Riester-Nachfolger
Altersvorsorgedepot als Herzstück: Schwarz-Rot krempelt private Altersvorsorge um
Veröffentlicht:
von Michael Reimers:newstime
Jugend scheut private Rentenvorsorge (4. November 2025)
Videoclip • 01:51 Min • Ab 12
Die schwarz-rote Koalition reformiert die private Altersvorsorge – und bringt einen Riester-Nachfolger an den Start. Aber was kann das geplante Altersvorsorgedepot?
Das Wichtigste in Kürze
Union und SPD planen ab 2027 einen staatlich geförderten Riester‑Nachfolger, der mit geringeren Kosten, höheren Renditechancen und neuen Vorsorge‑Depots punkten soll.
Profitieren sollen vor allem Geringverdiener, Familien und erstmals auch Selbstständige.
Ziel der Reform ist es laut Schwarz-Rot, die unpopuläre Riester‑Rente abzulösen und private Altersvorsorge einfacher, attraktiver und breiter zugänglich zu machen.
Die private Altersvorsorge in Deutschland steht vor einem Neustart. Union und SPD haben sich auf zentrale Details für einen staatlich geförderten Riester-Nachfolger verständigt. Das Ziel lautet, private Vorsorge wieder attraktiver zu machen – gerade für Menschen mit wenig Geld und für Selbstständige. Die neuen Optionen sollen ab 1. Januar 2027 verfügbar sein und die bislang stark kritisierte Riester-Rente schrittweise ablösen.
Warum die Reform dringend nötig ist
Die Riester-Rente sollte einst helfen, Lücken in der gesetzlichen Rente zu schließen. Zwar lockten staatliche Zulagen und Steuervorteile, doch die verpflichtende hundertprozentige Beitragsgarantie habe laut Kritiker:innen die Renditechancen stark begrenzt. Hinzu kämen hohe Abschluss- und Verwaltungskosten. Nach Zahlen des Bundesarbeitsministeriums hat es Ende 2024 zwar noch knapp 15 Millionen Riester-Verträge gegeben, in bis zu einem Viertel davon werde jedoch nicht mehr eingezahlt. Das Vertrauen vieler Sparer:innen gilt damit als erschüttert.
Mehr Auswahl – von sicher bis chancenreich
Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ein Modell mit mehreren Optionen vorgeschlagen. Neben einer Variante mit voller Beitragsgarantie solle es eine Lösung mit 80-prozentiger Garantie geben, die etwas höhere Renditen ermöglichen könne. Kernstück der Reform ist jedoch ein neues Altersvorsorgedepot ohne Garantien, das stärker am Kapitalmarkt investiert und damit höhere Erträge versprechen soll. Gerade für langfristige Sparer:innen könne das attraktiver sein – allerdings bei höherem Risiko.
Nachbesserungen im Bundestag: geringere Kosten, mehr Förderung
Im parlamentarischen Verfahren hatten Union und SPD vor allem an zwei Punkten nachjustiert. So sei der ursprünglich geplante Kostendeckel für Standarddepots gesenkt worden: Statt 1,5 Prozent sollen nun maximal ein Prozent Effektivkosten erlaubt sein. Kritiker:innen hatten zuvor gewarnt, hohe Gebühren könnten mögliche Renditen auffressen. Zudem sollen künftig auch Selbstständige Zugang zur staatlichen Förderung erhalten. "Denn auch bei den Selbstständigen haben wir prekäre Situationen im Alter", so die Koalitionär:innen.
Staatliche Zuschüsse steigen – besonders für kleine Sparbeträge
Deutlich verändert wurde auch das Fördersystem. Künftig soll es für jeden eingezahlten Euro bis 360 Euro jährlich einen Zuschuss von 50 Cent geben. Für Beiträge zwischen 360 und 1.800 Euro seien 25 Cent pro Euro vorgesehen. Die maximale Grundzulage steige damit auf 540 Euro im Jahr. Besonders profitieren würden Menschen, die monatlich nur geringe Beträge zurücklegen können. Familien erhielten zusätzliche Anreize: Eltern sollen bereits ab 25 Euro Monatsbeitrag den vollen Kinderzuschlag von 300 Euro pro Kind und Jahr erhalten können.
Kosten, Zeitplan und Blick nach vorn
Die Reform wird den Staat mehr Geld kosten. Allein die Einbeziehung der Selbstständigen schlage laut Koalitionsangaben mit rund 370 Millionen Euro zu Buche, hinzu kommen höhere Fördersätze. Klingbeil hat den Kompromiss dennoch gelobt und angekündigt, die private Altersvorsorge werde einfacher, günstiger und unbürokratischer. Parallel arbeite die Bundesregierung an der sogenannten Frühstartrente: Kinder und Jugendliche sollen perspektivisch monatlich zehn Euro staatlich gefördert in ein Vorsorgedepot erhalten.
Der Bundestag soll das Gesetz noch in dieser Woche beschließen, anschließend ist der Bundesrat am Zug. Zum 1. Januar kommenden Jahres sollen die neuen Vorsorgeprodukte starten. Bis dahin haben Inhaber:innen bestehender Riester-Verträge Zeit, über einen Wechsel nachzudenken. Für Altverträge gilt Bestandschutz, ein Wechsel soll aber ohne Rückzahlung bisheriger Förderungen möglich sein – mögliche Kosten werden laut Finanzministerium gesetzlich gedeckelt.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Mehr entdecken

Kommentar
Meme statt Klartext zu Antisemitismus? Ein Kommentar zur Linken

Wettertrend für April
Sonne oder Schnee an Ostern? Das sagen erste Wetterprognosen

Fruchtig, würzig, nicht zu süß
Nur ein Ketchup überzeugt – Stiftung Warentest kürt klaren Sieger

Münchner Oberbürgermeister
Ernstere Herz-Kreislauf-Erkrankung: Dieter Reiter schwer erkrankt

Ab 16:05 Uhr
LIVE: Gewalt gegen Frauen – Bundestag ringt um Schutzgesetz

170-Kilometer-Strecke
Castor-Transporte: 151 Atommüll-Behälter sollen nach Ahaus rollen
