"Um Gottes willen"
Illner-Frage nach Putsch-Gerüchten gegen Merz entrüstet Thorsten Frei
Veröffentlicht:
von Doris Neubauer:newstime
Merz wirbt für neuen Aufbruch
Videoclip • 01:36 Min • Ab 12
"Um Gottes willen, natürlich nicht": Mit der Reaktion aus dem Kanzleramt auf Putsch-Gerüchte will Thorsten Frei nichts zu tun haben. Stattdessen wollte der Kanzleramtschef bei "Maybrit Illner" lieber über inhaltliche "Herausforderungen" diskutieren. Doch klare Antworten blieb er auch hier schuldig.
Wenn Kanzleramtschef Thorsten Frei in der Gästerunde sitzt, konnte und musste Maybrit Illner ihn natürlich vor allem nach einem fragen: "Wer gibt sowas raus?" Die Rede war von der Reaktion aus dem Kanzleramt auf die angeblichen Putsch-Pläne gegenüber Friedrich Merz.
"Haben Sie sie geschrieben?", hakte die Moderatorin nach, als der CDU-Politiker herumdruckste und sichtlich lieber über die vielen "Herausforderungen" als über die Spekulationen sprechen wollte. "Um Gottes willen, natürlich nicht", platzte es aus dem CDU-Mann heraus. Dazu, wer das Statement verfasst habe, wollte er sich jedoch genauso wenig äußern. Illners Frage, ob denn niemand den Kanzler selbst zurückhalten konnte, wich er ebenfalls aus: "Wir leben in einer Demokratie, soll ich das verbieten?"
Journalist Robin Alexander hatte die "Faxen dicke": "Es reicht!", schimpfte er. "Das ist kein Spielplatz für Egos, sondern es gibt ein Land, das regiert werden muss!" Dass diese Diskussionen über eine mögliche Personalrochade nach einem Jahr der Kanzlerschaft ausgetragen werden, wurmte ihn besonders: "Diese Frage am Anfang einer Legislaturperiode ist von der Union eine Unverschämtheit", machte er seinem Ärger Luft. "Reißt euch endlich zusammen!", appellierte auch die Grünen-Politikerin Ricarda Lang an Thorsten Frei.
Alexander zu Frei: "Wollen Sie mir widersprechen im Fernsehen, war es nicht so?"
Letzterem tat die Moderatorin dann doch den Gefallen, die restlichen 54 Minuten über die - von ihm an diesen Abend viel zitierten - "Herausforderungen" zu sprechen. "Wenn das gut gelingt, werden sich alle anderen Debatten erledigen", gab er sich optimistisch und versicherte, dass alles "aufgeräumt erledigt" werde.
Einigkeit herrsche beispielsweise darin, dass mittlere und kleinere Einkommen entlastet werden sollen. Eine Einigung zur Finanzierung dieser Reform sei hingegen ausgerechnet vom Fraktionsvorsitzenden Jens Spahn in der Villa Borsig verhindert worden, wie Robin Alexander behauptete. Als Frei das mit den Worten "Sie müssen es ja wissen" abtat, stichelte der Journalist: "Wollen Sie mir widersprechen im Fernsehen, war es nicht so?", fragte er den CDU-Politiker: "Ganz konkret, gab es eine Absprache, die gescheitert ist?" - "Wir bewegen uns aufeinander zu", meinte Frei dazu nur schwammig.
Die großen Themen werde man in Deutschland ohnehin nicht lösen, indem man "die Schraube bei der Arbeit weiter dreht", befand Filmemacherin Julia Friedrichs indessen. "In Deutschland ist die große Frage der Ungleichheit zwischen Arbeit und Vermögen - aber da wagt sich die Koalition nicht ran." Dabei sei es notwendig, Arbeit zu entlasten und Vermögen inklusive Erbschaften zu belasten. Andernfalls "zerreißt es unser Land, weil das sind grundsätzliche Gerechtigkeitsfragen", war Friedrichs überzeugt.
Ricarda Lang warnte die Regierungsparteien davor, falsche Erwartungen zu schüren. Auch sie hielt es für notwendig, dass Menschen mit hohem Vermögen und hohen Erbschaften mit in die Verantwortung gezogen würden. "Dann gäbe es für alle Reformen mehr Akzeptanz", war sie überzeugt.
"Nicht alle Probleme sind mit der Gießkanne und staatlichem Geld zu lösen."
Mit der Äußerung, dass Sparen bereits als Reform gelte, hatte Thorsten Frei jüngst für Unmut gesorgt. Einsparungen beim Elterngeld würden jedenfalls die "komplett Falschen" treffen, warf sich Lang für junge Familien ins Schlachtfeld. Robin Alexander war anderer Meinung: Bei einer möglichen Herabsenkung der Einkommensgrenze etwa gehe es um Leute mit einem ohnehin hohen Jahreseinkommen von 175.000 Euro: "Da den Sozialstaatsreflex anzuwerfen, ist enttarnend!", unterstellte er der Grünen-Politikerin, die Diskussion zu "skandalisieren".
Diese Debatte zeige laut Friedrichs das Grundproblem: "Nicht alle Probleme sind mit der Gießkanne und staatlichem Geld zu lösen." Um Panik zu verhindern, solle die Regierung klar benennen, wer be- und entlastet werden soll. "Es gibt Menschen, die können nicht verzichten", mahnte sie.
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