Wirkstoff gegen Gelenkschmerzen
Glucosamin verstärkt Demenz und Todesfälle bei Alzheimer
Veröffentlicht:
von Michael Reimers:newstime
Studie zeigt: Gelenk-Präparat könnte Treiber von Demenz sein
Videoclip • 01:44 Min • Ab 12
Der frei verkäufliche Wirkstoff Glucosamin steht einer Studie zufolge im Verdacht, Alzheimer drastisch zu verschlechtern. Auch die Sterberate von Demenzkranken steigt deutlich bei der Einnahme des Mittels, das gegen Gelenkschmerzen und Arthrose hilft.
Das Wichtigste in Kürze
Demenzkranke sollten das Nahrungsergänzungsmittel Glucosamin nicht einnehmen.
Einer Studie zufolge verschlimmert sich dadurch Alzheimer stark.
Die Zahl der Todesfälle bei Demenz erhöht sich nach Einnahme des Mittels ebenfalls dramatisch.
Ein bereits durch Demenz geschädigtes Gehirn leidet stark durch die Einnahme von Glucosamin. Das legen Ergebnisse einer Studie nahe, für die Hirngewebe-Daten von Alzheimer-Patient:innen untersucht wurden. Wie die "Frankfurter Rundschau" (FR) meldet, werteten Wissenschaftler:innen der University of Florida unter Leitung von Ramon Sun dafür elektronische Gesundheitsakten aus dem Zeitraum 2012 bis 2024 aus. Erfasst wurden Daten von Patient:innen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung sowie mit Alzheimer oder verwandten Demenzen.
Die Studie ergab, dass bei Menschen mit leichter kognitiver Beeinträchtigung, die Glucosamin einnahmen, die Wahrscheinlichkeit, später an Alzheimer oder einer verwandten Demenz zu erkranken, um 25 Prozent höher war als bei Menschen mit beginnender Demenz, die kein Glucasamin einnahmen. Bei Patient:innen mit bereits bestehender Demenz stieg durch Glucosamin das Sterberisiko um 25 Prozent.
Auch in den News:
Glucosamin nur nach ärztlichem Rat einnehmen
Der Wirkstoff Glucosamin lindert Gelenkschmerzen etwa infolge von Arthrose (Gelenkverschleiß). Die zuckerähnliche Substanz ist als Nahrungsergänzungsmittel frei verkäuflich in Drogerien, im Online-Handel und in Apotheken erhältlich und gilt dem Bericht zufolge als eines der weltweit meistverkauften Medikamte gegen steife Finger oder schmerzende Knie. Sie hilft, Proteine mit Zucker anzureichern, damit sie besser funktionieren. In Hirnproben verstorbener Alzheimer-Patient:innen fanden die Forschenden jedoch eine auffällige Häufung dieser Strukturen, insbesondere in Arealen, die für Gedächtnis und geistige Verarbeitung zuständig sind.
Wie es weiter heißt, testeten die Forscher:innen die Wirkung von Glucosamin auch in Mausmodellen. Die Tiere, die Glucosamin in einer Dosis erhielten, die einer menschlichen Tagesdosis von etwa 2.500 Milligramm entspricht, zeigten nach zwei Wochen mehr Zuckerstrukturen im Gehirn und schnitten in Gedächtnistests schlechter ab. Bei gesunden Mäusen konnte diese Effekte nicht nachgewiesen. Unterblieb die Gabe von Glucosamin, nahm die übermäßige Zuckeranlagerung ab und die Gedächtnisleistungen verbesserten sich wieder.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
fr.de: "Neue Studie mit üblem Verdacht: Gelenk-Präparat könnte Treiber von Demenz sein"
morgenpost.de: "Hyperglykosylierung: Überzuckerung im Gehirn: Neue Studie entlarvt Arthrose-Mittel als Demenz-Treiber"
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