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Erkältung oder Corona? So kannst du Symptome wie Husten, Schnupfen und Heiserkeit richtig deuten

Veröffentlicht:

von Marie-Finn Bruker

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"Wiesn-Grippe": Was ist das und was hilft? (11. September)

Videoclip • 58 Sek • Ab 12


Husten, Halsschmerzen, Fieber – doch welche Krankheit steckt hinter meinen Symptomen? Im Erreger-Dschungel aus Rhinoviren, Corona, Grippe und RSV verliert man schnell den Überblick. Virologinnen erklären, inwiefern sich Beschwerden deuten lassen, wann Bettruhe Pflicht ist und für wen sich welche Impfung lohnt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Insgesamt gibt es über 200 Erkältungsviren – oft sind die Symptome ähnlich, im Krankheits- und Behandlungsverlauf gibt es allerdings Unterschiede.

  • Für mehr Gewissheit können auch Selbsttests helfen, allerdings sind diese nicht besonders sensibel und können vor allem ohne Symptome wenig Sicherheit bieten.

  • Wer das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf vermeiden will, kann sich etwa gegen Influenza, Corona oder RSV impfen lassen.

Die Nase läuft, der Hals kratzt: Ist es die klassische Erkältungswelle zum Herbstanfang – oder doch Corona? Welcher Erreger genau hinter Husten, Schnupfen und Heiserkeit steckt, ist bei über 200 Erkältungsviren gar nicht so einfach zu bestimmen. Aber ist das überhaupt notwendig? Expertinnen geben Tipps für einen gesunden Start in die kühlere Jahreszeit.

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Wann strikte Bettruhe angesagt ist

Die häufigsten Erreger sind Rhinoviren. "Sie kommen ganzjährig vor, aber erleben einen Höhepunkt im Herbst und Frühjahr", erklärt Virologin Prof. Sandra Ciesek von der Universitätsmedizin Frankfurt. Weitere Übeltäter sind oft sogenannte Adenoviren, das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) und seit 2020 auch SARS-CoV-2. Im Winter spielen außerdem Influenzaviren eine Rolle – Stichwort: Grippe.

Besonders hilfreich sei der Medizinerin zufolge die Unterscheidung zwischen Erkältungs- wie etwa Rhinoviren oder einer Ansteckung, die sich auf innere Organe auswirken kann. Während Erstere im Nasen- und Rachenraum bleiben, können sich SARS-CoV-2 oder Influenza-Viren etwa auf Herz oder Lunge ausbreiten. "Da sollte man vorsichtiger sein und wirklich Bettruhe halten", warnte Virologin Prof. Ulrike Protzer von der Technischen Universität München und Helmholtz Munich.

Allein nach den Symptomen den Erreger zu identifizieren, sei laut Protzer allerdings schwer bis quasi unmöglich. Denn die Beschwerden sehen ähnlich aus: Halsschmerzen, Husten, Schnupfen, Fieber. Ein paar hinweisgebende Symptome gibt es dennoch.


Vom Symptom zum Erreger: Wie erkenne ich welche Krankheit?

Sandra Ciesek erklärt die typischsten Muster:

  • Influenza: beginnt oft mit plötzlichem hohem Fieber inklusive starker Glieder- und Muskelschmerzen.

  • Rhinoviren: Meist gefolgt von Schnupfen und Halsschmerzen

  • RSV: Sorgt vor allem bei älteren Menschen und Säuglingen für starke Atemwegsbeschwerden

Generell sei eine Mehrheit der Atemwegsinfekte virusbedingt. Manchmal komme eine bakterielle Infektion hinzu – dann ist die Rede von einer sogenannten "Superinfektion". Diese erfolge typischerweise allerdings erst nach fünf bis sieben Tagen und ziehe dann meist auch einen längeren Krankheitsverlauf mit sich.

"Ein Warnzeichen für so eine Superinfektion kann ein zweigipfliger Verlauf der Krankheit sein", sagt Sandra Ciesek. Das heißt: Erstmal scheint die Erkältung besser zu werden, wird dann aber nochmal deutlich schlechter. Etwa, weil das Fieber dann erneut ansteigt.

