Digitale Warnsysteme
NINA, Katwarn und Co.: Was du über die Warn-Apps wissen musst
Veröffentlicht:
von Claudia Frickel:newstime
Bundeswarntag: Proben für den Ernstfall (11. September 2025)
Videoclip • 01:29 Min • Ab 12
Hochwasser, Sturm, Großbrände, Anschläge: Vor solchen Ereignissen warnen Apps wie NINA oder Katwarn. Wir erklären, was sie bieten, wie sie sich unterscheiden und welche Warnsysteme es noch gibt.
Das Wichtigste in Kürze
NINA ist eine App des Bundes, die vor Katastrophen und Gefahren warnt.
Katwarn wurde vom Fraunhofer-Institut mit einem ähnlichen Ansatz entwickelt, hat aber einen anderen Fokus.
Cell Broadcast verfolgt einen anderen Ansatz: Die Warnungen werden an alle Mobilfunknutzer:innen in einer Funkzelle geschickt.
Was sind Warn-Apps wie NINA und welchen Zweck verfolgen sie?
Warn-Apps dienen als digitale Frühwarnsysteme, die Gefahrenmeldungen in Echtzeit auf dein Smartphone bringen. Wenn du die Anwendungen auf deinem Smartphone installierst, empfängst du Push-Nachrichten. Diese informieren dich darüber, dass in deiner Umgebung etwas passiert ist oder passieren könnte. Dazu musst du aber online sein, entweder über WLAN oder Mobilfunk.
Zusätzlich liefern die Apps Verhaltenstipps – etwa Fenster schließen oder bestimmte Bereiche meiden.
So erfährst du frühzeitig von Ereignissen und kannst reagieren. Anders als etwa bei Warnungen über Radio oder Internet erreichen dich diese Informationen gezielt, du musst nicht selbst danach suchen.
Diese Informationen sind außerdem standortbezogen. Das heißt, du erhältst nur Meldungen, die für dich relevant sind – für einen Ort, den du auswählst, oder an dem du dich gerade befindest.
Wenn die gefährliche Situation vorbei ist, bekommst du über die Apps eine Entwarnung.
Es gibt verschiedene Warn-Apps, die meist von Behörden, Sicherheitsorganisationen oder Wetterdiensten betrieben werden. In Deutschland dominieren zwei Systeme: NINA und Katwarn. Daneben existieren weitere spezialisierte Angebote. Sie alle senden ausschließlich offizielle Informationen.
Die Warn-App NINA im Überblick
Die Abkürzung NINA steht für "Notfall-Informations- und Nachrichten-App". Entwickelt hat die seit 2015 bestehende Anwendung das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Es handelt sich um eine offizielle App des Staates und die Warnungen stammen direkt von Behörden.
NINA bezieht ihre Daten vom Modularen Warnsystem (MoWaS). Über diese zentrale Plattform des Bundes spielen Behörden Meldungen an Apps und Medien aus. Sie dient als Plattform im Hintergrund und gibt die Daten weiter. In die App fließen zudem weitere Alarme anderer Stellen ein, zum Beispiel des Deutschen Wetterdiensts.
NINA warnt unter anderem vor
Sturm, Gewitter und Unwetter
Hochwasser und Überschwemmungen
Hitze und extremem Wetter
Großbränden und Explosionen
Gefahrstoffaustritte, etwa bei Chemieunfällen
Stromausfällen und Störungen der Infrastruktur
Bombenentschärfungen oder Funden von Munition
Gefährlichen Lagen wie Amokläufen
Gesundheitsgefahren
Die NINA-App hat einige Besonderheiten. Sie integriert Tipps, wie du dich im Notfall am besten verhältst, unter anderem bei Stromausfall, Unwetter, Hitze oder Feuer. Dazu kommen Informationen der Polizei und andere Sicherheitshinweise. Die Warnmeldungen kannst du auch auf einer Sammelseite im Browser ansehen.
Die kostenlose App steht für Android und iOS zur Verfügung. Sie hat nach eigenen Angaben knapp 14 Millionen Nutzer:innen (Stand: 13. Mai 2026).
NINA warnt vor gefährlichen Situationen – wie hier einer Weltkriegsbombe.
Bild: picture alliance/dpa
Was bietet die Katwarn-App?
