Naher Osten
Gewalt in Syrien flammt auf: Worum es beim neuen Machtkampf geht
Veröffentlicht:
von Michael Reimers:newstime
Ein Jahr nach Assad: Syrien steht wieder auf (27. Dezember)
Videoclip • 09:29 Min • Ab 12
Heftige Gefechte in Aleppo offenbaren tiefe Spannungen zwischen Übergangsregierung und kurdischen Kräften. Die Kurd:innen sehen Parallelen zu Assad-Taktiken.
Das Wichtigste in Kürze
In Aleppo eskalieren erneut schwere Kämpfe zwischen Regierungstruppen und kurdischen Kräften.
Ein gescheitertes Integrationsabkommen heizt den Konflikt an.
Tausende Menschen fliehen aus den umkämpften Stadtteilen.
In Aleppo toben die schwersten Kämpfe seit dem Sturz des syrischen Machthabers Baschar Assad Ende 2024. Ein nicht umgesetztes Abkommen zur Integration kurdischer Kräfte in die nationale Armee steht im Zentrum des Konflikts.
In der Nacht zu Freitag (9. Januar) hat das syrische Verteidigungsministerium eine zeitlich begrenzte Waffenruhe für die umkämpften kurdischen Stadtteile Aleppos verkündet, die von 3 bis 9 Uhr Ortszeit galt. Am Morgen wurden Busse für den Abzug der kurdischen SDF-Kämpfer:innen bereitgestellt.
Kurdische Vertreter:innen bestätigten, dass ihre Kräfte die betroffenen Stadtviertel verlassen würden, werfen der Übergangsregierung jedoch vor, dieselben Methoden wie das gestürzte Assad-Regime anzuwenden: "Belagerung, Beschuss und Vertreibung", zitierte die Deutsche Presse-Agentur (dpa) eine kurdische Quelle.
Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei den Kämpfen mindestens 43 Menschen getötet, darunter 23 Zivilist:innen und auch Kinder. Nach UN-Angaben wurden etwa 30.000 Menschen vertrieben, während die staatliche Nachrichtenagentur Sana bereits von 140.000 Vertriebenen spricht.
Hintergründe des Konflikts
Seit Dienstag (6. Januar) kämpfen in Aleppo syrische Regierungstruppen und verbündete Milizen gegen die kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) und deren Sicherheitskräfte, die Asajisch. Besonders betroffen sind die kurdischen Stadtviertel Aschrafija und Scheich Maksud.
Der Kern des Konflikts liegt in einer gescheiterten Vereinbarung: Nach dem Umbruch in Syrien hatten sich die Übergangsregierung und die SDF im März 2025 auf eine Eingliederung der bisher autonom verwalteten kurdischen Institutionen in die staatliche Ordnung geeinigt. Die SDF-Kämpfer:innen sollten in die Armee integriert werden, und auch Grenzübergänge, Flughäfen sowie die Öl- und Gasfelder sollten unter staatliche Kontrolle fallen.
Hindernisse bei der Umsetzung
Die Verhandlungen zur Umsetzung dieses Abkommens sind ins Stocken geraten. Die Kurd:innen fürchten weitere Diskriminierung und bevorzugen eine dezentrale Staatsordnung, während die Führung in Damaskus einen zentralisierten Staat anstrebt.
Das Misstrauen der Kurden wird verstärkt durch mehrere Faktoren:
Die erste Parlamentswahl nach dem Umsturz wurde in kurdischen Gebieten aus angeblichen Sicherheitsgründen verschoben und bis heute nicht nachgeholt.
Einige ehemalige Rebellengruppen, die heute zum staatlichen Militär gehören, lehnen die Rolle von Frauen im Militär ab, was die Integration der weiblichen SDF-Kampfeinheiten erschwert.
Uneinigkeit besteht auch darüber, ob die SDF als einheitlicher Block integriert werden sollen.
Die Rolle der Kurden in Syrien
Die Kurd:innen stellen die größte ethnische Minderheit in Syrien dar. Unter Assad wurden sie weitläufig diskriminiert. Während des syrischen Bürgerkriegs brachten sie weite Teile Nordsyriens unter ihre Kontrolle und bauten dort eine Selbstverwaltung auf.
In den von den Kurd:innen kontrollierten Gebieten, nahe der Grenze zum Irak, liegen auch die meisten Ölfelder Syriens - ein wirtschaftlich entscheidender Faktor, der die Region zu einem umkämpften Gebiet macht.
Die türkische Position
Die Türkei steht eng mit der aktuellen Führung in Damaskus in Verbindung und betrachtet die kurdischen Milizen als Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit als Terrororganisation. Ankara hat bereits deutlich gemacht, dass es Damaskus zur Seite springen werde, sollte die Übergangsregierung Hilfe anfragen.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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