Seltsame Schlangen

Gestreifte Ringelnattern in Berlin geben Forschenden Rätsel auf

Veröffentlicht:

von Benedikt Rammer

In Berlin wurden Ringelnattern mit genetischen Anteilen der Balkan-Ringelnatter nachgewiesen.

Bild: imagebroker


In Berlins Feuchtgebieten fallen seit Jahren ungewöhnlich gezeichnete Ringelnattern auf. Eine neue Studie zeigt nun: Hinter den hellen Streifen auf dem Rücken steckt die Kreuzung mit einer Unterart vom Balkan. Die Tiere sind für Menschen harmlos, doch aus Sicht des Naturschutzes sehen Forschende die Entwicklung mit Sorge.

Das Wichtigste in Kürze

  • Forschende haben in Berlin Ringelnattern mit genetischen Anteilen der Balkan-Ringelnatter nachgewiesen.

  • Die Tiere sind für Menschen harmlos, aus Sicht des Naturschutzes ist die genetische Durchmischung aber kritisch.

  • Sichtungen aus der Bevölkerung helfen dabei, die Ausbreitung der auffälligen Schlangen weiter zu beobachten.

Wer in Berliner Feuchtgebieten eine Ringelnatter mit zwei hellen Streifen auf dem Rücken sieht, blickt nicht auf eine neue Art, sondern auf eine besondere Variante der heimischen Schlange. Das berichtet ein Forschungsteam vom Museum für Naturkunde Berlin. Grundlage der Untersuchung waren mehr als 400 Sichtungen aus dem Stadtgebiet, die Naturfreund:innen über Apps wie "iNaturalist" dokumentiert hatten.

Die Auswertung zeigt: Bei den auffälligen Tieren handelt es sich um Ringelnattern mit genetischen Anteilen der Balkan-Ringelnatter (Natrix natrix moreotica). Diese Unterart ist eigentlich auf der Balkanhalbinsel und in der Türkei heimisch. Nach Angaben der Forschenden haben sich solche Tiere in den vergangenen drei bis vier Jahrzehnten mit Berliner Populationen gekreuzt. Über die Ergebnisse berichtet auch das Fachblatt "Conservation Genetics".

Wo die gestreiften Tiere auftauchen

Nach Angaben der Studie wurden gestreifte Ringelnattern an sieben Orten in Berlin nachgewiesen. Dazu gehören unter anderem das Tegeler Fließ, der Spandauer Forst, der Britzer Garten und der Spreepark in Treptow. Besonders auffällig ist die Lage in Britz: Dort seien praktisch alle Ringelnattern gestreift.

Für Studienautor Frederic Griesbaum ist die wahrscheinlichste Erklärung, dass Menschen die Tiere ausgesetzt haben. "Wahrscheinlich haben verantwortungslose Halter die Tiere ausgesetzt", sagte er dem "Tagesspiegel". Hinweise darauf, dass die Schlangen etwa mit Baumaterial oder Schutt nach Berlin gelangt sein könnten, sieht er demnach nicht. Früher sei es leicht gewesen, an solche Tiere zu kommen. Laut Griesbaum brachten Urlauber:innen Schlangen aus Kroatien oder Albanien mit, zudem seien sie in Berliner Zoogeschäften verkauft worden.

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Harmlos für Menschen, aber problematisch für den Naturschutz

Für Menschen sind Ringelnattern ungefährlich. "Selbst wer eine Schlange fängt, müsste keinen Biss befürchten", sagte Griesbaum dem "Tagesspiegel". Statt zu beißen, wehren sich die Tiere eher mit einem stark riechenden Sekret. Für ihre Studie sammelten die Forschenden 27 Schlangen ein, um deren Erbgut zu untersuchen. Das Fangen ist allerdings nur mit behördlicher Genehmigung erlaubt.

Die genetischen Analysen zeigen außerdem noch eine zweite Entwicklung: Auch eine weitere Unterart, die in Ungarn, Österreich und Tschechien verbreitet ist, hat sich mit heimischen Ringelnattern gekreuzt. Diese Tiere sind eher rötlich gefärbt und tragen keine Streifen. Laut den Forschenden ist das aus naturschutzfachlicher Sicht problematisch. In ihrem Aufsatz sprechen sie von "Anlass zur Sorge", weil eine Durchmischung der Genpools die biologische Vielfalt schwächen könne.

Hinzu kommt ein möglicher Nachteil für die Tiere selbst. Die helleren Balkan-Schlangen sind an wärmere Lebensbedingungen sowie an eine andere Tier- und Pflanzenwelt angepasst. Ob sie in Berlin auf Dauer gut zurechtkommen, ist offen.

Forschende raten zum Beobachten

Theoretisch müsse die Ausbreitung eingedämmt werden, schreiben die Wissenschaftler:innen. Praktisch sei das aber kaum einfach umzusetzen, weil die Schlangen schwer zu fangen sind. Da derzeit keine akute Bedrohung für die heimische Tierwelt gesehen wird, rät Griesbaum nach eigenen Angaben zunächst zum Abwarten. Es sei möglich, dass die Streifen in einigen Generationen wieder verschwinden.

Wichtig sei aber, die Entwicklung weiter zu verfolgen. Dabei können auch Berliner:innen helfen, indem sie Sichtungen über Apps wie "iNaturalist" oder den "Artenfinder" der Stiftung Naturschutz Berlin melden. Wer Ringelnattern beobachten möchte, findet sie vor allem in geschützten Biotopen an Gewässern. Dort jagen die scheuen Tiere nach Fischen und Fröschen und bewegen sich als starke Schwimmer besonders sicher durchs Wasser.


Verwendete Quellen:

Tagesspiegel: "Forscher sind besorgt: Schlangen mit gelben Streifen in Berlin gesichtet"

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