Ratlosigkeit nach Wahlpleiten

Katarina Barley nimmt die SPD in Schutz - Lanz findet es "albern"

Veröffentlicht:

von Natascha Wittmann

:newstime

Juso-Chef fordert neue SPD-Spitze

Videoclip • 01:06 Min • Ab 12


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Bei "Markus Lanz" spitzte sich die Debatte über die SPD-Krise schnell zu. Mit Blick auf Wahlniederlagen und schwindenden Rückhalt trieb der ZDF-Moderator Katarina Barley immer wieder in die Enge - so sehr, dass die SPD-Politikerin um Fassung rang.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die SPD musste zwei herbe Schlappen bei den Landtagswahlen hinnehmen.

  • Bei Markus Lanz muss sich SPD-Politikerin Katarina Barley Fragen lassen, ob die Sozialdemokratie vor dem Aus stehrt.

  • Die verbalen Angriffe von Lanz machen Barley zunehmend fassungsloser.

Die SPD steckt weiter in der Krise. Besonders deutlich wurde das jüngst bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz. Dort muss die Partei nach 35 Jahren an der Spitze die Staatskanzlei abgeben, während die CDU als klarer Gewinner hervorging. Bei "Markus Lanz" wurde das zur Steilvorlage für einen harten Reality-Check mit SPD-Politikerin Katarina Barley.

Lanz stieg direkt mit einer zugespitzten Frage ein und wollte wissen, wie es für Barley sei, "den Untergang Ihrer eigenen Partei mit ansehen zu müssen". Barley fuhr sofort dazwischen: "Da gehen Sie zu weit, wenn Sie das so formulieren!" Doch der Moderator ließ nicht locker und fragte mit Blick auf die Ergebnisse: "Wann wird das existenzbedrohend?" Man rede schließlich "nicht über die FDP".

Barley versuchte, das Ausmaß zumindest für Rheinland-Pfalz einzuordnen, wo die SPD immerhin 26 Prozent der Stimmen erhalten hatte. "Also es ist jetzt nicht, als wären wir bei 5,5 Prozent." Lanz wirkte davon unbeeindruckt. Barley betonte daraufhin einsichtig, die "Situation überhaupt nicht kleinreden" zu wollen. "Das ist sehr ernst." Gleichzeitig störte sie sich an "diesen Weltuntergangsszenarien", die rund um die SPD kursierten. Ihre Sorge: "Es wird irgendwann auch eine Spirale".

Lanz hielt dagegen: "Aber das kann man sich ja nicht mehr schönreden, was da passiert." Barley entgegnete: "Nein, will ich auch gar nicht." Trotzdem verwies sie auf die lange SPD-Regierungszeit in Rheinland-Pfalz und sagte: "Wir haben dieses Land jetzt 35 Jahre lang regiert - und ich finde auch sehr gut regiert." Für Lanz passte das nicht zusammen: "Das sehen die Wähler ja offensichtlich anders!" Als Barley weiter argumentierte, platzte es aus ihm heraus: "Das ist ja albern!"

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Lanz: "Es fällt Ihnen gerade schwer, Ihre eigene Partei zu verteidigen"

Barley wiederum verwies auf einen Satz, den sie bereits seit Jahren leid sei: "Dieses 'Die SPD ist tot' höre ich, seit ich eigentlich in der SPD bin." Das konnte Lanz nicht so recht glauben: "Sie sind 1994 eingetreten. Da war Gerhard Schröder noch nicht mal geplant!" Barley blieb ruhig: "Ich höre es sehr, sehr lange. Und es ist ein Auf und Ab." Lanz wollte dies nicht unkommentiert lassen und legte nach: "Das ist doch jetzt wirklich existenziell, was passiert!"

Noch mehr Druck kam von Robin Alexander, der meinte, die SPD reihe seit Jahren "Niederlage an Niederlage" und erlebe dazu "in der Fläche Strukturbrüche". "Die SPD gibt es in weiten Teilen dieses Landes nicht mehr", erklärte der Journalist. Er fand: "Eigentlich braucht man jetzt eine Botschaft: Was ist der Plan?"

Barley reagierte gereizt: "Was erwarten Sie von mir?" Der Journalist schob nach: "Sie sind im Vorstand, Sie sind im Fernsehen! Sie können doch den Plan sagen!" Barley nannte daraufhin Punkte, die sie für zentral hält: "Wir brauchen ein neues Asylsystem. Wir brauchen eine offene Migrationspolitik, für die, die kommen, um arbeiten zu wollen." Gleichzeitig fiel es ihr sichtbar schwer, die richtigen Worte zu finden: "Ich gebe zu, ich bin auch ein bisschen angefasst." Lanz zeigte Verständnis und sagte: "Ich verstehe das: Es fällt Ihnen gerade schwer, Ihre eigene Partei zu verteidigen."

"Ist das wirklich, was Sie denken?"

Barley erklärte, dass sie vor allem deshalb um Worte ringe, "weil ich wirklich nicht nur den Eindruck habe, sondern auch die Zahlen dazu, dass wir in Rheinland-Pfalz so eine richtig gute Politik gemacht haben die letzten 35 Jahre". Lanz hakte irritiert nach: "Ist das wirklich das, was Sie denken?" Barley blieb dabei: "Ja, absolut!"

Der Moderator entgegnete wütend: "In diesem Land passiert gerade was." Deutschland habe in den vergangenen Jahren "ungefähr eine Billion an Wirtschaftskraft verloren", die Wohnungsnot sei groß, zudem verwies Lanz auf "das Thema soziale Ungerechtigkeit". Barley konterte mit einer spitzen Gegenfrage: Man solle ihr eine Partei nennen, "die da mehr macht als wir".

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