Aufrüstung auf See
Marine erprobt israelische Rakete mit mehr als 500 Kilometern Reichweite
Veröffentlicht:
von Claudia Scheele:newstime
Eigene Raketen-Startbasis für Bundeswehr
Videoclip • 32 Sek • Ab 12
Die deutsche Marine hat im Nordatlantik erstmals das israelische Raketensystem Lora getestet. Der erfolgreiche Schuss soll den Weg für eine Beschaffung der weitreichenden Waffe ebnen.
Das Wichtigste in Kürze
Die deutsche Marine hat im Nordatlantik das israelische Raketensystem Lora erfolgreich von einer Fregatte aus getestet.
Die ballistische Rakete kann Ziele in mehr als 500 Kilometern Entfernung erreichen und soll die Abschreckungsfähigkeit der Marine deutlich erweitern.
Lora wäre neben Taurus und den geplanten Tomahawk-Systemen ein weiterer Baustein für weitreichende Präzisionswaffen der Bundeswehr.
Die deutsche Marine hat im Nordatlantik einen geheim vorbereiteten Test mit dem israelischen Raketensystem Lora erfolgreich abgeschlossen. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, soll die Waffe künftig die Fähigkeit der Marine erweitern, weit entfernte Ziele an Land zu treffen. Die Rakete hat eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern.
Für die Erprobung waren zwei deutsche Fregatten in das Seegebiet zwischen Irland und Island verlegt worden. Die Vorbereitungen liefen weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Schiffs- und Luftverkehr wurde laut Bericht allerdings 45 Tage vor dem Test gewarnt. Nun sollen die Pläne zur Beschaffung des Systems vorangebracht werden.
Marine sieht "neues Kapitel" bei Abschreckung
Marineinspekteur Jan Christian Kaack bewertete den Test als wichtigen Erfolg. "Mit dem erfolgreichen Schuss einer ballistischen Rakete gestern Nacht im Nordatlantik haben wir Marinegeschichte geschrieben. Ich bin hochzufrieden mit dieser Leistung", sagte er der dpa.
Die Rakete lasse sich von deutschen Schiffen aus einsetzen, ihre mögliche Reichweite übersteige alles, was die Marine bislang gekannt habe. Kaack erklärte weiter: "Zum Schutz Deutschlands und unserer Verbündeten stellt diese Erprobung ein neues Kapitel in Sachen Abschreckung und Verteidigungsbereitschaft auf See dar."
Der Test fällt in eine Zeit wachsender Sorge vor einer möglichen Ausweitung russischer Aggressionen. Nach dem Angriff auf den Flughafen Leipzig/Halle hatte die Bundesregierung Russland für die mutmaßliche Attacke verantwortlich gemacht. Die Beschaffung neuer Waffensysteme ist Teil der seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine beschleunigten Rüstungsprogramme.
Was kann das System Lora?
Lora steht für "Long Range Attack". Die in Israel entwickelte Rakete wird in einem Startcontainer bereitgehalten und kann laut Bericht vergleichsweise schnell auf Schiffen eingesetzt werden. Nach den Kategorien der Rüstungskontrolle zählt sie wegen ihrer Reichweite zu den ballistischen Kurzstreckenraketen.
Im Unterschied zu einem Marschflugkörper fliegt Lora nicht niedrig über dem Gelände ins Ziel. Sie steigt zunächst steil auf, folgt einer ballistischen Flugbahn und steuert anschließend mit hoher Geschwindigkeit auf das Ziel zu. Hersteller Israel Aerospace Industries (IAI) wirbt mit präzisen Schlägen gegen strategische Ziele tief im feindlichen Gebiet. Erkannte Ziele in Reichweite könnten demnach innerhalb von zehn Minuten getroffen werden.
Israel setzte das System nach unterschiedlichen Berichten bereits im Libanon ein. Die Bundeswehr bekäme mit Lora neben dem Marschflugkörper Taurus eine weitere Option für weitreichende Präzisionsschläge. Taurus wird von Tornado- und Eurofighter-Jets eingesetzt und hat ebenfalls eine Reichweite von mehr als 500 Kilometern.
Auch in den News:
Teil einer größeren Abschreckungsstrategie
Die Bundesregierung setzt zusätzlich auf US-Systeme. Am Rande des NATO-Gipfels in Ankara wurde laut dpa der Kauf von Tomahawk-Mittelstreckenwaffen aus den USA besiegelt. Diese haben eine Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern und könnten Ziele weit im russischen Gebiet erreichen.
Parallel arbeitet Deutschland mit europäischen Partnern an eigenen Systemen. Der Lora-Test zeigt, dass die Marine bei dieser Entwicklung nicht mehr nur auf Verteidigung im Küstenbereich setzt. Künftig soll sie auch aus großer Entfernung zur Abschreckung und zur Unterstützung von Bündnispartnern beitragen können.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
:newstime verpasst? Hier aktuelle Folge ansehen
Mehr entdecken

Überraschender Zweitberuf
Babybrei-Pionier Claus Hipp hat ein zweites Leben – als Künstler

Haushaltsmittel im Check
Öko-Test: Billig-Spülmittel putzt teure Marken-Produkte weg

Vorsicht vor Biss
Ungebetener Achtbeiner: Was tun, wenn eine Nosferatu-Spinne ins Haus kommt?

Erpressung per Telefon
Betrüger erzwingen Klopapier-Bestellung für Tausende Euro

Brandenburg
Umspannwerk bei Jänschwalde: Energieunternehmen vermutet Anschlag

:newstime-Sommerinterview
AfD-Chef Chrupalla: Mehr Bauchschmerzen bei Selenskyj als bei Putin


