Überlieferte Weisheiten
Bauernregeln zum Wetter: Woher sie kommen und was sie bedeuten
Aktualisiert:
von Claudia Frickel:newstime
Margaretentag: Bauernregel warnt jetzt vor 4 Wochen Regen
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Bauernregeln gehören zu den ältesten Wetterweisheiten: Über Jahrhunderte halfen sie Landwirt:innen dabei, das Wetter einzuschätzen und den richtigen Zeitpunkt für Aussaat und Ernte zu finden. Viele der Sprüche haben tatsächlich einen wahren Kern. Alles zu Bauernregeln.
Das Wichtigste in Kürze
Bauernregeln sind traditionelle Wetterprognosen, die Landwirt:innen früher als wichtige Orientierung dienten.
Die Sprüche stammen überwiegend aus dem Mittelalter, manche Wetterbeobachtungen sind aber schon älter.
Einige der Regeln haben einen wahren Kern, weil sie auf langjährigen Beobachtungen beruhen.
Was sind Bauernregeln?
"Morgenrot – schlecht Wetter droht" oder "Ist der Januar hell und weiß, wird der Sommer sicher heiß": Diese Sprüche sind typische Bauernregeln. Dabei handelt es sich überwiegend um kurze, leicht einprägsame Sprüche, von denen sich viele reimen. Die meisten sind seit Jahrhunderten überliefert und wurden über Generationen mündlich weitergegeben.
In der Regel versuchen Bauernregeln, aus dem Wetter Vorhersagen über Ereignisse zu machen – entweder darüber, wie sonnig, regnerisch oder kalt es wird, oder welche Folgen es für die Landwirtschaft hat.
Bauernregeln knüpfen größtenteils an bestimmte Tage oder Zeiträume im Jahr an. Manche sprechen über einen einzelnen Stichtag – wie der Siebenschläfer Ende Juni. Einige beschreiben längere Phasen, etwa die Hundstage im Hochsommer. Wieder andere erfassen ganze Jahreszeiten, zum Beispiel: "Ist der Winter kalt und weiß, wird der Sommer heiß" oder "Bringt der Herbst viel Sonnenschein, wird der Winter streng und kalt wohl sein".
Eine wichtige Rolle bei Bauernregeln spielen die sogenannten Lostage. Das sind Daten, denen in der traditionellen Volkskunde eine besondere Bedeutung für Wetter und Jahresverlauf zugeschrieben wird (siehe unten).
Woher kommen die Bauernregeln eigentlich?
Bauernregeln entstanden in einer Zeit, als es noch keine Wettermodelle, Satelliten oder moderne Meteorologie gab. Für Landwirt:innen waren sie ein wichtiges Hilfsmittel, um Aussaat und Ernte zu planen und sich auf Wetterumschwünge einzustellen.
Über Generationen hinweg sammelten Bäuer:innen ihre Erfahrungen mit regionalen Wetterlagen, Temperaturen und Naturphänomenen – vor allem an Heiligen- und Gedenktagen im Jahreskalender. In diesen Beobachtungen erkannten sie wiederkehrende Muster.
Daraus formulierten sie kurze, eingängige Sprüche, die sich leicht weitergeben ließen. Weil viele davon gereimt sind, prägten sie sich besonders gut ein – und so entstand im Laufe der Zeit eine umfangreiche Sammlung an Wetterregeln, die bis heute überliefert ist.
Der Großteil dieser Regeln stammt aus dem Mittelalter, einige gehen jedoch auf ältere, antike oder vorchristliche Naturbeobachtungen zurück.
Wie viele Bauernregeln gibt es?
Die Wetterregeln wurden über Jahrhunderte hauptsächlich mündlich überliefert. Ein Teil wurde später in Bauernkalendern und anderen Sammlungen schriftlich festgehalten, aber nicht alle.
Zudem gibt es viele regionale Varianten – und oft gleich mehrere Regeln zu bestimmten Tagen. Zu den Eisheiligen finden sich beispielsweise Dutzende der Volkssprüche, zu den Hundstagen existieren ebenfalls zahlreiche Versionen.
Darum lässt sich die genaue Zahl kaum bestimmen. Schätzungen zufolge dürften es mehrere Tausend sein.
Welches sind die bekanntesten Bauernregeln?
Eisheilige: Warnung vor späten Frösten
Eine der bekanntesten Wetterweisheiten im Frühjahr bezieht sich auf die Eisheiligen vom 11. bis 15. Mai, eine Gruppe von fünf Gedenktagen. Nach der alten Bauernregel können um diese Zeit noch einmal kalte Luftmassen und Spätfröste auftreten: "Vor Nachtfrost bist du sicher nicht, bis Sophie vorüber ist."
