Zeitplan steht

Rettung für Wal Timmy: "Heute wird er nicht mehr transportiert"

Aktualisiert:

von Christopher Schmitt

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Letzte Rettungsaktion für Wal Timmy

Videoclip • 21 Sek • Ab 12


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Der Wal bewegt sich und zeigt eine Reaktion: Timmy hat mit seiner Schwanzflosse gewedelt. Wie geht es nun weiter bei der Rettungsaktion in der Ostsee? Hier live verfolgen.

Der in der Ostsee gestrandete Buckelwal wird zunächst weiter in der Bucht vor der Insel Poel ausharren müssen. "Heute wird er nicht mehr transportiert, das können wir sagen", sagte die an dem privaten Rettungsversuch beteiligte Tierärztin Janine Bahr-van Gemmert bei einer Pressekonferenz am Samstagnachmittag im Hafen von Kirchdorf. Über den konkreten Zeitplan der Aktion des Wals wollte die Medizinerin aus Föhr zunächst nichts sagen. Hintergrund sei, dass das Team von außen nicht unter Druck stehen wolle. Intern gebe es durchaus einen Zeitplan. "Wir sind jetzt gut dabei", sagte Bahr-van Gemmert.

Das Team gebe jetzt alles für den Wal. Sie gestand aber auch ein: "Wir wären gerne noch schneller." Die Tierärztin und die anderen Expert:innen im Team seien davon überzeugt, dass die Rettungsaktion die beste Lösung ist für den Wal. Es bestehe "eine reelle Chance (..), dass er das gut schafft".

Rettungsversuch am Wochenende

Der geplante Rettungsversuch des vor der Insel Poel gestrandete Wals hat frühestens am Samstag beginnen können. Am Freitag sei mit den Probespülungen begonnen worden, sagte der Chef des von einer privaten Initiative beauftragten Tauchunternehmens, Fred Babbel. "Dann bringen wir alles auf Position, dass alles abendfest gemacht wird, und dann geht's morgen früh weiter."

Technisch war der Plan, die Fläche freizuspülen, vor die später die Pontons gesetzt werden sollen. Diese sollen dann so angeordnet werden, dass innen eine Freifläche von sechs mal zwölf Metern entsteht. "Da drin wird der Wal sich dann ja aufhalten", sagte Babbel. Er habe den Eindruck, dass es dem Wal im Moment ganz gut gehe. "Er hat sich ja heute auch einmal komplett gedreht." Das Tier soll auf einer Plane zwischen den Pontons in Richtung Nordsee transportiert werden.

Wal hat sich am Freitag heftig bewegt

Der gestrandete Buckelwal Timmy vor der Ostsee-Insel Poel hat am Freitagmorgen (17. April) mit heftigen Bewegungen auf einen sich nähernden Taucher reagiert – und mit der Schwanzflosse gewedelt. Um fast 90 Grad hatte sich das Tier gedreht, Helfer:innen entfernten sich daraufhin. Die Beruhigung des Tiers folgte bereits nach wenigen Minuten, dann lag es wieder still im Wasser.

Um kurz nach 8 Uhr waren sechs Helfer:innen auf Booten im Morgennebel zum Wal gefahren. Im Livestream von News5 war zu sehen, wie sie seinen Zustand überprüften und ein nasses Tuch auf dem Rücken des Wals wechselten.

Im Laufe des Tages wird planmäßig der Versuch unternommen, das tonnenschwere Tier mit Luftkissen anzuheben. Jedoch muss zunächst Meeresboden unter dem Tier weggespült werden.

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Schwimmbagger steht bereit

Die Vorbereitungen für die Rettungsaktion laufen auf Hochtouren: Eine Plane, die für den Transport des gestrandeten Wals benötigt wird, ist bereits im Hafen von Kirchdorf eingetroffen. Wie und wann genau der Wal darauf gebettet werden soll, ist noch offen – das Team der privaten Rettungsinitiative richtet sich dabei ganz nach dem Zustand des Tieres.

Derweil hat sich die Schwimmplattform in Position gebracht: Ein Schwimmbagger verließ den Kirchdorfer Hafen am Mittag und liegt nun unweit des Wals vor Anker, der in einer Bucht der Insel festsitzt. Der erste konkrete Schritt – das Freispülen des Meeressäugers – könnte noch im Laufe des Nachmittags beginnen.

Backhaus: Wal-Rettung geduldet, aber nicht genehmigt

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) betonte ausdrücklich, dass sein Ministerium keine Genehmigung für die Rettungsmaßnahme erteilt habe – und rechtlich auch gar nicht erteilen konnte. "Es ist mir wichtig, hier für Klarheit zu sorgen", erklärte der Minister.

Der Hintergrund: Jede Person darf ein verletztes oder hilfloses Tier aufnehmen, um es zu pflegen und wieder auszuwildern. Bei besonders geschützten Arten wie dem Buckelwal besteht lediglich eine Meldepflicht gegenüber der zuständigen Behörde. Das von der privaten Initiative vorgelegte Konzept sei rechtlich als Anzeige einer Inobhutnahme zu bewerten gewesen.

Die Aufgabe der Behörden habe darin bestanden, das Konzept zu prüfen und zu entscheiden, ob es untersagt werden müsse oder geduldet werden könne, so Backhaus weiter. Entscheidend sei die Frage gewesen, ob dem Tier durch die geplanten Maßnahmen unzumutbare zusätzliche Leiden entstehen würden. Da das vorgelegte Konzept einen vorsichtigen Ansatz verfolge, habe man nach rechtlicher Prüfung entschieden, die Maßnahme zu dulden.

Private Initiative steckt hinter Rettungsversuch

Für den Wal hatte der neue Rettungsversuch am Donnerstag (16. April) begonnen. Umgesetzt wird das Konzept von einer privaten Initiative, die für die Aktion laut Umweltministerium die Verantwortung trägt.

