Tabakprodukte
Ein Jahrzehnt Warnbilder auf den Kippenschachteln: Haben sie das Rauchen wirklich verändert?
Veröffentlicht:
von dpaVor zehn Jahren beschloss der Bundestag: Auf allen Zigarettenschachteln müssen Warnbilder und -hinweise abgedruckt werden.
Bild: Monika Skolimowska/ZB/dpa
Die abschreckenden Bilder auf Zigarettenschachteln sollen Rauchern die gesundheitlichen Folgen ihres Konsums vor Augen führen. Während sie bei ihrer Einführung für große Empörung sorgten, sind sie inzwischen zur Gewohnheit geworden. Doch bleibt die Frage, ob sie tatsächlich etwas bewirken.
Das Wichtigste in Kürze
Seit Mai 2016 müssen Zigarettenpackungen in Deutschland großflächige Schockbilder und Warnhinweise tragen, nachdem der Bundestag entsprechende Vorgaben beschlossen hatte.
Die drastischen Darstellungen von Raucherkrankheiten sollten den Tabakkonsum eindämmen und gehen auf eine EU-Richtlinie zum Gesundheitsschutz zurück.
Während die Fotos anfangs starke Proteste auslösten, sind sie inzwischen alltäglich geworden — ob sie das Rauchverhalten nachhaltig verändern, ist jedoch umstritten.
Faule Raucherbeine, schwarze Zahnstümpfe, zerfressene Lungen: Solche Bilder auf Zigarettenpackungen sollen vom Rauchen abschrecken. Vor rund zehn Jahren (am 25. Februar 2016) hat der Deutsche Bundestag beschlossen, dass solche Bilder mit entsprechenden Warnhinweisen auf die Verpackungen gedruckt werden müssen. Seit Mai 2016 sind die Schachteln mit den Schockfotos Teil des Alltagsbilds in deutschen Supermärkten und Kiosken. Hintergrund war die Umsetzung der sogenannten EU-Tabakrichtlinie.
Zeigt der Schockeffekt Wirkung?
Aber was haben die ekeligen Bilder gebracht? Halten sie Menschen wirklich vom Rauchen ab oder bringen sie gar jemanden dazu, damit aufzuhören? Einige Forschungsergebnisse aus den vergangenen Jahren geben Hinweise.
Untersuchungen, die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie in der Fachzeitschrift "British Medical Journal" veröffentlicht worden sind, bescheinigen den Warnbildern zumindest eine stärkere Wirkung als rein textlichen Warnhinweisen: Sie lösten stärkere Reaktionen aus und riefen mehr negative Einstellungen gegenüber dem Rauchen hervor. Ebenso sollen sie effektiv darin sein, Absichten zu beeinflussen – so wie die Absicht, mit dem Rauchen aufzuhören oder gar nicht erst damit anzufangen.
Tatsächlicher Einfluss aufs Rauchen schwer nachweisbar
In Deutschland rauchte zuletzt etwa ein Viertel der erwachsenen Bevölkerung – mit einer seit Jahren sinkenden Tendenz. Das geht unter anderem aus den jährlichen Berichten von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen hervor.
Ob jedoch aufgrund der Schockfotos weniger geraucht wird, ist kaum nachzuweisen. Forscher weisen im "British Medical Journal" darauf hin, dass es schwierig sei, den isolierten Effekt der Warnbilder auf das Verhalten zu bestimmen, da Regierungen diese oft zusammen mit anderen Maßnahmen einführten. In Deutschland haben etwa in den vergangenen 20 Jahren viele Bundesländer das Rauchen in Innenräumen der Gastronomie untersagt.
Auch in den News:
Bessere Wirkung ohne Logos und Markenfarben?
Mittlerweile spielen auch E-Zigaretten in Deutschland eine größere Rolle, für diese gelten andere Regeln. Gerd Nettekoven, Vorstand der Deutschen Krebshilfe, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Derzeit bereiten uns insbesondere die Verpackungen von E-Zigaretten Sorge, die durch farbenfrohe Designs besonders ansprechend für Kinder und Jugendliche daherkommen." Man fordere als Krebshilfe die Einführung standardisierter Verpackungen – im Fachjargon Plain Packaging genannt – für alle Tabakprodukte, um die Attraktivität zu verringern. Damit sind Verpackungen ohne Logos und typisches Markendesign gemeint. "Auch die Warnhinweise zu Gesundheitsrisiken kämen damit deutlicher zur Geltung", so Nettekoven.
Die WHO wies in einer Bewertung im vergangenen Jahr darauf hin, dass solches Plain Packaging die Wirkung der Warnhinweise tatsächlich verbessert. Dies hätten Bewertungsstudien aus Ländern gezeigt, in denen Plain Packaging bereits eingeführt worden sei, wie etwa in Dänemark, Belgien, Finnland oder Frankreich, hieß es.
:newstime verpasst? Hier aktuelle Folge ansehen
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Mehr entdecken

Einige Filialen schon dicht
House of Sweets: Süßwarenkette musste Insolvenz anmelden

Tanken in der Krise
Warum Trigema-Tankstellen beim Sprit deutlich günstiger sind

Risiko für Unterversorgung?
Habe ich einen Vitamin-D-Mangel? Diese Symptome sprechen dafür

Rötlich-braune Ablagerungen
April-Wetter: Saharastaub sorgt für Blutregen über Deutschland

Schwarz-Rot
Neue Prämie, weniger Spritsteuer! Diese Entlastungen plant der Bund

Wilder Knoblauch
Bärlauch sammeln: Diese Regeln gelten – das kosten Fehler

