Abrechnung mit Ex-Linker

AfD-Annäherung: Gregor Gysi unterstellt Sahra Wagenknecht den "Wunsch, ein Stück Macht zu erhalten"

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von Natascha Wittmann

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Wird das BSW zum Königsmacher für die AfD?

Videoclip • 01:46 Min • Ab 12


Bei "Markus Lanz" wurde Gregor Gysi deutlich, als es um mögliche Schnittmengen zwischen BSW und AfD ging. Er warf Sahra Wagenknecht "blanken Opportunismus" vor und unterstellte ihr offen den "Wunsch, ein Stück Macht zu erhalten".

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt wirft eine Frage auf, die weit über das Bundesland hinausreicht: Welche Rolle spielt das "Bündnis Sahra Wagenknecht" künftig im Parlament und könnte ausgerechnet das BSW der AfD am Ende zur Mehrheit verhelfen? Bei "Markus Lanz" warnte Linken-Politiker Gregor Gysi zunächst eindringlich davor, die AfD nur moralisch abzuarbeiten. Sein Ansatz: "Wenn wir die Entwicklung stoppen wollen, müssen wir die AfD inhaltlich widerlegen. Nicht nur beschimpfen, das reicht nicht aus!" Gleichzeitig zeichnete er ein größeres Lagebild. Man müsse sich "darüber im Klaren sein, dass von Außen durch Trump, von Innen durch die AfD, Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit bekämpft werden. Wenn wir das retten wollen, müssen wir alles drei attraktiver machen". Der Haken aus Gysis Sicht: "Diejenigen, die das retten wollen, müssen in der Lage sein, sich zu organisieren - sind sie aber zurzeit nicht."

Lanz fragte daraufhin, ob der AfD-Erfolg angesichts einer höheren Wahlbeteiligung nicht auch "belebend für die Demokratie" sein könne. RTL-Politikchef Nikolaus Blome stimmte zu: "Ja, eindeutig. Was immer man von der AfD hält, (...) muss man trotzdem sagen, ein AfD-Wähler ist besser als ein Nicht-Wähler." Entscheidend sei, dass die Partei besonders "im Nicht-Wähler-Bereich (...) in einer Form, wie es ganz lange nicht geschehen ist" mobilisiere. Blomes Urteil: "Das ist eine Leistung für sich". Gysi gab dennoch zu bedenken: "Natürlich ist es Ausdruck der Demokratie und trotzdem ist es ein schwarzer Tag. Aber ich hoffe ein Tag, der uns allen klarmacht, was unsere künftigen Aufgaben sind."

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Gregor Gysi über Sahra Wagenknecht: "Es ist blanker Opportunismus"

Daraufhin ging es in der ZDF-Sendung um die Krise links der Mitte. Lanz wollte wissen: "Wie ist es denn zu erklären, dass die Linkspartei ziemlich schlecht abgeschnitten hat in Sachsen-Anhalt und dass signifikant viele Wähler der Linkspartei direkt rüber sind zur AfD?" Gregor Gysi hielt dagegen: "Da hat die Union viel mehr verloren als wir." Als Lanz erneut auf den Wechsel von links nach rechts drängte, erklärte Gysi, die AfD werde von manchen als "die Kraft (...) von unten (...) gegen die da oben" gesehen, "während wir inzwischen etablierter sind". Außerdem habe sich die Linkspartei selbst stark verändert: "Wir haben jetzt mehr West-Mitglieder als Ost-Mitglieder. Wir haben viel mehr Junge als Alte. Das war ja vorher alles genau umgekehrt."

Markus Lanz nahm dies zum Anlass, auch das BSW und die scheinbare Annäherung zur AfD zu thematisieren. Der Moderator fragte: "Wie geht's Ihnen, wenn Sie darüber nachdenken, was da eigentlich passiert? Sahra Wagenknecht, die sich immer als Anti-Faschistin inszeniert hat!" Gysi erklärte, dass das BSW versuche, "ein Faktor in der Bundesrepublik Deutschland zu werden. Und sie haben gemerkt, (...) dass wenn sie sich fernhalten von der AfD - also das mitmachen, was wir anderen alle sagen - dass dann eine Gleichgültigkeit ihnen gegenüber entsteht". Lanz reagierte scharf: "Es ist Opportunismus!" Gysi bestätigte mit ernstem Blick: "Ja, es ist blanker Opportunismus und der Wunsch, irgendwie ein Stück Macht zu erhalten."

Markus Lanz fragt in Bezug auf Sahra Wagenknecht: "Habe ich das falsch eingeschätzt?"

Nikolaus Blome widersprach der reinen Charakterdebatte und stellte klar: "Diese Charakterstudien - das überzeugt mich in den seltensten Fällen!" Er sah bei Wagenknecht vielmehr Kalkül und erklärte: "Das ist der Versuch gewesen, (...) dem rechten Populismus einen linken Populismus entgegenzustellen. Und (...) die Schnittmenge ist groß genug, dass sie zusammengehen können. Ich finde das gar nicht so überraschend, dass sie das machen. Die Schnittmenge ist ja da!" Gysi wiederum teilte gegen Wagenknecht aus: "Sie hat im 'Tagesspiegel' abgelehnt, links zu sein!" Er warnte gleichzeitig, dass das BSW "kurz vor der direkten Unterstützung" der AfD stehe.

"Das (...) ist natürlich eine Veränderung von Sahra, wie man sie ihr vielleicht nicht zugetraut hätte. Aber inzwischen wundert es mich nicht mehr so sonderlich, nachdem ich die Entwicklung des BSW in den letzten Jahren erlebt habe", so Gysi. Lanz zeigte sich persönlich enttäuscht von Wagenknechts politischem Wandel und fragte: "Habe ich das falsch eingeschätzt?" Nikolaus Blome blieb jedoch kühl: "Das BSW hat mit der AfD mehr inhaltliche Schnittmenge als mit der CDU zum Beispiel, oder mit den Grünen." Lanz konterte prompt: "Mir geht es wirklich um sie als Person und als Politikerin." Darauf antwortete Blome: "Das sagt natürlich eine Menge über den Charakter, ja." Für Wagenknecht sei die AfD am Ende "das kleinere Übel".


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