Bisher wurde der Wal bei der Rettungsaktion von Helfer:innen zunächst mit Wasser bespritzt. Backhaus ordnete bereits ein, die angewendeten Luftkissen würden auch dazu dienen, Schlick unter dem Wal wegzuspülen.

Der Wal soll anschließend auf einer Plane zwischen zwei Schwimmkörpern in die Nordsee beziehungsweise den Atlantik transportiert werden. Ein Schlepper soll die beiden Pontons dann bis in die Nordsee und den Atlantik ziehen, um den Wal dort freizulassen.

Hinter dem Konzept stehen neben dem Mediamarkt-Gründer Walter Gunz die Unternehmerin Karin Walter-Mommert, die aus dem Pferdesport bekannt ist. Ohne die Aktion werde der Wal in jedem Fall sterben, hatte Gunz der Deutschen Presse-Agentur (dpa) gesagt. "Wenn man was versucht, dann hat man zumindest die Chance, dass man ihn rettet." Walter Gunz finanziert den neuen Rettungsversuch für Buckelwal Timmy.


Nabu-Experte bezeichnet Situation als "furchtbar"

Der Leiter der Abteilung Meeresschutz beim Naturschutzbund Deutschland (Nabu), Kim Detloff, ist von der Rettungsaktion rund um den gestrandeten Wal vor der Insel Poel überhaupt nicht begeistert. "Dieser massive öffentliche Druck hat dazu geführt, eine Entscheidung zu treffen, die man vor einer Woche hätte treffen müssen", hatte Detloff der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Donnerstag gesagt. Dass die Rettung gelingt, glaubt der Experte nicht.

"Es ist furchtbar. Wir dachten, der Wal stirbt in drei bis sechs Tagen, und jetzt liegt er dort seit 16 Tagen", sagt der Meeresschutz-Experte. Normalerweise würde ein Wal bei einer Strandung binnen Tagen sterben. "Wir müssen mit Indizien arbeiten, und da sind Prognosen einfach sehr schwierig."

Luftkissen sollen Timmy anheben

Seit Wochen bewegt das Schicksal des gestrandeten Buckelwals viele Menschen. Seit dem 31. März liegt das Tier in etwa 1,50 Meter Wassertiefe vor Poel.

Zuletzt sah alles danach aus, dass die Reise des Wals vor der Insel Poel enden würde. Expert:innen hatten erklärt, dem kranken und geschwächten Tier könne nicht sinnvoll geholfen werden. Es sei das Beste, ihn in Ruhe und Würde sterben zu lassen. Bei einer Pressekonferenz in Schwerin kündigte Backhaus am Mittwoch (15. April) dann eine Kehrtwende an.


"Er ist nicht aktiv, er ist erst recht nicht agil, aber er zeigt, dass da Leben noch drinsteckt", sagte auch Backhaus nochmals. "Er hat sicher schwere Schäden, das ist so." Aber vielleicht gelinge die Rettung dennoch.

Die Verantwortung für die Aktion liege komplett bei den Initiatoren, betonte Backhaus, auch finanziell. "Die haben unser Haus komplett freigestellt."

Buckelwal-Drama löst Ohnmacht auf

Das Drama rund um den Buckelwal sorgt nach Ansichten des Deutschen Ethikrats bei einigen Menschen für mehr Handlungsfähigkeit statt Ohnmacht.

Einige bekämen das Gefühl, "hier noch irgendwas machen zu können, irgendwas tun zu können, irgendwas noch zu tun, weil alle anderen Krisen, sei es die Klimakrise, sei es die Kriege, ja doch in ein gewisses Ohnmachtsgefühl führen", sagte eine Sprecherin des Deutschen Ehtikrats in einem am Freitag aufgezeichneten Interview mit dem Sender News5. "Wir fühlen uns ohnmächtig und da können wir jetzt was tun." Das erkläre die Reaktion vieler, die sonst keine Nähe zu Walen gehabt hätten.

Das Phänomen, dass so eine Mensch-Tier-Beziehung wichtiger erscheine als alle Kriegsszenarien um uns herum, sei auch ein Zeichen der Zeit, sagte sie. "Und es ist sehr interessant, dass in diesen großen Krisenzeiten diese, in Anführungszeichen, kleine, für manche sehr große Krise, ja alles andere überschattet."

Ist eine Rettung ethisch vertretbar?

Die Frage nach der richtigen Hilfe sowie dem Umfang müsse stets neu beurteilt werden. "Ich würde immer sagen, maximal viel für das Tier, aber auch nicht unverhältnismäßig für den Menschen." Dieses Abwägen mache es schwierig, eine Seite für die richtige zu beurteilen. "Es ist ein Prozess, immer wieder zu entscheiden, jeden Tag."

Die Meinung der Fachwissenschaft sei elementar. "Ich würde immer Meeresforscher, diejenigen, die sich wirklich mit den Walen auskennen, fragen, weil die können es am besten beurteilen", sagte sie. Sie sprach sich gegen sogenannte Quasiexperten aus. Der sehr spezifische Fall des Buckelwals sei sowohl eine tierethische, als auch eine medienethische Frage

Eine gewisse Verpflichtung der Menschen bestehe aber: "Der menschliche Eingriff in die Natur ist so stark, also wir sind so invasiv, dass wir immer mehr moralische Verantwortung tragen, auch solche Arten zu retten."


Verwendete Quellen:

Regierung Mecklenburg-Vorpommern: "PRESSEEINLADUNG: Privatinitiative will gestrandeten Wal vor Poel retten"

Nachrichtenagentur dpa

Bild: "Timmy soll mit Luftkissen gerettet werden"

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