Gesundheitsrisiko
Erste Hitzewarnungen: Für wen die Temperaturen jetzt extrem gefährlich werden
Veröffentlicht:
von Michael Reimers:newstime
WHO: Europäer müssen besser vor Hitze geschützt werden (11. Juni)
Videoclip • 01:43 Min • Ab 12
Der Sommer bricht sich Bahn. Doch die kommenden heißen Tage bringen auch Gefahren mit sich – besonders für bestimmte Gruppen.
Das Wichtigste in Kürze
Extreme Hitze ist ein oft unterschätzter Killer, der in Deutschland jährlich Tausende Menschenleben fordert.
Vor allem für Senior:innen, Kinder und chronisch Kranke wird die enorme körperliche und psychische Belastung schnell zur tödlichen Gefahr.
Fachleute warnen nun eindringlich vor einer unzureichenden Krisenvorsorge und fordern systematische Hitzeschutzkonzepte.
Deutschland schwitzt – und die Gefahr wächst mit jedem Grad. Während der Deutsche Wetterdienst aktuell Hitzewarnungen für mehrere Regionen herausgibt und die Temperaturen über mehrere Tage hinweg auf über 30 Grad klettern, warnen Mediziner:innen eindringlich vor den gesundheitlichen Risiken extremer Hitze. Was viele unterschätzen: Hitze tötet – leise, unauffällig und in erschreckendem Ausmaß.
Der unsichtbare Killer
"Insgesamt gehört Hitze heute neben den Luftschadstoffen bereits zu den wichtigsten umweltbedingten Gesundheitsrisiken in Deutschland und weltweit", betont die Epidemiologin Alexandra Schneider vom Helmholtz Zentrum München. Die Bezeichnung als "stiller Killer" kommt nicht von ungefähr: Hitze erscheint selten direkt als Todesursache in Statistiken. Stattdessen erfassen Institutionen wie das Robert Koch-Institut die sogenannte Übersterblichkeit – und die Zahlen sind alarmierend. Im vergangenen Jahr starben schätzungsweise rund 2.500 Menschen hitzebedingt in Deutschland. In heißeren Sommern lag diese Zahl bereits um ein Vielfaches höher.
Wenn der Körper kapituliert
Was im Körper bei extremer Hitze passiert, ist ein gefährlicher Dominoeffekt: Die Gefäße erweitern sich, der Blutdruck sinkt, das Herz muss schneller und stärker pumpen. Bei Menschen mit Vorerkrankungen steigt dadurch das Risiko für Herzinfarkt, Rhythmusstörungen und Herzinsuffizienz dramatisch an. Durch das Schwitzen droht Dehydration – Flüssigkeitsmangel, der wiederum Kreislaufkollaps oder Thrombosen begünstigen kann.
Die häufigsten in Statistiken festgehaltenen hitzebedingten Todesursachen sind Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen. Doch nur ein kleiner Teil wird auf nachgewiesene Hitzschläge zurückgeführt – die Dunkelziffer ist erheblich höher.
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Wer besonders gefährdet ist
Besonders tückisch: Hitze trifft nicht alle gleich hart. "Ältere Menschen sind insgesamt am anfälligsten, da ihre Anpassungsfähigkeit an Hitze und ihr Durstempfinden oft eingeschränkt sind", erklärt Schneider. Der Geriatrie-Forscher Kilian Rapp vom Robert Bosch Krankenhaus Stuttgart fügt hinzu: "Personen, die ans Bett gebunden oder dement sind, sind zu so elementaren Maßnahmen nicht mehr in der Lage" – etwa kühlere Räume aufzusuchen oder mehr zu trinken.
Neben älteren Menschen gehören auch Herzpatient:innen, Menschen mit Nieren-, Lungen- oder neurologischen Erkrankungen sowie Diabetes-Patient:innen zu den Hochrisikogruppen. Schwangere leiden unter enormer Belastung, weil sich die Durchblutung der Gebärmutter verändert. Und Kinder sind gefährdet, "weil sich ihr Körper noch entwickelt, sie mehr Zeit im Freien verbringen und sie im Verhältnis mehr körperlich aktiv sind und eine höhere Atemfrequenz haben als Erwachsene", erklärt Marie Standl vom Helmholtz Zentrum München.
Auch die Wohnsituation spielt eine Rolle: "Wenn Personen in höheren Wohnetagen oder allein leben, erhöht sich das Risiko", warnt Rapp.
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Hitze macht aggressiv und krank
Die Auswirkungen gehen weit über körperliche Beschwerden hinaus. "Wahrscheinlich hat jeder schon mal am eigenen Leib erlebt, wie sich Hitze auf die psychische Gesundheit auswirken kann: Wir können uns schlechter konzentrieren, schlafen schlechter oder werden reizbarer oder sogar aggressiv", sagt Sebastian Karl vom Zentralinstitut für seelische Gesundheit Mannheim. Hitze sei ein zusätzlicher Stressfaktor, mit dem das Gehirn umgehen müsse – und das Risiko für psychische Erkrankungen steige.
Besonders belastend sind tropische Nächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad fällt. Hans Knoblauch von der Psychiatrie am Universitätsklinikum Ulm ergänzt: "Bei Hitze reagieren Menschen potenziell schneller gereizt, was sich unter anderem in einer Zunahme von häuslicher Gewalt, Fouls beim Sport und aggressiverem Fahrverhalten im Verkehr niederschlagen kann".
Deutschland nicht ausreichend vorbereitet
Anlässlich des bundesweiten Hitzeaktionstags warnen mehr als 150 Organisationen aus Gesundheitswesen, Pflege, Wohlfahrt und Zivilgesellschaft: Deutschland sei auf Extremhitze als Krisenlage bislang nicht ausreichend vorbereitet. Die Verbände fordern, Hitzeschutz systematisch in Krisenvorsorge, Gesundheitsversorgung und Katastrophenschutz zu integrieren. In einem extremen Hitzedom-Szenario würden Zehntausende Todesfälle in Deutschland innerhalb weniger Tage als möglich beschrieben – "auf so ein Szenario ist Deutschland nicht vorbereitet", heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung.
Erste Schritte werden unternommen: Thüringen hat pünktlich zum Hitzeaktionstag eine Karte mit kühlen Orten und eine zentrale Informationsplattform zu Hitze und UV-Schutz online gestellt. Berlin stellt Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern Musterpläne zum Hitzeschutz zur Verfügung – verpflichtend ist die Umsetzung allerdings nicht.
Landesärzte- und Landesapothekerkammer fordern, den gesundheitlichen Hitzeschutz gesetzlich zu verankern. Kommunen, Gesundheits- und Sozialeinrichtungen, Kindergärten, Schulen und Unternehmen sollten Schutzkonzepte pragmatisch umsetzen.
Die Botschaft der Expert:innen ist eindeutig: Hitze ist keine harmlose Sommerlaune, sondern eine ernsthafte Gesundheitsgefahr, die systematische Gegenmaßnahmen erfordert – bevor die nächste Hitzewelle zuschlägt.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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