Besondere Schwere der Schuld
Palliativarzt in Berlin wegen 15-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt
Veröffentlicht:
von Benedikt Rammer:newstime
So arbeitet die Polizei in Deutschland
Videoclip • 01:46 Min • Ab 12
Ein Berliner Gericht hat einen Palliativarzt wegen 15 Morden an Patient:innen zur Höchststrafe verurteilt. Das Landgericht sah es als erwiesen an, dass der 41-Jährige schwer kranken Menschen tödliche Medikamente verabreichte, obwohl ihr Tod nicht unmittelbar bevorstand.
Das Wichtigste in Kürze
Das Landgericht Berlin verurteilte einen Palliativarzt wegen 15 Morden zu lebenslanger Haft, stellte die besondere Schwere der Schuld fest und ordnete Sicherungsverwahrung an.
Der Arzt gestand zwölf Taten und erklärte laut Quelle, er habe Patient:innen "Leid und Siechtum" ersparen wollen.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt in 76 weiteren Fällen, weshalb noch in diesem Jahr ein weiterer Prozess folgen könnte.
Das Landgericht Berlin hat einen 41-jährigen Palliativarzt wegen 15-fachen Mordes schuldig gesprochen. Nach Überzeugung des Gerichts tötete der Deutsche zwischen 2021 und 2024 insgesamt zwölf Frauen und drei Männer. Die Opfer waren zwischen 25 und 94 Jahre alt. Sie waren zwar schwer krank, doch laut Gericht stand ihr Tod nicht unmittelbar bevor.
Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Diese hatte eine lebenslange Freiheitsstrafe, die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld sowie Sicherungsverwahrung gefordert. Die Verteidigung hatte sich laut der Nachrichtenagentur dpa gegen die besondere Schwere der Schuld und gegen die Sicherungsverwahrung ausgesprochen.
Geständnis nach langem Schweigen
Besonders aufsehenerregend war das späte Geständnis des Arztes. Nach monatelangem Schweigen hatte er am 25. Juni überraschend eingeräumt, zwölf schwer kranke Patient:innen bei Hausbesuchen getötet zu haben. In seiner Erklärung sagte er laut dpa, er habe sich eingeredet, das Richtige zu tun und Patient:innen "Leid und Siechtum" zu ersparen. Zum Ende des Prozesses entschuldigte er sich erneut bei den Hinterbliebenen.
Der Arzt sitzt seit Anfang August 2024 in Untersuchungshaft. Auslöser der Ermittlungen waren mehrere Brände, die er nach bisherigen Erkenntnissen gelegt haben soll, um Tötungen von Patient:innen zu verdecken. Zunächst war wegen Brandstiftung mit Todesfolge ermittelt worden. Im Verlauf der Untersuchungen geriet der Mediziner dann immer stärker in den Fokus der Behörden.
Auch in den News:
Weitere Dutzende Morde? Ermittlungen könnten noch ausgeweitet werden
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft spielten auch Hinweise des Pflegedienstes eine wichtige Rolle, für den der Beschuldigte gearbeitet hatte. Das Berliner Landeskriminalamt richtete für den Fall eine eigene Ermittlungsgruppe des Morddezernats ein. Diese wertete Hunderte Patientenunterlagen aus. Im April 2025 erhob die Staatsanwaltschaft schließlich Anklage in 15 Fällen gegen den in Frankfurt am Main geborenen Arzt.
Der Fall könnte noch deutlich größer werden. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird derzeit in 76 weiteren Fällen ermittelt. Eine weitere Anklage noch in diesem Jahr gilt demnach als möglich. Mit Blick auf das angekündigte neue Verfahren sagte der Arzt in seinem letzten Wort vor Gericht: "Ich werde mich in dem kommenden Verfahren deutlich früher einlassen."
Vergleich mit einem der größten Mordfälle Deutschlands
Schon jetzt wird der Fall mit anderen großen Serienmorden im medizinischen Bereich verglichen. Als bislang wohl größte Mordserie der deutschen Nachkriegsgeschichte gilt der Fall des Ex-Pflegers Niels Högel. Er wurde 2019 wegen 85 Morden zu lebenslanger Haft verurteilt. Damals blieb das Motiv für die Taten unklar. Das Gericht ging davon aus, es sei ihm um die "Gier nach Spannung" gegangen.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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