Hitziges Wortgefecht

"Sie machen den Leuten gerade Angst": Lanz legt sich mit Grünen-Chef Felix Banaszak an

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von Jens Szameit

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"Remigration"-Aussage: AfD zeigt Merz an

Videoclip • 01:03 Min • Ab 12


Bei "Markus Lanz" verteidigte Grünen-Co-Chef Felix Banaszak ausgerechnet Friedrich Merz' Äußerungen in Bezug auf die AfD-Migrationspolitik. Mit seiner Haltung machte er jedoch vor allem den ZDF-Moderator fassungslos, der dem Politiker vorwarf, Angst zu schüren.

Im Bundestag ging es am Mittwoch ungewohnt hart zur Sache: In der ersten Plenarsitzung nach dem historischen AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt flogen nicht nur Zwischenrufe, sondern auch jede Menge Vorwürfe durchs Plenum. Bei "Markus Lanz" stand am Donnerstagabend (10. September) deshalb die Frage im Raum, ob sich der Ton in Berlin spürbar verschärft hat. Der ZDF-Moderator wollte wissen: "Hat sich da atmosphärisch etwas verändert?"

Grünen-Co-Chef Felix Banaszak ordnete daraufhin ein, die Veränderung habe sich "über die letzten Jahre Schritt für Schritt ergeben". Seine Begründung: "Die AfD ist seit 2017 im Bundestag. Das hat den ganzen Debattenton verändert. Seit 2025 ist sie sehr stark vertreten, das hat es nochmal verändert." Besonders mit Blick auf die jüngsten Auftritte der AfD - etwa von Alice Weidel - sprach Banaszak von einer neuen Härte: "Das ist nicht das, was wir in diesem Land brauchen - aber es ist das, was viele jetzt gewählt haben."

Lanz wurde im Verlauf des Gesprächs jedoch zunehmend ungeduldig. Er hakte nach: "Ich warte jetzt die ganze Zeit darauf, dass Sie sich mal zu Friedrich Merz äußern. Das fällt Ihnen irgendwie nicht ein." Hintergrund: Merz hatte im Plenum den von der AfD geprägten Begriff der "Remigration" mit dem Vorwurf eines Versuchs der "ethnischen Säuberung" verknüpft. Banaszak reagierte nüchtern: "Diesen Begriff hätte ich nicht benutzt." Für Lanz klang das nach einer sehr milden Distanzierung: "Das ist die härteste Kritik, die Ihnen dazu einfällt?" Banaszak blieb dabei: "Ja, ich sage das auch sehr deutlich."

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Inhaltlich legte der Grünen-Politiker den Schwerpunkt auf die AfD und ihre Migrationspolitik. Er warnte: "Was da an Gedankengut existiert, das hat ganz, ganz starke Verschränkungen ins offen rechtsextreme Milieu." Gleichzeitig stellte er sich hinter Merz und sagte: "Ich bin froh, dass das erste Mal der Bundeskanzler in den letzten Monaten den Menschen in diesem Land den Rücken gestärkt hat, die gerade Angst haben müssen wegen ihrer Herkunft, wegen ihrer Nationalität." Lanz konterte wütend: "Sie machen den Leuten gerade Angst!" Banaszak widersprach sofort: "Ich mache den Leuten nicht Angst."

Als Lanz nachsetzte, "Doch, Sie machen gerade richtig Angst", machte Banaszak deutlich: "Herr Lanz, ich bin seit Monaten in Sachsen-Anhalt unterwegs gewesen. Ich habe mit diesen Leuten gesprochen. (...) Die Angst mache nicht ich ihnen, die Angst macht ihnen diese Partei und ich bin dankbar, dass der Bundeskanzler gestern diesen Menschen einmal den Rücken gestärkt hat." Dies wollte Juristin Frauke Brosius-Gersdorf nicht unkommentiert lassen. Sie kritisierte Merz' Formulierung scharf und urteilte: "So ein Begriff wie 'ethnische Säuberung' (...) - für mich ist das eine Verharmlosung des Nationalsozialismus!"

Frauke Brosius-Gersdorf sieht "kolossalen Schaden" der Brandmauer-Debatte

Später ging es auch um die Frage, warum die AfD überhaupt so stark werden konnte. Felix Banaszak reflektierte zunächst: "Natürlich müssen sich alle demokratischen Parteien - inklusive der Grünen - die Frage stellen, wie eine so tiefe Entfremdung zwischen immer größeren Teilen der Gesellschaft und dem politischen System entstanden ist." Lanz blockte jedoch genervt ab: "Diese Frage sollten Sie sich nicht mehr stellen! (...) Wie geht denn die Antwort darauf?"

Banaszak blieb allgemein: "Wir haben (...) in den letzten Jahren sehr viel Zeit darauf verwandt, abstrakt die Demokratie zu verteidigen (...) und gar nicht rechtzeitig wahrgenommen, dass das Vertrauen in die Demokratie in doppelter Hinsicht gebrochen ist."

Historiker Andreas Rödder legte derweil einen anderen Fokus: "Wir haben doch seit Jahren diese Polarisierungs- und Eskalationsspirale erlebt. Je radikaler die AfD, desto mehr ist sie ausgegrenzt worden. Je mehr sie ausgegrenzt worden ist, desto radikaler ist sie geworden." Lanz spitzte zu: "War die Brandmauer ein Fehler?" Felix Banaszak schüttelte mit dem Kopf: "Es braucht eine Brandmauer in dem Sinne, dass die Menschen, die ich als Verfassungsfeinde wahrnehme, nicht den Zugriff auf die Regierung haben." Frauke Brosius-Gersdorf sah dies kritisch. Sie warnte, dass die Brandmauer "einen kolossalen Schaden angerichtet" habe, denn: "Sie hat die AfD stark gemacht."


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