Wut auf Trump

Grönland-Konflikt im Supermarkt: App hilft Dänen, US-Waren zu boykottieren

Veröffentlicht:

von Michael Reimers

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Keine Gewalt? Trumps Grönland-Wende

Videoclip • 02:43 Min • Ab 12


In Dänemark erfreut sich eine App, mit der US-amerikanische Waren einfacher boykottiert werden können, großer Beliebtheit. Spürt man auch in deutschen Supermärkten einen Effekt?

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele dänische Verbraucher:innen wollen US-amerikanische Produkte boykottieren.

  • Eine entsprechende App mit dem Namen "UdenUSA" ("Ohne die USA") befindet sich auf Platz eins der kostenlosen Downloads in Dänemark.

  • In Deutschland scheint ein spürbarer Effekt auf das Kaufverhalten bislang auszubleiben.

Im Zuge des Grönland-Konflikts zwischen den USA und Dänemark zeigt sich ein wachsender Trend zum Boykott amerikanischer Produkte. Spezielle Apps helfen dänischen Verbraucher:innen dabei, US-Produkte im Supermarkt zu identifizieren und zu meiden.

Die App "UdenUSA" ("Ohne die USA") steht im dänischen App-Store auf Platz eins der kostenlosen Downloads und schlägt Alternativen zu US-Produkten vor, mit denen europäische Unternehmen unterstützt werden können. Auf Platz drei findet sich bereits eine weitere App mit ähnlichem Zweck.

App-Entwickler erkennt Nachfrage

"Wir haben gemerkt, dass es vielen Menschen wichtig ist, auf Lebensmittel aus den USA zu verzichten", erklärt App-Entwickler Jonas Pipper. "Aber es ist nicht immer so leicht, die im Supermarkt auch zu erkennen." Die App wurde vor wenigen Tagen veröffentlicht, nachdem Trump ernsthaft gedroht hatte, Grönland zu übernehmen.

Aus einer Protestwelle entstand bereits 2025 die Facebook-Gruppe "Boykottiert Waren aus den USA", die inzwischen mehr als 110.000 Mitglieder zählt – bei einer Gesamtbevölkerung von rund sechs Millionen Einwohner:innen.

Hintergrund des Konflikts

Der Konflikt eskalierte, nachdem US-Präsident Donald Trump wiederholt seine Ansprüche auf Grönland bekräftigt hatte. Die zum dänischen Königreich gehörende Insel wird von Dänemark und Grönland selbst nicht als verhandelbar angesehen. Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen stellte klar: "Wir gehen in keine Verhandlungen, die darauf basieren, dass wir grundlegende Prinzipien aufgeben."

Allerdings hat sich die Lage etwas entspannt: US-Präsident Donald Trump verwies darauf, dass während des Treffens mit Rutte ein Rahmen für eine zukünftige Vereinbarung über Grönland und die gesamte Arktisregion entstanden sei.

Wie steht Deutschland zum US-Boykott?

In Deutschland ist die unmittelbare Betroffenheit zwar geringer, dennoch beschäftigt das Thema viele Menschen. Eine IFH-Umfrage vom März 2025 zeigte, dass für 61 Prozent der Befragten bestimmte amerikanische Produkte wie Tesla nicht mehr infrage kommen, 36 Prozent lehnen sie komplett ab.

"In der Bevölkerung sind Empörung und teils auch Abscheu deutlich spürbar", sagte Ralf Deckers vom Handelsforschungsinstitut IFH Köln gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Ein gewisser Anti-Amerikanismus sei in Deutschland traditionell verbreitet.

Großer Effekt hierzulande bleibt wohl aus

Der deutsche Lebensmitteleinzelhandel verzeichnet bislang keine Auswirkungen. Lidl teilt mit, dass keine Veränderungen in den Verkaufszahlen amerikanischer Produkte zu erkennen seien. "Wir nehmen keinen Protest wahr. Die entsprechenden Produkte werden weiter nachgefragt", sagt Philipp Hennerkes vom Branchenverband BVLH.

Katharina Gangl vom Nürnberger Institut für Marktentscheidungen erklärt, entscheidend sei, ob sich eine soziale Bewegung bilde, die bestimmte Konsumgüter oder Unternehmen gezielt ins Visier nimmt. Bei einer weiteren Zuspitzung könnte ein Aufruf wie "Kauft nicht bei Amazon, sondern bei Otto" möglicherweise erfolgreich sein.

Konsumforscher Ole Kelm von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf relativiert die Auswirkungen: "Die Nutzung von Boykott-Apps wird keinen großen Effekt auf die Verkaufszahlen amerikanischer Produkte haben." Die Unternehmen seien zu groß, allerdings fürchteten viele Konzerne Imageschäden durch Boykottaufrufe.

Psychologische Dimension

Für viele Verbraucher:innen ist die bewusste Entscheidung gegen US-amerikanische Lebensmittel eine Art, ihrem Ärger Luft zu machen, erklärt der Verhaltensforscher Pelle Guldborg Hansen: "Viele Menschen sehen Nachrichten und ärgern sich über etwas – und in diesem Fall geht es auch noch um uns und um Grönland. Da möchte man einfach irgendetwas gegen seine Wut unternehmen. Und sei es noch so klein."

Erschwerende Faktoren für den Boykott

Experte Deckers weist darauf hin, dass sich bei einer möglichen Eskalation nur punktuell und kurzfristig ein Vermeidungsverhalten zeige, "weil viele Menschen ihre eingeübten Konsumgewohnheiten nur ungern infrage stellen". Zudem werden viele bekannte US-Produkte wie Coca-Cola, M&M's, Pringles und Kellogg's in Europa hergestellt, und oft wissen Verbraucher:innen nicht, welche Marken zu US-Unternehmen gehören.

Weitere Reaktionen auf den Konflikt

Der dänische Pensionsfonds AkademikerPension verkaufte bereits seine US-Staatsanleihen im Wert von 100 Millionen US-Dollar. Obwohl offiziell die angespannte Finanzlage der US-Regierung als Grund genannt wurde, erklärte Investment-Direktor Anders Schelde, dass die anhaltenden Spannungen zwischen den USA und Europa die Entscheidung "natürlich nicht erschwert" hätten.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.


Verwendete Quellen

Nachrichtenagentur dpa

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