Freude und Erleichterung

Letzte tote Geisel zurück in Israel – wo der Gaza-Friedensplan jetzt steht

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von Christopher Schmitt

Für die Freilassung und Übergabe aller Geiseln waren monatelang Tausende Israelis auf die Straßen gegangen. (Archivbild)

Bild: Mahmoud Illean/AP/dpa


In Israel herrscht Freude über die Rückkehr der letzten toten Geisel. Die Armee hat die sterblichen Überreste eines Polizisten gefunden. Kann nun Phase zwei des Gaza-Friedensplans starten?

Das Wichtigste in Kürze

  • Nach Angaben der israelischen Armee wurde die letzte verbliebene in den Gazastreifen entführte Geisel zurückgebracht.

  • Der Leichnam des Polizisten Ran Gvili wurde identifiziert.

  • Sobald Israel im Gegenzug die Leichen von 15 Palästinensern übergeben hat, ist Phase eins des Gaza-Friedensplans vollständig abgeschlossen.

Alle Geiseln sind zurück in Israel: Mit der Leiche des Polizisten Ran Gvili wurde laut Armee-Angaben die letzte entführte Geisel identifiziert und zurückgebracht. "Das gesamte Volk Israel ist zu Tränen gerührt", sagte der israelische Präsident Izchak Herzog. Auch Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zeigte sich erleichtert und erklärte: "Es gibt keine Geisel mehr im Gazastreifen."

Nachdem die islamistische Terrororganisation Hamas den Vermittlern des Gaza-Abkommens alle zur Auffindung der Leiche nötigen Informationen übermittelt hatte, hatte das israelische Militär auf einem Friedhof im Gazastreifen erfolgreich nach der letzten toten Geisel gesucht.

Noch ein Schritt bis Phase zwei

Israelische Einsatzkräfte hätten laut israelischer Medien seit dem Wochenende die sterblichen Überreste von rund 250 Menschen auf dem Friedhof untersucht. Anhand ihrer Zahnstruktur sei Gvilis Leiche vor einigen Stunden erkannt worden, berichtete die "Times of Israel". Seine Identität wurde durch weitere Tests bestätigt. In dem Bericht heißt es weiter, dass alle anderen Leichen in die Gräber zurückgebracht und der Friedhof gereinigt wurde.

Sobald Israel im Gegenzug die Leichen von 15 Palästinensern übergeben hat, sind die Voraussetzungen zum Eintritt in die zweite Phase des von den USA vorangetriebenen Gaza-Friedensplans offiziell erfüllt. Während die US-Regierung die zweite Phase, die zu einem endgültigen Ende des Gaza-Kriegs führen soll, bereits ausgerufen hat, bestand die israelische Regierung darauf, erst dann in die nächste Phase einzutreten, wenn der Leichnam der letzten Geisel nach Israel zurückgebracht worden sei.

Auch in den News:

Bisherige Umsetzung des Friedensplans

Im Rahmen des US-Friedensplans trat am 10. Oktober 2025 bereits eine Waffenruhe zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas in Kraft. Zudem wurden folgende Punkte umgesetzt:

  • Islamistische Gruppen im Gazastreifen ließen die letzten 20 noch lebenden, aus Israel entführten Geiseln frei, darunter auch Menschen mit deutscher Staatsbürgerschaft.

  • Israel entließ im Gegenzug knapp 2.000 palästinensische Häftlinge aus Gefängnissen.

  • Die Hamas übergab die letzten 28 Geisel-Leichen, allerdings sehr schleppend.

  • Israel übergab für jede tote israelische Geisel die sterblichen Überreste 15 verstorbener Bewohner Gazas, insgesamt bislang 360.

  • Mehr humanitäre Hilfe gelangte in den Gazastreifen.

  • Israelische Soldat:innen zogen sich im Küstenstreifen hinter die sogenannte "gelbe Linie" zurück, wobei Israels Armee noch immer etwas mehr als die Hälfte des Palästinensergebiets kontrolliert.

Herausforderungen für die zweite Phase

Die zweite Phase sieht die Entwaffnung der Hamas vor, was die Islamistenorganisation bislang ablehnt. Laut Beobachter:innen ist ein Kompromiss denkbar, bei dem die Islamisten etwa auf Raketen verzichten könnten. Hamas-Mitglieder, die sich zu einer friedlichen Koexistenz mit Israel verpflichten und ihre Waffen niederlegen, sollen Amnestie erhalten. Sollte in dieser schwierigen Frage keine Einigung erzielt werden, könnte der Krieg wieder ausbrechen.

Neue Strukturen für den Gazastreifen

  1. Palästinensische Übergangsregierung: 14 Mitglieder, die keine Verbindung zur islamistischen Hamas haben sollen.

  2. Gaza Executive Board: Unterstützungsgremium mit prominenten internationalen Vertretern wie dem US-Sondergesandten Steve Witkoff, dem britischen Ex-Premier Tony Blair, dem türkischen Außenminister Hakan Fidan und dem ranghohen katarischen Diplomaten Ali Thawadi.

  3. Exekutivkomitee: Soll die neue palästinensische Übergangsregierung beaufsichtigen und den Wiederaufbau im Gazastreifen steuern; Mitglieder sind unter anderem US-Außenminister Marco Rubio, Weltbank-Präsident Ajay Banga, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner sowie Witkoff und Blair.

  4. Friedensrat: Ein von US-Präsident Donald Trump geleitetes Gremium aus führenden internationalen Politikern, das den Friedensprozess im Gazastreifen überwachen und sich auch um andere internationale Konflikte kümmern soll.

Differenzen sind weiterhin groß

Ob der Übergang zur zweiten Phase tatsächlich gelingt, ist ungewiss, da die Differenzen zwischen den Kriegsparteien erheblich sind. Die Waffenruhe im Gaza-Krieg hatte bereits in der ersten Phase mehrfach gewackelt.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.


Verwendete Quellen

Nachrichtenagentur dpa

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