch schärfer: "Herr Siegmund hat die Hose voll! Er hat die Hose voll, Verantwortung für 2,2 Millionen Menschen zu übernehmen, und wirft eine Nebelkerze nach der nächsten!"


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