Wolfs-Bruder auf dem Vormarsch
Goldschakale breiten sich in Deutschland aus
Veröffentlicht:
von Joachim Vonderthann:newstime
Wildtierforschung: Goldschakale kommen in deutsche Städte
Videoclip • 01:30 Min • Ab 12
Der Goldschakal war lange vor allem in Asien und Südosteuropa verbreitet. Doch das Wildtier ist inzwischen auch in Deutschland verbreitet und sucht die Nähe zum Menschen. Warum das auch mit Wölfen zusammenhängt.
Das Wichtigste in Kürze
Eine neue Studie sieht großes Potenzial dafür, dass Goldschakale künftig weite Teile Europas besiedeln könnten.
Klimawandel, milde Winter und die Ausweichbewegung vor dem Wolf fördern ihre Ausbreitung auch in Deutschland.
Noch ist offen, welche Folgen die geschützten Tiere für heimische Arten und die Landwirtschaft haben werden.
Er ist größer als ein Fuchs, kleiner als ein Wolf und hat eine weiße Zeichnung an Schnauze und Kinn: der Goldschakal. Inzwischen ist das Wildtier aber auch in Deutschland immer stärker verbreitet, vor allem im Süden der Republik. Doch welche Auswirkungen hat die Zunahme des Wolfsbruders? Eine aktuelle Studie hat sich nun die Ausbreitung des Goldschakals in 13 Staaten in Europa genauer angeschaut.
Die Studie, die im Magazin "Nature" erschienen ist, geht davon aus, dass Goldschakale in Zukunft rund 75 Prozent des europäischen Festlands als Lebensraum nutzen könnten. Das Team um Studienautor Nathan Ranc von der Universität Toulouse wertete Beobachtungsdaten von 8.991 Standorten aus, an denen Goldschakale zwischen 2001 und 2017 nachgewiesen wurden.
Demnach breiteten sich die Tiere ab 2012 zunächst stark in Südosteuropa aus und drangen danach immer weiter nach Norden vor. Inzwischen gibt es sogar erste Nachweise in Norwegen. Die Studie spricht von einem erheblichen Ausbreitungspotenzial: Der Lebensraum der Goldschakale in Europa könnte sich demnach bis auf das Sechsfache vergrößern, wie tagesschau.de unter Berufung auf den Untersuchungsbericht schreibt.
Goldschakale weichen Wölfen aus und suchen die Nähe zum Menschen
Ein wichtiger Grund für die Entwicklung ist laut der Studie das Klima. Goldschakale fühlen sich dort besonders wohl, wo im Winter nur wenige Tage lang Schnee liegt. Mildere Winter verbessern deshalb ihre Lebensbedingungen. Auch in Deutschland wird diese Entwicklung nach Einschätzung von Fachleuten zunehmend sichtbar.
Gleichzeitig spielt der Wolf eine wichtige Rolle. Goldschakale meiden Gebiete mit vielen Wölfen, weil diese in der Nahrungskette über ihnen stehen. Wölfe konkurrieren mit ihnen um Beute und können Schakale sogar direkt angreifen oder töten. Deshalb suchen Goldschakale gezielt nach Lebensräumen, in denen sie den Wölfen ausweichen können.
Wolfsbruder sich als heimische Wildtierart etablieren
Diese Ausweichbewegung führt die Tiere näher an den Menschen. In der Studie ist sogar von einem menschlichen Schutzschild, also einem "human shield", die Rede. Goldschakale halten sich demnach häufiger in der Nähe von Dörfern und Städten auf, weil dort der Druck durch Wölfe geringer ist.
Paul Klinke vom Wildtierinstitut der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) sagte tagesschau.de dazu: "Das sehen wir auch in Osteuropa, wo der Goldschakal auch schon flächendeckend vorkommt. Stichwort Anpassungsfähigkeit." Fehlt die Bedrohung durch den Wolf, meiden Goldschakale den Menschen laut Klinke aber weiterhin, wenn es möglich ist.
FVA-Kollege Felix Böcker ergänzt: "Der Goldschakal entwickelt sich derzeit von einer Randerscheinung zu einem dauerhaften Thema und wird sich früher oder später neben Fuchs, Reh und Wildschwein als verbreitete, heimische Wildart etablieren."
Erstmals 1997 in Deutschland aufgetaucht
In Deutschland wurde der Goldschakal erstmals 1997 in Brandenburg entdeckt. In Baden-Württemberg gab es den ersten Nachweis dagegen erst 2018. Inzwischen werden dort die meisten Tiere beobachtet. Allein in diesem Jahr wurden bereits 53 Exemplare gemeldet.
Innerhalb von Europa ist der Goldschakal in Deutschland streng geschützt. Es ist verboten, einen Goldschakal zu töten, zu verletzen oder zu stören. Ähnlich wie beim Wolf kann es eine Ausnahmegenehmigung zum Abschuss nur geben, wenn Menschen gefährdet sind oder aufgrund eines ernsten wirtschaftlichen Schadens.
Noch ist laut der Studie unklar, wie stark Goldschakale heimische Ökosysteme verändern werden. Fachleute fordern deshalb ein vorausschauendes Wildtiermanagement und wirksamen Herdenschutz.
FAQ: Goldschakal
Die Wahrscheinlichkeit ist nach Einschätzung von Fachleuten sehr niedrig, weil Goldschakale überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv sind und sich zurückgezogen verhalten.
Nein. "Für den Menschen stellt der Goldschakal keine Gefahr dar", sagt eine Nabu-Expertin. "Als scheues Wildtier geht er dem Menschen so gut es geht aus dem Weg." Goldschakale sind auch keine Gefahr für ausgewachsene Rinder oder Pferde - für kleinere Nutztiere wie Schafe oder Ziegen aber schon.
Die Empfehlung lautet, ruhig zu bleiben, Abstand zu halten und das Tier nicht zu füttern oder anzulocken. Das entspricht dem üblichen Verhalten bei Wildtieren: nicht bedrängen, nicht verfolgen und das Tier selbst den Rückzug wählen lassen.
Verwendete Quellen:
tagesschau.de: "Goldschakale erobern Deutschland"
Nature: "Human shielding from wolves facilitates jackal expansion across Europe"
Nachrichtenagentur dpa
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