Katwarn war 2011 die erste Warn-App in Deutschland. Das Fraunhofer-Institut Fokus entwickelte sie im Auftrag der öffentlichen Versicherer.
Die App punktet vor allem durch ihre sehr gute regionale Vernetzung: Sie ist eng mit kommunalen Leitstellen und lokalen Behörden verbunden. Kommt es zu Ereignissen wie Großbränden oder Bombenfunden, melden die Einrichtungen die Gefahr an das Katwarn-System. Dieses leitet die Informationen an die Nutzer:innen weiter.
Katwarn ist mit weiteren öffentlichen Warnsystemen gekoppelt. Darunter ist das modulare Warnsystem des Bundes MoWaS, das auch die NINA-App nutzt.
Du kannst in der App zudem Informationen zu Veranstaltungen abonnieren, beispielsweise zu Oktoberfest, Messen oder Festivals. Unabhängig von deinem Standort erhältst du dann Hinweise zu Sicherheit, Straßensperrungen oder anderen Störungen.
Wie die anderen Warn-Apps schickt Katwarn bei drohender Gefahr eine Benachrichtigung. Falls du kein Smartphone besitzt oder die Anwendungen nicht installieren möchtest, kannst du Warnungen für deine Umgebung aber auch per SMS oder E-Mail erhalten.
Katwarn schickt Push-Mitteilungen unter anderem bei:
Unwetter wie Sturm, Starkregen, Gewitter
Hochwasser und Überschwemmungen
Großbränden und Waldbränden
Bomben- und Munitionsfunden
Austritt von Gefahrstoffen, etwa bei Chemieunfällen
Explosionen
Naturkatastrophen
technischen Störungen oder Infrastrukturproblemen
anderen Gefahren und Katastrophen im öffentlichen Raum
Die Katwarn-App ist mit Android und iOS kompatibel. Wie viele Nutzer:innen sie installiert haben, geben die Betreiber nicht bekannt.
Eine Katwarn-Meldung auf einem Handy-Bildschirm.
Bild: dpa
Biwapp: Fokus auf lokalen Infos
Die Bürger-Info- und Warn-App (Biwapp) ist eine regionale Warn-App. Städte und Landkreise können sie nutzen, um Anwohner:innen direkt über wichtige Ereignisse und Gefahren zu informieren. Dahinter steckt ein privater Betreiber, der die Anwendung 2015 veröffentlichte. An der Entwicklung waren nach eigenen Angaben auch Feuerwehren und Katastrophenschützer beteiligt.
Im Unterschied zu überregionalen Apps liegt der Fokus stark auf lokalen und alltagsnahen Informationen. Darum findest du bei Biwapp neben Benachrichtigungen zu Großfeuern und Katastrophen auch solche zu Schulausfällen, Straßensperrungen, Fahndungen oder Feuerwehreinsätzen.
Das gilt aber nur, wenn die entsprechenden Stellen die Daten an das System weitergeben. Die Abdeckung unterscheidet sich je nach Kommune deutlich: Nicht jede Stadt oder Gemeinde verwendet die App.
In die App fließen zudem Warnungen des bundesweiten MoWaS‑Systems und des Deutschen Wetterdienstes ein.
Eine Besonderheit von Biwapp ist, dass Nutzer:innen selbst auswählen können, über welche Art von Zwischenfällen sie benachrichtigt werden wollen. Weiteres Extra: Die App erlaubt es, einen Notruf an die Behörden abzusetzen – mit Weitergabe des aktuellen Standorts.
Biwapp warnt unter anderem bei:
Unwetter
Feuer und Großbränden
Hochwasser
Bombenfunden
Chemieunfällen
Erdrutschen und Lawinen
Großschadenslage
Verkehrsunfällen
Unterrichtsausfällen
Seuchen
Fahndungsaufrufen und Polizeimeldungen
Biwapp funktioniert mit Android- und iOS-Handys. Die App nennt keine Gesamtzahl an Nutzer:innen. Weil sie aber nicht flächendeckend verwendet wird, dürfte die Zahl deutlich geringer sein als bei NINA und Katwarn.