Gemeint ist die Kalte Sophie am 15. Mai, die als letzte der fünf Eisheiligen gilt. Die anderen heißen Mamertus (11. Mai), Pankratius (12. Mai), Servatius (13. Mai) und Bonifatius (14. Mai).
Zu den Eisheiligen gibt es viele regionale Varianten. Gängig ist zum Beispiel der Spruch: "Pankratius, Servatius, Bonifatius bringen oft Kälte und Frost ins Haus."
Einen festen Zusammenhang mit genau diesen Tagen gibt es meteorologisch zwar nicht. Allerdings treten in Mitteleuropa im Mai tatsächlich noch häufiger Kälteeinbrüche auf. Darum hat sich die Wetterregel über Jahrhunderte gehalten.
Mehr über die Eisheiligen und was sie mit der Einführung des gregorianischen Kalenders 1582 zu tun haben, erfährst du in unserem Artikel: Bringen die Eisheiligen späten Frost?
Siebenschläfer: Sommerprognose aus dem Juni
Eine der verbreitetsten Bauernregeln gehört zum Siebenschläfertag: "Wie das Wetter am Siebenschläfer sich verhält, ist es sieben Wochen lang bestellt." Eine andere Variante heißt: "Scheint am Siebenschläfer Sonne, gibt es sieben Wochen Wonne."
Gemeint ist damit, dass die Wetterlage um den 27. Juni den weiteren Sommerverlauf vorhersagen soll.
Tatsächlich hat diese Regel einen wissenschaftlich nachvollziehbaren Kern – vor allem im Süden Deutschlands. Untersuchungen zeigen, dass die Wetterlage Ende Juni beziehungsweise in dieser Region Anfang Juli häufig Hinweise auf den weiteren Sommerverlauf geben kann. Doch die Weisheit ist nicht wörtlich zu nehmen: Es muss sich nicht um sieben Wochen handeln.
Mit dem Siebenschläfer-Tier haben übrigens weder die Bauernregel noch der Tag etwas zu tun. Er ist nach einer christlichen Legende benannt: Die Römer:innen sollen im Jahr 251 nach unserer Zeitrechnung sieben Christ:innen in eine Grotte eingemauert haben. 200 Jahre später seien sie lebend befreit worden - folglich nannte man sie die "sieben Schläfer".
Warum die Bauernregel bis heute so bekannt ist, liest du hier: Siebenschläfer-Tag: Entscheidet diese Bauernregel über den Sommer?
Es gibt noch einen Tag mit Tiernamen und Wetterbezug: den Murmeltiertag (Groundhog Day) am 2. Februar. Allerdings ist er hauptsächlich in den USA und in Kanada bekannt. Wenn die Sonne scheint und das Murmeltier seinen Schatten sieht, dauert der Winter angeblich noch sechs Wochen. Was das Murmeltier Phil 2026 orakelt hat, liest du hier.
Hundstage: Die heißeste Zeit des Jahres
Zu den klassischen Bauernregeln gehören auch die Sprüche zu den Hundstagen. Diese dauern traditionell vom 23. Juli bis zum 23. August. Eine bekannte Weisheit lautet: "Wie die Hundstage sich verhalten, so der Winter wird sich gestalten." Es gibt zudem die Abwandlungen: "Sind die Hundstage heiß, bleibt's im Winter lange weiß" oder
"Sind die Hundstage voll Sonnenschein, wird das Jahr recht fruchtbar sein".
Die Regeln zu den Hundstagen drehen sich meist um Hitze, Regen und die erwartete Ernte. Wissenschaftlich lässt sich daraus allerdings keine verlässliche Winterprognose ableiten.
Übrigens haben Hunde mit der Bauernweisheit nichts zu tun. Der Name Hundstage geht auf den Hundsstern Sirius im Sternbild Großer Hund zurück. In der Antike wurde sein jährliches Wiedererscheinen am Morgenhimmel mit der heißesten Zeit des Jahres verbunden. Die Bezeichnung blieb erhalten, auch wenn Sirius heute nicht während der gesamten Hundstage sichtbar ist.
Welche verschiedenen Bauernregeln sich im Laufe der Zeit für die "Hundstage" etabliert haben, erfährst du in unserem Artikel: Was bedeutet die Bauernregel der "Hundstage"?
Warum sind Lostage wichtig und was sind die dazugehörigen Bauernregeln?
Lostage sind bestimmte Tage im Kalender, denen traditionell eine besondere Bedeutung für das Wetter und den Verlauf des Jahres zugeschrieben wird. Oft sind sie mit Heiligen- oder anderen Gedenktagen verbunden. An diesen Tagen beobachteten Bäuer:innen das Wetter und die Natur besonders genau – und zogen Rückschlüsse auf kommende Wetterlagen, Ernteaussichten oder den richtigen Zeitpunkt für landwirtschaftliche Arbeiten.
