Personal, Bodycams und Zivilcourage
Bestürzung nach Tod eines Zugbegleiters: Politik und Gewerkschaften fordern weitreichende Änderungen
Veröffentlicht:
von Jana Wejkum:newstime
Attacke: Daran starb der Zugbegleiter
Videoclip • 34 Sek • Ab 12
Während einer Ticketkontrolle wird ein Zugbegleiter von einem Fahrgast tödlich verletzt. Gewerkschaften und Politik äußern sich bestürzt. Wie kann die Sicherheit des Bahnpersonals verbessert werden?
Das Wichtigste in Kürze
Der Tod von Serkan C. löst bundesweit Bestürzung aus: Es gibt eine Schweigeminute und die Gewerkschaft EVG sammelt Spenden für seine Familie.
Gewerkschaften fordern mehr Mitarbeitende für Bahn und Sicherheitsdienst und regen die Anschaffung von Bodycams an.
Verkehrsminister:innen der Bundesländer wollen Ende März über Maßnahmen für mehr Sicherheit für Mitarbeiter:innen im Nahverkehr beraten.
Nach dem gewaltsamen Tod des Zugbegleiters Serkan C. ruft die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) dazu auf, für dessen Familie Spenden zu sammeln. Auf Facebook schrieb die EVG, der Zugbegleiter sei "alleinerziehender Vater von zwei Kindern". Seine Familie sei nun auf finanzielle Unterstützung angewiesen.
In seiner Heimatstadt Ludwigshafen gibt es Solidarität für Serkan C. Der Oberbürgermeister Klaus Blettner (CDU) hatte seine Familie am Mittwochabend (4. Februar) besucht. Er bekundete sein Mitgefühl und versprach, die Stadt werde der Familie zur Seite stehen. "Hier ist ein Mensch, ein Vater, ein Nachbar, ein Mitbürger einfach seiner Arbeit nachgegangen – und kommt dann nicht mehr nach Hause. Das ist schrecklich", sagte Blettner.
Serkan C. war am Montagabend (2. Februar) bei seiner Arbeit als Zugbegleiter in einem Regionalexpress nahe Kaiserslautern von einem 26-jährigen Mann schwer verletzt worden. Als der Mann bei der Ticketkontrolle kein Ticket vorweisen konnte und aufgefordert wurde, den Zug zu verlassen, schlug er Ermittlungen zufolge mehrmals heftig mit den Fäusten zu.
Ermittler:innen werten Videoaufnahmen aus
Serkan C. verlor das Bewusstsein, musste reanimiert werden und starb eineinhalb Tage später in einer Klinik in Homburg. Die Obduktion ergab, dass eine Hirnblutung als Folge von stumpfer Gewalt gegen den Kopf die Todesursache gewesen sei. Der mutmaßliche Täter, ein Grieche mit Wohnsitz in Luxemburg, befindet sich in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war er zuvor nicht polizeibekannt.
Ermittler:innen werten derzeit Videoaufzeichnungen aus dem Zug aus, in dem sich die Tat ereignete. Warum der Mann so gewalttätig reagierte, ist unklar. Der Verdächtige schweigt bislang zu den Vorwürfen.
Schnieder: "Rohe und sinnlose Gewalt"
Die Tat hat deutschlandweit für Entsetzen gesorgt. Die Deutsche Bahn (DB) sprach am Mittwochabend (4. Februar) von dem wohl ersten Fall, in dem ein:e Bahnmitarbeiter:in im Dienst durch einen Angriff gestorben ist.
Bahnchefin Evelyn Palla schrieb auf LinkedIn, sie sei "fassungslos und traurig" angesichts des getöteten Mitarbeiters. "Wir alle müssen uns die Frage stellen, warum es immer wieder zu solchen Gewaltausbrüchen kommt." Es sei ein schwarzer Tag für alle Eisenbahner:innen. Am Mittwoch fand an mehreren Bahnhöfen in Deutschland um 15 Uhr eine Schweigeminute für Serkan C. statt, an der auch Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) teilnahm.
Schnieder rief zu mehr Engagement für die Sicherheit in Zügen und Bahnhöfen auf: "Es ist furchtbar, dass ein Kundenbetreuer bei der normalen Ausübung seiner Arbeit ums Leben kommt – getötet durch rohe und sinnlose Gewalt."
Hessens Verkehrsminister Kaweh Mansoori (SPD) nahm die Tat zum Anlass, um für mehr Zivilcourage zu werben. Er wünsche sich parteiübergreifend ein Nachdenken darüber, "welchen Beitrag wir dazu leisten können, gegen diese Verrohung in unserer Gesellschaft, die sich immer mehr nicht nur in der Sprache ausdrückt, sondern auch in Taten, vorzugehen".
Gewerkschaften: Mehr Personal und Sicherheitstechnik
EVG-Chef Martin Burkert sprach im Rahmen einer Gedenkveranstaltung am Mittwoch von einer "neuen, schlimmen Qualität" für Bahnmitarbeitende. Um die Sicherheit zu verbessern, fordere die EVG seit langem vor allem eine Doppelbesetzung in Regionalzügen.
Im Bayerischen Rundfunk (BR) sprach er sich für einen Notrufknopf an der Armbanduhr aus. "Das ist alles immer mit Kosten verbunden. Aber Sicherheit ist nicht verhandelbar", so Burkhart. Auch der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats DB Regio Schiene/Bus, Ralf Damde, plädierte für besseren Schutz durch Technik. "Wir brauchen eine Bodycam, die auch Tonaufzeichnungen wiedergibt und nicht nur das Filmmaterial."
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert mehr Sicherheitspersonal in Zügen. "Wir erkennen seit langer Zeit die wachsende Kriminalität und Brutalität auch im Bahnbereich", sagte der GdP-Vorsitzende für den Bereich Bundespolizei, Andreas Roßkopf, der "Rheinischen Post".
Auch in den News:
Verkehrsminister wollen im März beraten
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte für Gewalt gegen Mitarbeiter:innen des öffentlichen Dienstes und andere Angestellte der Bahn "entschiedene Konsequenzen" durch verschärften strafrechtlichen Schutz. "Unser Rechtsstaat kennt auch bei den brutalsten Verbrechen keine Sprachlosigkeit", betonte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD).
Der Vorsitzende der Ministerkonferenz, Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), kündigte am Donnerstag (5. Februar) eine Beratung der Verkehrsminister:innen über den Schutz Mitarbeitender im Nahverkehr an. Sie soll am 25. und 26. März in Lindau am Bodensee stattfinden.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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