Mit 88 Jahren

Frankreichs Ex-Premier Jospin ist tot – Trauer um Ikone der Linken

Veröffentlicht:

von Emre Bölükbasi

Mit dem Tod Jospins geht in Frankreich eine politische Ära zu Ende. (Archivbild)

Bild: Joel Saget/AFP/dpa


- Anzeige -
- Anzeige -

Der frühere Premierminister und sozialistische Hoffnungsträger Jospin ist im Alter von 88 Jahren gestorben. Mit ihm verliert Frankreich einen der letzten großen Versöhner.

Das Wichtigste in Kürze

  • Frankreichs Ex-Premier Lionel Jospin ist tot.

  • Er schmiedete in den 90ern ein Linksbündnis, das heute wie ein ferner Traum wirkt – und führte mit der „gauche plurielle" fünf Jahre lang die Grande Nation.

  • Sein Vermächtnis: die Kunst, Gräben zu überwinden statt sie zu vertiefen.

Am Sonntag (22. März) endete leise ein Leben, das die französische Politik über Jahrzehnte prägte. Lionel Jospin, einst Premierminister und Architekt eines linken Bündnisses, das heute wie ein ferner Traum wirkt, starb im Alter von 88 Jahren. Die Nachricht verbreitete sich schnell – von der Familie über die Nachrichtenagentur AFP bis in die sozialen Netzwerke, wo Frankreichs aktueller Premier Sébastien Lecornu und die Sozialistische Partei PS ihrer Trauer Ausdruck verliehen.

Jospin galt mehr als ein Politiker. Er war für viele ein Brückenbauer in Zeiten, als die Linke noch wusste, wie man gemeinsam kämpft. Von 1997 bis 2002 führte er Frankreich als Regierungschef – eine Ära, die heute mit Wehmut betrachtet wird. Unter seiner Führung wurde die 35-Stunden-Woche Realität, die Amtszeit des Präsidenten auf fünf Jahre verkürzt. Doch sein größtes Meisterwerk war unsichtbarer: die „gauche plurielle", jene vielfältige Linke, die er aus zerstrittenen Parteien formte.

- Anzeige -
- Anzeige -

Mitterand als Ziehvater

Der Sohn einer protestantischen Lehrerfamilie aus dem Pariser Umland, geboren am 12. Juli 1937, fand früh seinen Weg in linke Organisationen. Sein politischer Ziehvater François Mitterrand, der langjährige Präsident, ebnete ihm den Weg. Als Wirtschaftsprofessor brachte Jospin analytische Schärfe in die Politik, als mehrfacher Bildungsminister und langjähriger Chef der Sozialistischen Partei Erfahrung und Autorität.

1997 gelang ihm das scheinbar Unmögliche: Mit seinem Linksbündnis gewann er die Parlamentswahl gegen die bürgerliche Rechte von Präsident Jacques Chirac. Die rotgrüne Regierung, die daraus entstand, zeigte, dass Zusammenarbeit über Parteigrenzen hinweg möglich war.


Doch das politische Leben kennt keine Gnade. 2002 kam der Schock: Bei der Präsidentschaftswahl schied Jospin völlig überraschend bereits in der ersten Runde aus. Statt seiner schaffte es der Rechtsextreme Jean-Marie Le Pen von der Front National in die Stichwahl. Für Jospin bedeutete dies das weitgehende Ende seiner politischen Karriere – ein abrupter Abschied von der großen Bühne.

Heute, da Frankreich erneut in politischer Zerrissenheit versinkt, erscheint Jospins Vermächtnis aktueller denn je. Die Linke blickt nostalgisch auf jene Zeit zurück, als ein Mann die Kunst beherrschte, Gräben zu überwinden statt sie zu vertiefen. In einer Ära, in der Premierminister im Monatsrhythmus wechseln und Misstrauensvoten zur Routine werden, erinnert Jospins Tod daran, was verloren ging: die Fähigkeit, gemeinsam zu regieren.

Auch in den News:

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

- Anzeige -
- Anzeige -

Mehr entdecken