Hitziger Streit

Viele Fragen, wenige Antworten: Politiker von AfD und SPD liefern sich bei "Maischberger" Schlagabtausch

Veröffentlicht:

von Marko Schlichting

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Opposition rechnet mit Regierung ab

Videoclip • 01:39 Min • Ab 12


In der Regel ist es so: Ein Interviewer stellt Fragen, die Interviewten antworten. Das fiel am Mittwochabend bei Sandra Maischberger im Ersten weitgehend aus, als zwei der eingeladenen Politiker miteinander diskutierten.

Sie war unterhaltend, die Diskussion zwischen zwei Politikern am Mittwochabend (9. September) bei Sandra Maischberger. Okay, ein bisschen haben die Zuschauer auch erfahren. Aber nicht viel. Eingeladen sind der AfD-Politiker Stephan Brandner und der SPD-Innenexperte Sebastian Fiedler. Schon ihr Auftreten ist sehr unterschiedlich. Fiedler ruhig, fast ein wenig verschlafen, dem man den langen Tag anmerkt. Brandner aufgekratzt, viel redend, sich sehr volksnah gebend.

Zumindest Brandner zeigt an diesem Abend: Er kann unterhaltsam sein, wenn auch oft recht geschmacklos und weit unter der Gürtellinie argumentierend. Zum Beispiel, wenn er die schlechten Wahlergebnisse der SPD bei den Arbeiter:innen erklärt: Die SPD habe sich "zu einer links-woke-verrückten Partei entwickelt, die von den Linken oder den Grünen überhaupt nicht mehr zu unterscheiden ist. Dieses Gendergedöns und diese queeren Geschichten da. Und das kommt natürlich bei den Menschen, die jeden Tag acht Stunden abreißen müssen, am Fließband, in der Fabrik oder wer weiß wo, nicht gut an."

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AfD-Politiker weicht aus: "Das müssen Sie die in Sachsen-Anhalt fragen"

Fiedler, der wie Brandner aus dem Ruhrgebiet stammt, weist die Vorwürfe recht lahm zurück. Im Ruhrgebiet habe seine Partei gar nicht so viele Wähler unter den Arbeiter:innen verloren, und über Genderfragen werde auch nicht diskutiert. Was aber bei der SPD los ist, sagt er irgendwie auch nicht, gibt die Schuld lieber der AfD, die auf Emotionen setze. Was er davon halte, wenn in Sachsen-Anhalt ein überparteilicher Ministerpräsident zur Wahl stünde, will Maischberger später von Fiedler wissen. Nicht seine Angelegenheit, sagt er, er sei Bundesinnenpolitiker. Für ihn sei lediglich die Gefährlichkeit der AfD wichtig.

Darauf will sich Brandner aber nicht einlassen. "Sie haben das Datenleck in Berlin. Sie haben sich Terrabyte an Daten klauen lassen." Fiedler: "Und wer war das? Eine russische OK-Gruppierung war das. Eine russische Gruppierung der organisierten Kriminalität. Könnten Sie etwas dazu sagen, welche Verantwortung Sie in Deutschland sich vorstellen?"

Das kann Brandner nicht. Und was es bedeute, wenn die AfD von "kulturfremden" Menschen rede, will er auch nicht wissen, behauptet er. "Das müssen Sie die in Sachsen-Anhalt fragen", antwortet er, als Maischberger ihn fragt. Und wie das jetzt eigentlich mit dem Ministerpräsidenten in Sachsen-Anhalt sei, erklärt Brandner auch nur sehr nebulös. Man habe am Dienstag allen Parteien ein Gesprächsangebot gemacht, sagt er, und die hätten das abgelehnt. Außer das BSW. Mit denen werde man nun sprechen. Und danach - man wird sehen.

"Große Gefahr": SPD-Innenpolitiker warnt vor AfD-Regierung

Irgendwann kommt Maischberger auch auf die hybride Kriegsführung von Russlands Präsident Wladimir Putin zu sprechen. Was Brandner denn tun würde, wenn sich herausstelle, dass für den Anschlag auf den Leipziger Flughafen wirklich Russland und dessen Präsidenten verantwortlich seien, fragt Maischberger. Das wisse man ja noch gar nicht, so Brandner. Doch, wisse man sehr wohl, antwortet Fiedler.

Brandner darauf: Wenn der Anschlag wirklich aus Russland gekommen sein würde, dann müsse das geahndet werden. "Wie?", fragt Maischberger. "Man wird sehen", so Brandner. Dem SPD-Politiker stellt sie die Frage nicht. Er hätte sie wohl nicht beantworten können - oder wollen. Kurz zuvor war er auch schon die Antwort weitgehend schuldig geblieben, ob Deutschland nicht vielleicht schon im Kriegszustand sei.

Aber zur AfD will Fiedler denn doch noch etwas äußern. "Sie haben lauter Kandidaten, die Putin nach dem Angriffskrieg noch auf Geburtstagsfeiern in der Botschaft beglückwünschen. Sie haben Leute dabei, die Initiativen gestartet haben, die die Sanktionen gegen Russland nicht mehr haben wollen. Die Kernfrage ist eine viel, viel größere, und ich kenne viele in den Sicherheitsbehörden, und ich gehöre wirklich dazu, die sich noch nie so große Sorgen um dieses Land gemacht haben, weil Sie jetzt in Sachsen-Anhalt in die Verantwortung kommen könnten und eine Türöffner-Problematik für Putin darstellen können. Das ist die große Gefahr, vor der dieses Land steht."


Brandner: Merz ist "völlig neben der Kappe"

Brandner fängt den ihm hingeworfenen Ball geschickt auf, weist auf die Russland-Verbindungen von SPD-Politikern wie Ralf Stegner, Manuela Schwesig oder Gerhard Schröder hin. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz und dessen Rede bei der Generaldebatte des Bundestages kritisiert Brandner heftig. Merz habe der AfD vorgeworfen, ethnische Säuberungen zu planen, würde sie an die Regierung kommen. "Also völlig neben der Kappe, dieser Kanzler. Das war hoffentlich seine Abschlussrede. Also tiefer geht nicht mehr." So verlief die Diskussion bei Maischberger wenig aussagekräftig. Aber immerhin: Irgendwann war sie dann zu Ende.

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