Kriminologin erklärt

Hessen-Anschläge: Darum rekrutieren kriminelle Netzwerke junge Täter über soziale Medien

Veröffentlicht:

von Fabia Söllner

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Videoclip • 01:50 Min • Ab 12


Kriminelle Netzwerke werben zunehmend Minderjährige für Gewalttaten an. Warum gerade Jugendliche für Geld, Anerkennung und das Versprechen von Zugehörigkeit empfänglich sind, erklärt Kriminologin Britta Bannenberg.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kriminelle Netzwerke werben Minderjährige über soziale Medien an, um Gewalttaten ausführen zu lassen.

  • Besonders gefährdet sind Jugendliche aus sozial prekären Verhältnissen.

  • Für die Auftraggeber ist dieses Vorgehen attraktiv, weil sie selbst im Hintergrund bleiben.

Kriminelle Netzwerke setzen zunehmend auf Minderjährige, um Gewalttaten ausführen zu lassen. Ermittler:innen sprechen dabei teilweise von "Violence as a Service": Jugendliche werden angeworben und sollen gegen Bezahlung Anschläge, Einschüchterungen oder andere Gewalttaten begehen. Für Aufmerksamkeit sorgten zuletzt etwa mehrere Explosionen in Frankfurt und Offenbach: Im Zusammenhang mit den Taten wurden zwei Jugendliche im Alter von 15 und 17 Jahren festgenommen. Ob sie im Auftrag eines kriminellen Netzwerks handelten, ist Teil der Ermittlungen.

Die Kriminologin Britta Bannenberg von der Justus-Liebig-Universität Gießen erklärt gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, warum Jugendliche für solche Angebote empfänglich sein können. "Jugendliche aus bestimmten sozial prekären Verhältnissen sind zum Teil unglaublich fasziniert von der Selbstdarstellung krimineller Gangs im Internet", sagt sie. Auch die Rapper-Szene und bestimmte Rocker-Strukturen könnten eine Rolle spielen. Viele Jugendliche "wollen einfach dazugehören, wollen dort ihren Weg sehen".

Leicht zu manipulieren und zu überzeugen

Hinzu kommt der finanzielle Anreiz. Den jungen Menschen würden für solche Taten teilweise wenige tausend Euro versprochen. Allerdings werde das Geld nicht immer tatsächlich ausgezahlt. Für die Auftraggeber:innen hat dieses Vorgehen einen Vorteil: Sie selbst können im Hintergrund bleiben und das Risiko auf andere übertragen.

Neu ist vor allem die einfache Anwerbung über soziale Medien. Laut Bannenberg habe man erkannt, "dass es leicht möglich ist, über soziale Medien Jugendliche, die sehr schnell zusagen, rekrutieren zu können".

Die Selbstdarstellung krimineller Gangs übt auf manche Minderjährige eine Faszination aus, sagt die Kriminologin.

Bild: Sascha Ditscher/dpa


Landeskriminalämter sollten Fälle zusammenführen

Die Kriminologin warnt außerdem vor dem Einfluss des internationalen Drogenhandels. "Wir müssen uns aber bewusst sein, dass wir als Europa insgesamt, aber eben auch in Deutschland, mittlerweile ein Ziel der organisierten, vor allem Kokainhändler sind." Durch die hohen Geldsummen steige auch die Bereitschaft einzelner Gruppen, Gewalt einzusetzen.

Besonders problematisch sei, dass diese Gewalt nicht nur Menschen aus dem kriminellen Umfeld treffe. Einige Gruppen würden "skrupellos Gewalt einsetzen oder einsetzen lassen" und damit auch Unbeteiligte und den öffentlichen Raum gefährden.

Um solche Strukturen besser zu erkennen, sei es wichtig, einzelne Fälle nicht isoliert zu betrachten. Informationen müssten bei den Landeskriminalämtern zusammenlaufen, damit mögliche Verbindungen zwischen Taten und kriminellen Netzwerken schneller sichtbar werden.

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Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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