WarnWetter: Alles zu gefährlichen Wetterlagen
Die WarnWetter-App ist die offizielle Wetter- und Warn-App des Deutschen Wetterdiensts (DWD). Sie wurde 2015 veröffentlicht und liefert detaillierte Informationen zu Wetterentwicklungen sowie akuten Unwettergefahren in Deutschland.
Nutzer:innen erhalten unter anderem Prognosen, Radar- und Warnkarten. Dazu kommen konkrete Hinweise bei gefährlichen Wetterlagen wie Sturm, Starkregen, Glätte, Gewitter, Hochwasser oder Hitze.
Die Android- und iOS-App kannst du kostenlos verwenden. Es gibt zudem eine kostenpflichtige Premiumversion. Sie bietet unter anderem exaktere und hochauflösende Wetterkarten, ein Radar-Archiv und genauere Prognosemodelle.
Ähnliche Themen:
Cell Broadcast: Warnsystem für Handys
Anders als NINA, Katwarn, Biwapp und WarnWetter ist Cell Broadcast keine App. Das Warnsystem sendet offizielle Gefahrenmeldungen per Push-Textnachricht direkt auf Handys. Zudem hören Nutzer:innen einen durchdringenden Alarmton.
Der Versand erfolgt über das Mobilfunknetz: Erreicht werden alle Geräte in einer Funkzelle. Sie erhalten die Nachricht, sofern sie eingeschaltet sind. Dadurch werden im Notfall deutlich größere Teile der Bevölkerung informiert.
Allerdings gibt es auch Einschränkungen: Es können nur kurze Textnachrichten verschickt werden. Apps wie NINA bieten deutlich mehr Informationen.
Der Dienst wurde im Februar 2023 in Deutschland eingeführt. In anderen Ländern werden ähnliche Technologien schon länger verwendet. Das BBK koordiniert das System.
Über keinen anderen Weg können wir mehr Menschen direkt erreichen.
Cell Broadcast kommt vor allem bei ernsten Gefahren in einer Region zum Einsatz, zum Beispiel bei
extremen Unwettern
Hochwasser und Überschwemmungen
Gefahrstoffen
Großbränden und Explosionen
Amokläufen oder terroristischen Gefahren
schwere Störungen der öffentlichen Sicherheit
Evakuierungsanordnungen
andere akute Katastrophen
Für die Benachrichtigung ist es egal, welches Mobilfunknetz jemand nutzt. Die Warnung funktioniert auch, wenn das Handy auf lautlos gestellt ist. Weitere Vorteile: Alle Menschen in einer Region werden gewarnt, auch Tourist:innen oder andere Besucher:innen.
Es gibt nur wenige Voraussetzungen für Cell Broadcast:
Das Handy muss als Betriebssystem mindestens Android 11 oder iOS 16.1 installiert haben.
Handy oder Smartphone müssen eingeschaltet sein.
Das Gerät darf sich nicht im Flugmodus befinden.
Damit sichergestellt ist, dass Cell Broadcast funktioniert, finden regelmäßige Warntage statt. Dabei wird getestet, ob Mobiltelefone tatsächlich eine Benachrichtigung erhalten.
FAQ: NINA und Warn-Apps
Sowohl NINA als auch Katwarn sind Warn-Apps, die dich bei Gefahren und Katastrophen informieren sollen. Sie nutzen in der Regel dieselben Quellen, geben also ähnliche Informationen aus. Trotzdem unterscheiden sie sich: NINA ist umfassender und bietet unter anderem auch die Nutzung in anderen Sprachen an. Zudem kann die App auf alle Warnsysteme des Bundes zugreifen. Katwarn dagegen ist lokal stärker vernetzt und hauptsächlich auf schnelle Warnungen ausgelegt. Expert:innen empfehlen, zur Sicherheit beide Apps zu nutzen.
Die NINA-App können Nutzer:innen kostenlos installieren und verwenden. Auch andere Warn-Apps wie Katwarn oder Biwapp kosten nichts.
Die NINA-App wird vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe herausgegeben.
Verwendete Quellen:
NINA‑Webseite beim Bundesamt für Bevölkerungshilfe und Katastrophenschutz
Katwarn-Webseite
Biwapp-Webseite
WarnWetter-Webseite
Cell-Broadcast-Webseite beim Bundesamt für Bevölkerungshilfe und Katastrophenschutz
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