Neue Masche im Norden
Wespentrick statt Enkeltrick: Falsche Schädlingsbekämpfer verlangen Tausende Euro
Veröffentlicht:
von Benedikt RammerAngebliche Schädlingsbekämpfer haben für die eine Wespennest-Entfernung extrem hohe Summen verlangt.
Bild: imagebroker
Ein Fall aus Lingen zeigt, wie eine neue Betrugsmasche funktioniert: Angebliche Schädlingsbekämpfer beseitigen Wespennester nur mangelhaft und verlangen danach extrem hohe Summen.
Das Wichtigste in Kürze
In Lingen sollen falsche Schädlingsbekämpfer nach einem Einsatz statt 250 Euro plötzlich 3.710 Euro verlangt haben.
Laut Branchenverband kostet eine seriöse Wespennest-Entfernung meist höchstens 100 bis 150 Euro inklusive Nachbehandlung.
Verbraucherzentrale und Fachleute raten zu Kostenvoranschlag, Werkvertrag und der Suche über Innungen oder Verbände.
Eine Frau aus Lingen im Landkreis Emsland ist nach eigenen Angaben Opfer einer neuen Betrugsmasche geworden. Wie der NDR berichtet, hatte An Bakker zwei Wespennester in ihren Stiefeln auf der Terrasse entdeckt und daraufhin im Internet nach einem Schädlingsbekämpfer gesucht. Ein Unternehmen habe kurzfristig einen Termin angeboten. Schon beim Eintreffen der beiden Männer habe sie ein ungutes Gefühl gehabt, berichtet der NDR.
Laut dem Bericht sprachen die angeblichen Schädlingsbekämpfer bei der ersten Wespe sofort von "Gefahrenzulagen" und verteilten einen "undefinierbaren weißen Schaum" auf der gesamten Terrasse. Was zunächst wie ein schneller Einsatz wirkte, endete für die Kundin in einem Schockmoment. Statt der vereinbarten 250 Euro sollen die Männer plötzlich 3.710 Euro verlangt haben.
Hoher Druck nach dem Einsatz
Besonders brisant ist laut NDR der massive psychische Druck, den die Täter ausgeübt haben sollen. Dem Bericht zufolge wollten die Männer die Terrasse nicht verlassen, bevor An Bakker das Geld überwiesen hatte. Unter diesem Druck habe sie schließlich 2.500 Euro gezahlt, weil nicht mehr in einer Überweisung möglich gewesen sei.
Der Fall ist offenbar kein Einzelfall. Martin Claus aus Georgsmarienhütte, der Schädlingsbekämpfer ausbildet und im Bundesvorstand des Verbands tätig ist, sagte dem NDR, solche Fälle seien in der Branche bekannt und würden "immer mehr". Nach seiner Einschätzung liegen seriöse Preise für die Entfernung eines Wespennests deutlich niedriger. Im Raum Osnabrück seien sich viele seriöse Firmen einig: "Mehr als 100, vielleicht 150 Euro, dürfe so ein Einsatz nicht kosten." Das gelte laut Claus sogar inklusive Nachbehandlung.
Auch in den News:
Expert:innen warnen vor Internet-Angeboten
Claus kritisiert den konkreten Fall deutlich. Die Rechnung mit einem falschen Firmenlogo sei laut NDR "an Frechheit kaum zu überbieten" und zeuge von "absoluter Unkenntnis". Noch schwerer wiegt ein anderer Vorwurf: Die Betrüger würden gefährliche und hochgiftige Pestizide einsetzen. Das könne für Kund:innen zu einer "echten gesundheitlichen Gefahr" werden, zitiert der NDR den Experten.
Auch die Verbraucherzentrale Niedersachsen warnt vor unseriösen Anbietern. Rechtsexperte Markus Hagge rät laut NDR dazu, nicht vorschnell die ersten Treffer aus der Internetsuche zu kontaktieren. Gerade prominente Platzierungen könnten von dubiosen Firmen teuer erkauft sein. Ein seriöser Betrieb könne sich solche Summen oft kaum leisten.
Die Fachleute empfehlen deshalb, vor einem Auftrag immer einen schriftlichen Kostenvoranschlag und einen Werkvertrag zu verlangen. Für seriöse Unternehmen sei das "kein Problem", sagte Hagge dem NDR. Wer einen Schädlingsbekämpfer sucht, sollte am besten direkt auf den Seiten von Innungen oder Fachverbänden nach anerkannten Betrieben suchen.
Verwendete Quellen:
NDR: "Wespentrick statt Enkeltrick - neue Betrugsmasche in Norddeutschland"
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