Wetterphänomen
El Niño könnte so stark ausfallen wie selten zuvor
Veröffentlicht:
von Joachim Vonderthann:newstime
Klima: Europa wärmt sich am schnellsten
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El Niño könnte diesmal ungewöhnlich stark werden. Expert:innen warnen: Ein "Super"-El Niño könnte weltweit für Dürren und neue Hitzerekorde sorgen.
Das Wichtigste in Kürze
El Niño im Pazifik entwickelt sich nach Angaben von Wetterbehörden schneller und stärker als zunächst erwartet.
Die Chancen auf einen "Super"-El Niño sind dadurch gestiegen.
Ein starkes El-Niño-Ereignis könnte weltweit Extremwetter wie Dürren, Überschwemmungen und neue Temperaturrekorde verstärken.
Das Wetterphänomen El Niño im Pazifischen Ozean entwickelt sich derzeit schneller als erwartet. Nach einem aktuellen Update des Klimavorhersagezentrums der US-Wetterbehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) liegt die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es bis Herbst oder Winter sehr stark werden könnte. Laut NOAA liegt die Chance, dass El Niño seine maximale Stärke erreicht, bei etwa 66 Prozent. Es bestehe die Gefahr eines möglichen "Super"-El Niños, wie CNN berichtet.
El Niño ist ein natürlicher Klimazyklus. Er tritt auf, wenn sich der tropische Pazifik so weit erwärmt, dass sich Windmuster in der Atmosphäre verändern. Diese Veränderungen wirken sich weltweit auf das Wetter aus. In einigen Regionen kommt es dann häufiger zu Dürren und Hitzewellen, in anderen zu sintflutartigen Regenfällen. Zugleich verstärkt ein starkes El-Niño-Ereignis den menschengemachten Klimawandel, der die Temperaturen ohnehin steigen lässt.
Was einen "Super"-El Niño ausmacht
Die Stärke von El Niño wird daran gemessen, wie weit die Wassertemperaturen im äquatorialen Pazifik über dem langjährigen Durchschnitt liegen. Schwache Bedingungen sind erreicht, wenn die Temperaturen über längere Zeit mehr als 0,5 Grad Celsius darüber liegen. Von einem sehr starken oder "Super"-El Niño sprechen Fachleute, wenn die Wassertemperaturen mehr als 2 Grad über dem Durchschnitt liegen.
Nach Angaben der NOAA liegt die mittlere Wassertemperatur derzeit knapp unter der 0,5-Grad-Schwelle. Laut dem jüngsten Monatsbericht wird sie voraussichtlich bereits bis zum nächsten Monat darüber steigen. Das ist eine deutliche Veränderung gegenüber dem Vormonat, als noch neutrale Bedingungen – weder El Niño noch das kühlere Gegenstück La Niña – erwartet wurden. Die Wahrscheinlichkeit, dass El Niño den Winter über anhält, ist der NOAA zufolge bereits auf 96 Prozent gestiegen.
Riesige Warmwassermengen im Pazifik als Treiber
Das Climate Prediction Center der NOAA warnt laut CNN jedoch zugleich: Es bestehe "immer noch eine erhebliche Unsicherheit hinsichtlich der maximalen Stärke von El Niño". Trotz dieser Unsicherheit haben sich aufgund der jüngsten Vorhersagedaten die Chancen auf einen "Super"-El Niño deutlich erhöht. Einige als besonders zuverlässig geltende Klimamodelle deuten darauf hin, dass der bevorstehende El Niño sogar der stärkste seit Beginn der Aufzeichnungen sein könnte.
Auch in den News:
Letzter "Super"-El Niño in den Jahren 2015/16
Der letzte "Super"-El Niño ereignete sich 2015/16. Nach Angaben der NOAA war er der stärkste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1950. Damals kam es etwa in der Karibik zu schweren Dürreperioden. In Südkalifornien blieb der sonst oft typische, deutlich feuchtere Winter jedoch aus. Das zeigt, dass sich die Auswirkungen trotz klarer Muster nicht immer exakt vorhersagen lassen.
Die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf beobachtet die aktuelle Entwicklung ebenfalls genau. Sie verweist auf die "rapide steigenden Temperaturen der Meeresoberfläche im äquatorialen Pazifik" und sieht darin deutliche Anzeichen für ein bald starkes El-Niño-Ereignis. Die Auswirkungen könnten laut WMO bereits ab Mai spürbar werden. "El-Niño-Ereignisse heizen zudem die globalen Temperaturen zusätzlich an", so die Organisation.
Neue Hitzerekorde möglich
El Niño verändert nicht nur regionale Wetterlagen, sondern beeinflusst auch die globale Durchschnittstemperatur. Dem bislang heißesten Jahr 2024 ging ebenfalls ein El-Niño-Ereignis voraus. Damals lag die globale Temperatur etwa 1,55 Grad über dem vorindustriellen Niveau, berichtet die WMO. Der Leiter der WMO-Abteilung für Klimavorhersagen, Wilfran Moufouma Okia, erklärte in Genf, auch 2027 könne "in einem Bereich über 1,5 Grad liegen".
Die NOAA geht zudem davon aus, dass es bereits jetzt "sehr wahrscheinlich" ist, dass dieses Jahr zu den fünf wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen zählen wird – und das, obwohl der zusätzliche Erwärmungseffekt eines starken El Niño noch nicht vollständig eingerechnet ist.
Die Folgen eines starken El Niño sind weltweit spürbar. Laut WMO kann es in Teilen Afrikas und Südamerikas zu besonders starken Regenfällen kommen. Gleichzeitig drohen in Regionen wie Australien oder Indonesien ausgeprägte Trockenperioden. Diese erhöhen die Waldbrandgefahr und verschärfen die Lage bei der Wasserversorgung. Auch die Hurrikan-Saison im Atlantik könnte durch El Niño beeinflusst werden.
Verwendete Quellen:
CNN: "El Niño is coming faster than expected and chances are rising that it will be historically strong"
Nachrichtenagentur dpa
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