"Markus Lanz"
"Wirklich schwer daneben": Linken-Mann Bartsch wehrt sich bei Lanz gegen AfD-Vergleich
Aktualisiert:
von teleschau - Natascha Wittmann:newstime
Umfrage: Union auf historischem Tiefstand
Videoclip • 59 Sek • Ab 12
Bei "Markus Lanz" kam es zu einer hitzigen Diskussion um AfD, Linkspartei und den Kurs der Opposition. Extremismusexperte Ahmad Mansour teilte dabei vor allem scharf gegen die Linke aus, was Politiker Dietmar Bartsch auf die Palme brachte.
Das Wichtigste in Kürze
Die CDU steckt nach der Wahlniederlage in Sachsen-Anhalt tief in der Krise.
Bei "Markus Lanz" warnte Dietmar Bartsch vor weiteren Verlusten der Union.
Gleichzeitig wehrte er sich scharf gegen den Versuch, AfD und Linkspartei gleichzusetzen.
Die CDU steckt nach der Wahlschlappe in Sachsen-Anhalt in der nächsten Krise. Seit Tagen kreisen Spekulationen darum, wie stabil die Position von Bundeskanzler Friedrich Merz wirklich noch ist. Umso auffälliger: Kurz vor den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin stellten sich acht CDU-Ministerpräsidenten mit einer gemeinsamen Erklärung demonstrativ hinter den Kanzler.
Bei "Markus Lanz" wollte der ZDF-Moderator deshalb am Mittwochabend genauer wissen, was in der Union hinter den Kulissen abläuft: "Woher diese Wendung?" CDU-Politiker Mathias Middelberg bremste zunächst und behauptete, er habe "nichts von einem D-Day oder einer Vertrauensfrage" gehört. Sein Eindruck: "Ich glaube, das Ganze ist eher medial hochgespielt." Lanz ließ jedoch nicht locker: "Also es gab das alles nicht?" Middelberg räumte schließlich ein, dass es sehr wohl Gesprächsbedarf gebe. In der CDU laufe "eine Diskussion (...) um die Situation in der Union". Und ja: Auch die Kanzlerfrage werde diskutiert.
Zugleich versuchte er zu relativieren: Ein Wechsel würde "die Lage" nicht automatisch verbessern, denn: "Ein neuer Kanzler stünde vor den gleichen Problemen." Journalistin Kerstin Münstermann sah in der Ministerpräsidenten-Erklärung eher ein Warnsignal als Routine. Der Brief zeige, "dass die Lage kurz vorm Implodieren war". In dem Zusammenhang ärgerte sich Mathias Middelberg darüber, dass Vertrauliches zu häufig nach außen dringe. Auf Lanz' Nachfrage, was das "über den Politikbetrieb" aussage, legte er nach: "Das macht natürlich (...) vertrauliche Gespräche kaputt. (...) Das ist eine Katastrophe."
Dietmar Bartsch attackiert Friedrich Merz: "Das wäre Angela Merkel nie passiert"
Soziologe Ahmad Mansour warnte parallel vor der Eskalationslogik sozialer Medien: "Wir haben eine Politik-Kommunikation, die vor allem in den sozialen Medien stattfindet. Das sind Spaltungsmaschinerien. Ich nenne sie sogar Massenvernichtungswaffen, die tagtäglich nichts anderes tun, außer uns wütend zu machen, emotionaler zu machen." Lanz wollte in dem Zusammenhang wissen, wie Merz den Schaden reparieren könne: "Dieser Autoritätsverlust - wie kriegt man den wieder geheilt?"
Mathias Middelberg blieb allgemein: "Wenn das politische Umfeld insgesamt sich positiv und gut entwickelt, dann entwickelt sich auch das Image von Personen mit." Der CDU-Mann gab dabei zu, dass die Regierung schneller hätte liefern müssen: "Wenn wir in der Regierung das, was wir vorhaben und vorhatten, schneller umgesetzt hätten, dann (...) wäre die Gesamtstimmung eine andere und dann wären auch die Zustimmungswerte für Friedrich Merz andere."
Dietmar Bartsch sah dies anders. Laut des Linken-Politikers habe Merz "ein Erwartungsmanagement aufgerufen", "was niemals realisierbar war". Bartsch wurde noch schärfer: "Jetzt kommen eben wirklich noch elementare Fehler, weil er keine Erfahrung im Regieren hat, dazu. Das wäre Angela Merkel nie passiert!"
Auch in den News:
Ahmad Mansour kritisiert "Anti-AfD"-Wahlkampagne der Union
Dennoch verteidigte Middelberg den Kanzler und beteuerte, dass er die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt durchaus ernst nehme: "Er geht schon mit dem Ergebnis ehrlich um und er sieht auch den bundespolitischen Impact." Ahmad Mansour widersprach prompt: "Ich habe nicht das Gefühl, dass das wirklich verstanden wird." Seine Kritik: "die ganze Wahlkampagne" der Union sei "eine Anti-AfD"-Kampagne gewesen. "Wir stehen vor einer gigantischen Verschiebung der politischen Landschaft. Und die großen Parteien haben keine Antworten auf die Fragen der Menschen", so Mansour.
Dietmar Bartsch blickte derweil pessimistisch auf die nächsten Urnengänge: "Die Union wird in Mecklenburg-Vorpommern (...) verlieren. Die Union wird in Berlin verlieren - das ist sicher. Und trotzdem wird es so weitergehen." Er kritisierte: "Es gibt überhaupt kein Konzept (...) und die einzigen, die davon profitieren, sind die, die keine Antworten haben, aber sehr laut sind." Ahmad Mansour konterte energisch: "Genau, das sind zwei Parteien übrigens. Auf der einen Seite die AfD und auf der anderen Seite die Linkspartei." Sichtlich empört engegnete Bartsch: "Das teile ich überhaupt nicht, diese Gleichsetzung! (...) Das ist wirklich schwer daneben!"
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