Folgen nach Hinrichtungsversuch
Christa Pike überlebt Hinrichtung: Behördenchef tritt zurück
Veröffentlicht:
von Nadine von Parseval:newstime
Christa Pikes Hinrichtung wirft Fragen auf
Videoclip • 01:55 Min • Ab 12
Zwei Dosen Pentobarbital sollten Christa Pike töten – doch die 50-Jährige überlebte den Hinrichtungsversuch. Nun zieht der Fall Konsequenzen: Tennessees Strafvollzugschef Frank Strada tritt zurück, während eine unabhängige Untersuchung klären soll, was bei der Hinrichtung schiefgelaufen ist.
Das Wichtigste in Kürze
Christa Pike hat ihre geplante Hinrichtung mit zwei Dosen Pentobarbital überlebt.
Nach dem gescheiterten Versuch tritt Tennessees Strafvollzugschef Frank Strada zurück.
Eine Untersuchung soll nun auch die Abläufe und das beteiligte Personal unter die Lupe nehmen.
Nach der gescheiterten Hinrichtung von Christa Pike ist eine Debatte um das Personal bei Hinrichtungen entbrannt.
Bild: George Walker IV/AP/dpa
Nach gescheiterter Hinrichtung: Behördenchef tritt zurück
Die gescheiterte Hinrichtung von Christa Pike hat in Tennessee personelle Konsequenzen. Frank Strada, Leiter der Strafvollzugsbehörde des US-Bundesstaates, wird sein Amt noch im Oktober niederlegen. Gouverneur Bill Lee gab den Rücktritt am Samstag bekannt. Strada erklärte, dieser Schritt sei "im besten Interesse der Bevölkerung von Tennessee".
Pike sollte am Mittwoch per Giftspritze hingerichtet werden. Obwohl ihr zwei Dosen Pentobarbital verabreicht wurden, starb die 50-Jährige nicht. Nach Angaben ihrer Anwälte war sie zuletzt weiterhin bewusstlos und wurde künstlich beatmet.
Warum die Hinrichtung scheiterte, ist bislang nicht abschließend geklärt. Gouverneur Lee hat eine unabhängige Untersuchung angeordnet. Gleichzeitig wächst die Kritik an den Abläufen und an der Qualifikation des beteiligten Personals.
Zweifel an Erfahrung des beteiligten Arztes
Im Fokus steht unter anderem der an der Hinrichtung beteiligte Arzt. Nach Medienberichten war er bereits bei einem anderen gescheiterten Hinrichtungsversuch in Tennessee im Mai im Einsatz. Damals gelang es zunächst nicht, bei dem zum Tode verurteilten Tony Carruthers den erforderlichen zweiten intravenösen Zugang zu legen. Auch der Versuch, anschließend einen zentralen Venenkatheter zu setzen, scheiterte. Die Hinrichtung wurde schließlich abgebrochen.
Bereits danach wurden Fragen zur praktischen Erfahrung des Arztes laut. Nach den vorliegenden Gerichtsdokumenten erklärte der Allgemeinmediziner in einer eidesstattlichen Aussage, im Laufe seiner Karriere etwa ein Dutzend oder mehr zentrale Zugänge gelegt zu haben. Der letzte derartige Eingriff habe allerdings ungefähr 2013 stattgefunden.
Ein von Pikes Verteidigung beauftragter Anästhesiologe bezweifelte deshalb bereits vor der geplanten Hinrichtung, dass der Arzt über die fortlaufende praktische Erfahrung verfüge, die medizinische Einrichtungen üblicherweise für solche Eingriffe voraussetzen.
Gelangte das Medikament nicht in die Blutbahn?
Pikes Anwälte vermuten, dass zumindest ein Teil des Pentobarbitals nicht ordnungsgemäß in ihre Blutbahn gelangte. Nach dem Hinrichtungsversuch wiesen ihre Arme demnach starke Schwellungen und Verletzungen auf. Ein von der Verteidigung hinzugezogener Mediziner hält es für möglich, dass das Medikament stattdessen teilweise ins umliegende Gewebe gelangte.
Ob der beteiligte Arzt selbst für mögliche Probleme mit den intravenösen Zugängen bei Pike verantwortlich war, ist bislang jedoch nicht geklärt. Der Fall trifft Tennessee nicht unvorbereitet. Bereits eine staatlich angeordnete Untersuchung aus dem Jahr 2022 hatte Probleme bei der Durchführung von Hinrichtungen aufgezeigt. Auch die Ausbildung der Teams, die für intravenöse Zugänge zuständig sind, steht erneut im Fokus.
Auch Stradas Vergangenheit wird thematisiert
Kritik richtet sich außerdem gegen Frank Strada. Als Behördenchef war er an der Zusammenstellung der Hinrichtungsteams beteiligt und für deren Training und Einsatz mitverantwortlich.
Bevor Strada 2023 nach Tennessee wechselte, arbeitete er in leitender Position im Strafvollzug von Arizona. Auch dort kam es 2022 bei Hinrichtungen zu Schwierigkeiten mit intravenösen Zugängen. Nach einem Regierungswechsel wurden bei einer späteren Überprüfung mehrere Probleme bei der Durchführung von Hinrichtungen festgestellt.
Mit seinem Rücktritt endet die Aufarbeitung allerdings nicht. Strada kündigte an, bei der Untersuchung des gescheiterten Hinrichtungsversuchs mitzuwirken. Tennessee hat weitere Hinrichtungen für den Rest des Jahres ausgesetzt.
Auch in den News:
Giftspritze gerät erneut in die Kritik
Der Fall Pike verschärft zugleich die Debatte über Hinrichtungen per Giftspritze. Ihre Anwält:innen hatten bereits vor dem Termin auf mögliche Schwierigkeiten beim Legen intravenöser Zugänge hingewiesen.
Im juristischen Streit über Tennessees Hinrichtungsprotokoll brachte die Verteidigung deshalb auch andere Methoden ins Spiel. Nach dem Recht des Bundesstaates hätte Pike aufgrund des Zeitpunkts ihrer Tat grundsätzlich den elektrischen Stuhl wählen können.
Pike wurde 1996 wegen des Mordes an der damals 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt. Sie war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. Slemmer war 1995 in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet worden.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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