Je nach Region und Überlieferung sind mehrere Dutzend bis über hundert Lostage bekannt.
Auch die Eisheiligen und der Siebenschläfer sind Lostage, aber nicht die Hundstage. Es gibt noch viele weitere – die wichtigsten neben den schon genannten sind diese:
Dreikönigstag (6. Januar): Dem Wetter am katholischen Feiertag wurde eine spezielle Bedeutung für den weiteren Winterverlauf zugeschrieben. Die Bauernregel dazu ist: "Ist bis Dreikönig kein Winter, kommt keiner mehr dahinter."
Mariä Lichtmess (2. Februar): Das Datum galt früher als wichtiger Wendepunkt im Bauernjahr. Ab dann konnte oft die Feldarbeit wieder aufgenommen werden. Das macht auch eine der über 20 Wetter-Bauernregeln für diesen Tag klar: "Wenn's an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit; scheint aber die Sonne klar und hell, kommt noch ein kalter Winter zur Stell."
St. Georg (23. April): Seit Jahrhunderten hat das Wetter am Georgstag im Volksglauben eine wichtige Bedeutung. Darum gibt es verschiedene Bauernregeln, die sich entweder auf den Frühling oder einen verspäteten Wintereinbruch beziehen. Eine lautet: "Auf St. Georgs Güte stehen alle Bäum’ in Blüte." Eine andere Weisheit besagt: "Georg kommt nach alten Sitten auf einem Schimmel angeritten." Der Schimmel ist dabei ein Sinnbild für den Schnee.
St. Martin (11. November): Das Wetter an diesem Tag galt bei vielen als wichtiger Indikator für den kommenden Winter. Mehr als zehn Bauernregeln existieren dazu, unter anderem: "Wenn um Martini Regen fällt, ist’s um den Weizen schlecht bestellt."
Was ist dran an Bauernregeln – stimmen sie?
Bauernregeln können nicht mit modernen, wissenschaftlich fundierten Wettervorhersagen mithalten. Einige von ihnen beruhen aber auf echten Naturbeobachtungen. Über viele Generationen sammelten Menschen Erfahrungen mit wiederkehrenden Wetterlagen und erkannten Zusammenhänge – etwa zur Entwicklung der Temperaturen in den kommenden Wochen.
Ein Beispiel ist die Regel "Morgenrot – Schlechtwetter droht", die als erstaunlich treffsicher gilt. Sie beruht auf einer tatsächlichen meteorologischen Erkenntnis. In Mitteleuropa kann ein roter Himmel am Morgen darauf hindeuten, dass eine Wetterfront aus Westen aufzieht. Das könnte Regen bringen. Allerdings funktioniert die Regel nicht immer, da auch andere Wetterbedingungen für die Färbung verantwortlich sein können.
Auch "April, April – der macht, was er will" stimmt oft: Dieser Monat ist statistisch der mit den größten Wetterwechseln. Ein weiterer Wetterspruch, der einen wahren Kern hat, ist die zum Siebenschläfer (siehe oben).
Viele Bauernregeln gelten nur für bestimmte Regionen und deren Klima. Eine Regel, die in Bayern oder im Alpenraum entstanden ist, muss nicht zwangsläufig für Norddeutschland oder andere Länder gelten.
Andere Wetterweisregeln sind eher Volksglauben als wissenschaftlich belegte Prognosen. Durch den Klimawandel und veränderte Wetterbedingungen sind manche der alten Regeln heute zudem weniger zuverlässig. Für genaue Vorhersagen sind moderne Wettermodelle deutlich besser geeignet.
FAQ: Bauernregeln
Durch den Reim ist es leichter, sich die Bauernregel zu merken. Landwirt:innen konnten sie leichter auswendig lernen und über Generationen weitergeben.
Viele Bauernregeln beschäftigen sich mit dem Wetter im Winter, da Frost, Schnee und Temperaturen wichtige Hinweise für die Landwirtschaft waren. Bekannte Beispiele sind: "Ist der Winter warm, wird der Bauer arm" oder "Wenn der Winter ist mild und nass, füllt sich der Speicher nicht mit Fass."
Bauernregeln erinnern an jahrhundertelange Beobachtungen und beruhen teilweise auf regionalen Wetterzusammenhängen. Als zuverlässige Vorhersagen für Wetter oder Ernte gelten sie jedoch nicht. Moderne Wettermodelle und Messdaten liefern deutlich genauere Prognosen.
Verwendete Quellen:
HNA: "Bauernregeln: Traditionelle Wettervorhersagen und ihre Bedeutung heute"
Wetter Online: "Was sind Hundstage?"
Merkur: "Bauernregeln – Historische Wetterprognosen basierend auf langjähriger Erfahrung"
Hallo Augsburg: "8 bekannte Bauernregeln und was wirklich dahintersteckt"
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