Juden immer stärker bedroht
Antisemitismus in Deutschland: Expertin warnt bei Lanz vor "absolut prekärer Situation"
Veröffentlicht:
von Natascha WittmannDie Shoa-Überlebende Eva Umlauf schilderte bei "Markus Lanz", dass der Antisemitismus in Deutschland nie ganz weg war.
Bild: ZDF / Markus Hertrich
Bei "Markus Lanz" wurde am Donnerstag deutlich, wie sehr sich viele Jüdinnen und Juden in Deutschland wieder bedroht fühlen. Holocaust-Überlebende Eva Umlauf und weitere Gäste schilderten, dass antisemitische Vorfälle zunehmen und die Hemmschwelle Tag für Tag sinke.
Antisemitische Vorfälle steigen - und gleichzeitig wächst bei vielen, besonders bei Jüngeren, das Bedürfnis, mehr über die deutsche Geschichte zu erfahren. Genau diese Spannung war am Donnerstagabend (14. Mai) Thema bei "Markus Lanz". Der ZDF-Moderator machte zu Beginn klar, wie ernst er die Lage einschätzt: "Der Antisemitismus kommt gerade mit Wucht zurück - und zwar weltweit." Eva Umlauf, eine der letzten Holocaust-Überlebenden, erzählte in dem Zusammenhang von ihrer Kindheit, um mit ihrer Geschichte gegen den wachsenden Hass anzukämpfen.
Umlauf wurde im Oktober 1942 in einem Arbeitslager im slowakischen Nováky geboren und trug schon im jungen Alter von zwei Jahren eine tätowierte Nummer auf dem Arm. "Später habe ich natürlich erfahren, was das war. Und die Nummer habe ich bis heute", sagte sie. Umlauf sprach außerdem darüber, dass nach dem Krieg lange Zeit vieles verdrängt und totgeschwiegen worden sei.
Ruth-Anne Damm, Mitbegründerin von "Zweitzeugen e.V.", ordnete das historisch ein und widersprach der Vorstellung, mit dem Kriegsende sei das Problem erledigt gewesen: "Die ganze Gesellschaft wollte weitermachen und Antisemitismus war nach wie vor omnipräsent. Der war ja nicht mit dem 8. Mai 1945 abgeschafft."
Antisemitische Straftaten haben sich "mehr als verdoppelt"
Historiker Oliver von Wrochem lenkte den Blick anschließend auf die Gegenwart. Er bezeichnete das wachsende Interesse an Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte als eine Reaktion auf aktuelle Entwicklungen: "Es ist auch vielleicht eine Gegenbewegung gegen den steigenden Rassismus, Antisemitismus, den Hass und die Hetze, die natürlich auch bei jungen Menschen inzwischen angekommen sind." Auf Lanz' Frage, warum antisemitische Einstellungen und Taten derzeit zunehmen, verwies von Wrochem unter anderem auf die Corona-Jahre: "Seit der Corona-Pandemie hat sich das verstärkt. Da gab es diese Querdenker-Bewegung. Es gab ganz, ganz viele Verschwörungstheorien. Das war der erste Schritt (...) einer Radikalisierung."
Auch internationale Ereignisse hätten die Stimmung zusätzlich aufgeheizt, etwa, weil "der Nahost-Konflikt oder der Angriff auf Israel durch die Hamas" als "eine Art Brandbeschleuniger in einem bestimmten Milieu" fungiert habe. Zudem sprach er über linken Antisemitismus, der sich mit der Zeit ebenfalls "radikalisiert" habe. Ruth-Anne Damm betonte in dem Zusammenhang, dass sich seit dem 7. Oktober "antisemitische Straftaten (...) mehr als verdoppelt" hätten. Ihre Schilderung war schonungslos: "Wir sind in einer absolut prekären Situation. Man kann als jüdischer Mensch nicht mit einem Davidstern auf der Straße laufen. (...) Wie kann das sein?"
Historiker nennt Antisemitismus "Problem in der deutschen Geschichte"
Gleichzeitig forderte Damm ein deutlicheres gesellschaftliches Signal: "Ich wünschte, wir hätten einen viel lauteren Aufschrei dagegen." Auch Eva Umlauf warnte eindringlich vor einer Entwicklung, die sie seit langem beobachtet: "Der Antisemitismus war immer schon da, nur jetzt ist er salonfähig geworden." Lanz hakte nach: "Wie erklären Sie sich das?" Umlauf antwortete: "Weil irgendwie mehr Mut da ist gegen Juden." Antisemitische Taten seien "gestiegen, weil die Leute sich jetzt trauen und die werden dafür auch nicht bestraft".
Zum Schluss mahnte Oliver von Wrochem, dass das Problem weit über einzelne Gruppen hinausgehe, denn: "Eine breite Mehrheit der Gesellschaft ist offen für Antisemitismus. (...) Es ist tatsächlich ein Problem in der deutschen Geschichte (...), dass Antisemitismus etwas ist, was die Menschen offensichtlich vereint."
:newstime verpasst? Hier aktuelle Folge ansehen
Mehr entdecken

Trotz Gesprächen
USA planen Anklage gegen Kubas Ex-Präsident Raul Castro

Rheinland-Pfalz
Brutaler Angriff in Mainz: Straßenbahnfahrer gewürgt

Neue Versionen
iOS-26.5-Update ist da: Apple rollt RCS-Verschlüsselung aus – das ändert sich für Nutzer

Beliebtes Urlaubsland
Tauchunfall auf den Malediven: Fünf Tote nach Tragödie

Regen-Alarm
Wetter an Pfingsten: Gewitter-Gefahr in Deutschland

Polizei im Dauereinsatz
Region Hannover: Ein Toter und mehrere Schwerverletzte nach Verkehrsunfällen




