Experten warnen
Selbstoptimierungs-Hype Looksmaxxing: harmloses Phänomen oder gefährlicher Trend?
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von Luca SerdarogluSeit Jahren verbreitet sich in den sozialen Medien ein Trend: Looksmaxxing – also die Optimierung des eigenen Aussehens. Doch warum sind so viele junge Männer darauf versessen, ihr Spiegelbild zu perfektionieren – selbst mit extremen, teils fragwürdigen Methoden?
Größere Kieferlinie, markantere Wangenknochen, perfekter Körperfettanteil: In den sozialen Medien verbreitet sich seit einigen Jahren ein Trend namens Looksmaxxing. Die Idee dahinter: Mit möglichst vielen Maßnahmen das eigene Aussehen optimieren – und damit auch den eigenen Erfolg im Leben.
Für eine :newstime-Reportage haben wir mit Bramal gesprochen. Der 19-Jährige gilt als einer der bekanntesten Looksmaxxing-Influencer Deutschlands. Seine Videos erreichen Hunderttausende junge Männer. Darin spricht er über Attraktivität, Dating und die Frage, wie man nach seiner Formel die beste Version seiner selbst werden kann.
Doch Bramal ist nicht allein. International prägt vor allem der 20-jährige Influencer Braden Peters die Szene. Im Internet ist er besser bekannt unter seinem Künstlernamen "Clavicular". Der Name ist eine Anspielung auf das englische Wort "Clavicle" – also Schlüsselbein.
Bekannt wurde Clavicular unter anderem durch sogenannte "Bonesmashing"-Videos. Dabei schlagen sich Anhänger der Methode wiederholt mit harten Gegenständen gegen die Wangenknochen. Die Hoffnung: Durch Mikroverletzungen soll der Knochen nachwachsen und das Gesicht markanter werden. Wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit dieser Methode gibt es nicht, Mediziner warnen vor dauerhaften Verletzungen.
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Looksmaxxing: Mehr als nur Fitness und Hautpflege
Looksmaxxing umfasst zunächst viele Dinge, die harmlos erscheinen: Sport, gesunde Ernährung, Hautpflege oder ein neuer Haarschnitt. In den extremen Ausprägungen geht es jedoch deutlich weiter. Dort werden kosmetische Eingriffe, Medikamente oder sogar fragwürdige Methoden diskutiert, um das eigene Erscheinungsbild zu verändern.
Für den Kinder- und Jugendpsychologen Rudolf Ritzinger ist Looksmaxxing deshalb kein völlig neues Phänomen. Er sieht Looksmaxxing als eine Weiterführung des Selbstoptimierungstrends, der ohnehin schon seit Jahren im Internet existiert.
Besonders problematisch werde es, wenn junge Menschen anfangen, ihren eigenen Wert ausschließlich an ihrem Aussehen festzumachen. "Viele Jugendliche, die zu mir kommen, leiden extrem darunter, sich selber optimieren zu müssen aufgrund von Fake-Optimierungsprozessen in Social Medias", so der Experte. Sie bekämen das Gefühl, "niemals gut genug zu sein, niemals auszureichen, überhaupt nicht hinterherzukommen". Und das sorge für Depression.
Viele Jugendliche, die zu mir kommen, leiden extrem darunter, sich selber optimieren zu müssen.
Die Generation Covid
Auffällig ist das Alter vieler bekannter Looksmaxxing-Influencer. Bramal ist 19 Jahre alt, Clavicular 20. Beide waren zwischen 13 und 15 Jahren alt, als die Corona-Pandemie ihren Alltag bestimmte.
Eine Phase, die laut Ritzinger tiefe Spuren hinterlassen hat. "Covid hat alles verstärkt. Covid war für die Jugendlichen, die von der Covid-Zeit betroffen waren, eine absolute Katastrophe, psychologisch gesehen." Das habe extrem viel Einsamkeit, Unsicherheit und Sinnlosigkeit mit sich gebracht und verstärkt, für das anfällig zu sein, was in den sozialen Medien aktuell gehypt wird.
Covid war für die Jugendlichen (...) eine absolute Katastrophe, psychologisch gesehen.
Während der Lockdowns verlagerte sich ein großer Teil des sozialen Lebens ins Internet. Jugendliche verbrachten mehr Zeit auf TikTok, Instagram und YouTube. Gleichzeitig fielen viele reale Vergleichsmöglichkeiten weg. Wer bin ich? Wie wirke ich auf andere? Antworten auf diese Fragen kamen zunehmend aus dem Smartphone.
Beim Looksmaxxing steht das Aussehen über allem
Vielleicht erklärt genau das, warum Looksmaxxing heute so viele junge Männer anspricht.
Wir leben in einer Zeit, in der wir uns ständig selbst sehen. Beim Selfie. Im Instagram-Feed. In Videokonferenzen. Auf TikTok. In Zoom-Calls. Kaum eine Generation zuvor war so oft mit ihrem eigenen Spiegelbild konfrontiert.
Das verändert den Blick auf sich selbst.
Looksmaxxing ist letztlich ein Trend, bei dem das Aussehen über allem steht. Der eigene Körper wird zum Projekt – das Gesicht zur Baustelle. Jeder vermeintliche Makel erscheint wie ein Problem, das behoben werden muss.
Wer in diesen Optimierungswahn gerät, fühlt sich irgendwann, als würde er ständig gefilmt oder fotografiert werden. Man betrachtet seine Person immer von außen: Wie sehe ich aus? Wie wirke ich? Bin ich attraktiv genug?
Doch genau darin liegt die Gefahr. Denn wer seinen Blick nur noch auf sich selbst richtet, verliert leicht den Blick für die Welt, für die eigenen Bedürfnisse und für die Menschen um sich herum.
Die ganze Reportage "Looksmaxxing: Gefangen im eigenen Spiegelbild" siehst du oben im Video oder jederzeit kostenlos auf Joyn.
FAQ: Looksmaxxing
Looksmaxxing ist der Versuch, das eigene Aussehen gezielt zu optimieren. Für viele Looksmaxxer steht Attraktivität dabei über allem – in der Überzeugung, dass gutes Aussehen über Erfolg, Beziehungen und gesellschaftlichen Status entscheidet.
Selbstfürsorge bedeutet, auf die eigenen Bedürfnisse und die Gesundheit zu achten – etwa durch ausreichend Schlaf, Bewegung oder soziale Kontakte. Selbstoptimierung verfolgt dagegen oft das Ziel, sich ständig zu verbessern und vermeintliche Schwächen zu beseitigen. Problematisch wird es, wenn man sich nie gut genug fühlt.
Psycholog:innen warnen davor, den eigenen Wert zu stark vom Aussehen abhängig zu machen. Wer sich ständig mit idealisierten Bildern in sozialen Medien vergleicht, kann das Gefühl entwickeln, nie gut genug zu sein. Das kann Selbstzweifel, Stress und im schlimmsten Fall psychische Erkrankungen begünstigen.
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