Einkommenssteuerreform

Entlastungen für Familien? Schwarz-Rot erhöht Kindergeld und Kinderfreibetrag

Veröffentlicht:

von Oliwia Kowalak

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Union kritisiert Einkommensteuerreform

Videoclip • 02:00 Min • Ab 12


Mit der Steuerreform der Bundesregierung sollen Familien um Hunderte Euros entlastet werden. Trotz der Erhöhung des Kindergeldes und des Kinderfreibetrags kritisieren Verbände, dass die Reformen Familien zu stark belasten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Reform des Einkommensteuergesetzes soll auch durch Erhöhungen des Kindergeldes und Kinderfreibetrags Familien entlasten.

  • Laut Sozialverbänden werden aber besonders Familien mit sehr hohem Einkommen durch das Gesetz entlastet.

  • Familien- und Sozialverbände fordern von der Bundesregierung bei ihren Reformvorhaben eine stärkere Ausrichtung an den Bedürfnissen von Familien.

Die Bundesregierung hat die geplante Kindergelderhöhung auf den Weg gebracht. Im Rahmen der Steuerreform von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) soll die Zahlung schrittweise steigen. Mit dem Gesetz sollen vor allem Familien und Kinder entlastet werden. "Familien mit Kindern können mit unserer Reform ab 2028 mehr als 600 Euro im Jahr mehr in der Tasche haben als heute. Das sollte niemand kleinreden.", sagte Finanzminister Klingbeil.

Im Jahr 2027 wird demnach das Kindergeld von 259 Euro auf 267 Euro pro Kind steigen. Ab dem Jahr 2028 steigt es um weitere fünf Euro auf 272 Euro. Neben dem Kindergeld soll auch der Kinderfreibetrag erhöht werden. Für Eltern wird durch diesen Betrag das zu versteuernde Einkommen gesenkt. 2026 liegt dieser bei 9.756 Euro. Im kommenden Jahr wird dieser auf 10.056 Euro festgesetzt, 2028 wird er nochmals auf 10.236 Euro steigen.

Reform der Bundesregierung: Gegenfinanzierung mit Superreichensteuer

Mit der Steuerreform plant die Bundesregierung Entlastungen von jährlich zehn Milliarden Euro. Laut Berechnungen des Finanzministeriums wird mit den Erhöhungen des Kindergeldes und des Kinderfreibetrags eine Familie mit zwei Kindern und zwei mittleren Einkommen von jeweils 2.800 Euro brutto im Jahr 2027 um gut 384 Euro erleichtert. Im darauffolgenden Jahr werden daraus rund 632 Euro.

Als Gegenfinanzierung für die Entlastungen wird unter anderem die Reichensteuer aufgesplittet: Sie soll künftig bereits ab einem Einkommen von 250.000 Euro gelten. Zudem wird eine neue Superreichensteuer ab 280.000 Euro eingeführt.

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Kinderfreibetrag und Kindergeld: Entlastungen für Familien mit sehr hohem Einkommen

Obwohl der Sozialverband Deutschland (SoVD) die stärkere Belastung aufseiten der Reichen begrüßt und eine gerechtere Verteilung der steuerlichen Lasten hervorhebt, müssen die Anhebungen der Kinderfreibeträge und des Kindergeldes trotzdem im Detail betrachtet werden. Denn die Beträge wurden zwar wie gesetzlich vorgesehen angepasst, dennoch stellt die Anpassung keine freiwillige zusätzliche Leistung der Bundesregierung dar, hieß es in einer Stellungnahme.

Laut SoVD profitieren vom Kinderfreibetrag besonders Familien mit höheren Einkommen von der Anhebung. Weil die Entlastung des Kinderfreibetrags auch mit dem Steuersatz steigt, wirkt gerade die Absenkung der Reichensteuer in diesem Zusammenhang vorteilhaft auf Familien mit sehr hohen Einkommen.

Der SoVD kritisiert zudem, dass bei Familien mit niedrigem Einkommen die Kindergeld­erhöhung an anderer Stelle zu einer Abschöpfung führt. Für Familien mit Sozialleistungsbezug stellt die Erhöhung des Kindergeldes eine Minderung der Leistung dar, weil es als Einkommen berücksichtigt wird.

Verbände kritisieren: Reformpolitik der Bundesregierung nicht familienfreundlich

Die Reformpolitik der Bundesregierung mit Blick auf die Entlastungen für Familien wird auch von Familienverbänden insgesamt in Frage gestellt. Einschnitte bei Elterngeld, Wohngeld, Unterhaltsvorschuss, die Streichung des Kinder-Sofortzuschlags sowie die GKV-Reform, darunter die Krankschreibung am ersten Tag, würden soziale Ungleichheiten verschärfen, wie die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Familienorganisationen (AGF) mitteilt. Auch der Beitragszuschlag für bislang familienversicherte Ehegatten setzt Familien und Alleinerziehende zusätzlich finanziell unter Druck und könnte für einen Alleinverdienerhaushalt mit zwei Kindern mit einem durchschnittlichen Einkommen 1.000 Euro Mehrkosten im Jahr verursachen, warnt der Deutsche Familienverband (DFV).

Die Verbände fordern daher, die Reformvorhaben stärker an den Bedürfnissen von Familien auszurichten. Bei der Ausarbeitung der Reformen sollte die Bundesregierung ressortübergreifend arbeiten und sich darüber hinaus an der demografischen Entwicklung orientieren, um die Belastungen nicht vom Staat auf Familien zu verlagern und das Armutsrisiko zu erhöhen.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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