Gut lokalisierbare Schmerzen, etwa einseitig im Ohr oder Gesicht, könnten Ciesek zufolge ein Hinweis auf eine bakterielle Infektion sein. Wichtig: Allein bei einer derartigen Infektion helfen Antibiotika. Gegen Viren richten Penicillin und Co. nichts aus. Protzer erklärt, dass sich mithilfe eines ärztlichen Bluttests oder einer Untersuchung der Lunge allerdings gut abklären ließe, ob eine bakterielle Infektion vorliegt.

Was bringen Selbsttests?

Ciesek erklärt, dass am Ende nicht die Krankheit selbst, sondern die Symptome behandelt werden. Für die meisten gesunden Menschen sei es im Alltag demnach irrelevant zu wissen, mit welchem Virus sie sich infiziert haben. Anders sehe es für Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf aus, so etwa ältere Personen, Schwangere, chronisch Kranke oder immunsupprimierte Menschen. "Für die gibt es bei einigen Erregern spezifische Therapiemöglichkeiten", so Ciesek.

Bei manchen Infektionen, etwa Covid-19, gibt es allerdings spezielle Medikamente. "Die wirken am besten, wenn man sie bei den ersten Symptomen nimmt", erklärt die Virologin. Oft zeigten sich solche Beschwerden aber erst nach ein paar Tagen. Das ist auch das Problem bei Selbsttests: Sie sind nicht besonders empfindlich. Ist man noch symptomfrei und testet sich, etwa, weil Freund:innen nach einem gemeinsamen Urlaub krank sind, wäre ein etwaiges Negativergebnis wenig aussagekräftig. Hat man bereits Symptome, können die Selbsttests laut Ulrike Protzer aber zumindest eine gute Orientierung bieten.

"Wenn ein Test negativ ausfällt, können wir eine Infektion nicht sicher ausschließen", so Ciesek. Zu einem falsch-negativen Ergebnis komme es zum Beispiel, wenn sich bereits Antikörper im Mundraum und so auch am Abstrich befinden. Die Medizinerin selbst benutze SARS-CoV-2- und Influenza-Kombitests. "Wenn die positiv ausfallen und man Symptome hat, ist man sehr wahrscheinlich ansteckend", sagt sie.


Wann ist der beste Zeitraum für eine Impfung?

Das Ansteckungsrisiko kann man durch gute Hygiene oder das Abstandhalten kranker Personen gering halten, erklärt Ciesek. Ganz vermeiden lässt sich das im Alltag natürlich nicht – durch Impfungen kann man zumindest die Gefahr für schwere Krankheitsverläufe reduzieren. "Leider kann man sich nur gegen die wenigsten Erreger impfen lassen", so die Virologin." Gegen die häufigste Art, die Rhinoviren, gebe es keine Impfung – wohl aber gegen Influenza, SARS-CoV-2 und RSV.

"Empfohlen werden sie für diejenigen, die alt sind oder Vorerkrankungen beziehungsweise ein erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben", erklärt Ulrike Protzer. Vor einer Ansteckung schützen Impfungen zwar nicht, ohne könnten diese Infekte aber wahrscheinlicher zu einem schweren Verlauf, etwa in Form einer Lungenentzündung, und somit ins Krankenhaus führen.

"Für junge, gesunde Menschen sind diese Impfungen nicht nötig", sagt Protzer weiter. Ausgenommen seien Menschen, die im Gesundheitswesen, etwa im Seniorenheim, arbeiten. Gleiches gelte für Personen, die ältere Angehörige zu Hause pflegen.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt für die unterschiedlichen Impfstoffe verschiedene Zeitpunkte:

  • Die Impfung gegen das Coronavirus im September vornehmen.

  • Bei RSV lohnt sich Ende September oder Anfang Oktober.

  • Die Influenza-Welle tritt oft um Weihnachten und dann nochmal um Karneval auf. Hier ist der ideale Impfzeitraum: Ende Oktober oder November.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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