Hoffen und Bangen
Wal-Rettung an der Ostsee: Buckelwal schwimmt wieder – aber die Gefahr bleibt
Veröffentlicht:
von Michael Reimers:newstime
Buckelwal hat sich von Sandbank befreit
Videoclip • 26 Sek • Ab 12
Nach tagelangem Drama vor Timmendorfer Strand schwimmt der gestrandete Meeresriese wieder. Doch der Weg nach Hause in den Atlantik ist noch weit. Kann der erschöpfte Koloss es schaffen?
Das Wichtigste in Kürze
Der zwölf bis 15 Meter lange Buckelwal hat die Sandbank vor Timmendorfer Strand verlassen.
Helfer:innen bilden eine Blockade, um zu verhindern, dass er zurück zur Küste schwimmt.
Die Reise in den Atlantik ist jedoch noch lang für das völlig erschöpfte Tier.
Ein leises Brummen durchbricht die Morgenstille der Lübecker Bucht. Es ist der Atem der Hoffnung – und zugleich ein Hilferuf. Der Buckelwal, der seit Montag (23. März) auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand gefangen war, hat es geschafft: In der Nacht zum Freitag (27. März) befreite sich der zwölf bis 15 Meter lange Wal durch eine mühsam gegrabene Rinne und schwamm ins offene Wasser. Doch die Erleichterung währt nur kurz.
Denn der Kampf des Meeressäugers ist längst nicht vorbei. Mehrere Stunden nach seiner Befreiung wurde der Wal erneut vor Timmendorfer Strand gesichtet, bevor er sich wieder von der Küste entfernte. Umweltschützer:innen von Sea Shepherd und Greenpeace sind mit Schlauchbooten im Einsatz, bilden eine Art Blockade, um zu verhindern, dass das völlig erschöpfte Tier zurück ins gefährliche Flachwasser gerät.
Zickzack-Kurs ins Ungewisse
Der Wal macht "Sperenzchen – Zickzack hin und her", berichtet Biologe Robert Marc Lehmann, der an Bord eines Begleitschiffs die dramatische Eskorte koordiniert. Das Ziel: den Koloss an Neustadt vorbei Richtung Fehmarn und weiter nach Dänemark zu manövrieren. Denn erst im Atlantik ist er wirklich zu Hause – die Befreiung von der Sandbank sei "nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung", betont Lehmann.
Die Küstenwache und mehrere Boote begleiten das Tier etwa 300 Meter vor der Küste. Ein Sender konnte nicht angebracht werden – die Haut des Wals ist zu stark erkrankt. So bleibt den Helfer:innen nur die direkte Sichtbegleitung.
Tagelanger Kampf mit schwerem Gerät
Was dem Wal die Freiheit brachte, war das Ergebnis einer beispiellosen Rettungsaktion. Seit Montagmorgen (23. März) saß der Buckelwal fest. Am Donnerstag (26. März) gruben Schwimmbagger eine Rinne ins Meer, Meter um Meter kämpfte sich das Tier hindurch. Biologe Lehmann stand im Neoprenanzug neben dem Wal, beruhigte ihn, zeigte dem Baggerführer, wie nah die Schaufel kommen durfte.
Die Helfer:innen versuchten alles: Hupen, Trommeln, Rufen – auch der Wal selbst gab lautes Brummen von sich. Als die Dunkelheit die Aktion am Donnerstagabend stoppte, fehlten nur noch wenige Meter bis ins tiefere Wasser. In der Nacht schaffte es das Tier dann allein.
Ein Wal mit bewegter Vergangenheit
Es ist vermutlich derselbe Buckelwal, der bereits Anfang März im Hafen von Wismar für Aufsehen sorgte. Damals hatte er sich in einem Stellnetz verfangen, Einsatzkräfte befreiten ihn weitgehend, doch Leinenreste blieben. Es folgten Sichtungen vor Boltenhagen, Graal-Müritz, Travemünde – immer wieder versuchte Sea Shepherd, die Netzreste zu entfernen.
Zwischen Jubel und Bangen
"Ich bin unglaublich erleichtert", sagt Bürgermeister Sven Partheil-Böhnke. Auch Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) drückte seine Freude aus und dankte den Helfer:innen. Die Kosten der Rettung: rund 40.000 Euro, das Land Schleswig-Holstein beteiligt sich.
Doch Forscherin Stephanie Groß vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung mahnt zur Vorsicht: Es gebe zwar immer wieder Großwale in der Ostsee, die den Weg zurück in die salzreichere Nordsee fänden. Doch die Gefahr bleibt – der Wal könnte erneut stranden oder den Ausgang aus der Ostsee nicht finden.
"Das brauchen wir alle nach den schrecklichen Nachrichten der letzten Monate", sagt Bürgermeister Partheil-Böhnke über die Anteilnahme aus ganz Deutschland und dem Ausland. Eine gute Nachricht – mit offenem Ende.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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