Extremes Maikäfer-Jahr
"Apokalyptische Situation": Eine halbe Milliarde Maikäfer im Anflug auf Hessen
Veröffentlicht:
von Marie-Finn BrukerMaikäfer: Bald könnte man sie in Hessen öfter sehen. (Symbolbild)
Bild: picture alliance / imageBROKER
Den Süden Hessens erwartet ein Massenflug von Maikäfern. Expert:innen rechnen mit rund einer halben Milliarde Tieren. Weshalb das Spektakel auch Autofahrende betrifft.
Das Wichtigste in Kürze
Schon kommende Woche sollen die Massenflüge starten, vor allem auf den Straßen können die fliegenden Käfer gefährlich werden.
Die Überpopulation resultiere laut Nabu-Experte aus menschengemachter Bodentrockenheit.
Wassersparen für einen Rückgang der Population: Das ist jetzt für die Natur wichtig.
"Ein ganz besonderes Naturschauspiel", so beschreibt Bernd Petri vom Naturschutzbund (Nabu) Hessen den wohl auch dieses Jahr kommenden Maikäfer-Anflug. Ein Spektakel, "das es nur an wenigen Orten in Deutschland gibt", so Petri.
"Apokalyptische Situation"
Vor allem im Landkreis Groß-Gerau und Darmstadt im Hessischen Ried wird schon ab kommender Woche mit einem Ansturm der fliegenden Brummkäfer gerechnet.
Besonders in der Dämmerung sollten sich Autofahrer:innen rund um das Mönchhof-Dreieck (A67/A3) der Autobahn 67 auf massenhaft Maikäfer im Tiefflug einstellen. "Die etwa zweieinhalb Zentimeter großen Käfer klatschten an die Scheibe. Es war eine apokalyptische Situation", erinnert sich Petri an das zurückliegende Massenflugjahr 2022. Zeitweise sei auf den betroffenen Strecken das Fahren nur im Schritttempo möglich gewesen.
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Alle vier Jahre kommt es zu so einem Maikäfer-Ansturm – immer dann, wenn eine Fußballweltmeisterschaft ansteht, sagt der Nabu-Experte zu der Population im Hessischen Ried. Andere Stämme wie in Hanau oder nahe Karlsruhe sind in anderen Jahren dran.
Ein menschengemachtes Desaster
Die jahrhundertelangen Entwässerungen ursprünglicher Flusslandschaften seien ideale Bedingungen für die Maikäfer. Im Hessischen Ried profitiere diese Art "von einem menschengemachten, ökologischen Desaster", so Petri. Trockene, warme Böden seien ein günstiger Untergrund für die Eier der Weibchen. Die darin liegenden Larven entwickeln sich zu Käfern. Bei geeigneten Wetterbedingungen kämen die jungen Tiere dann alle gemeinsam aus der Erde.
Auch der Klimawandel spielt eine Rolle: Durch die Folgen ist der Wald im hessischen Süden stark geschwächt. Die Trockenheit führte dort zu einem breiten Baumsterben, die vielen Maikäfer sind eine zusätzliche Belastung für den Wald: Die Tiere fressen frische Laubblätter an Bäumen, diese könnten meist mit neuen Blättern ausgeglichen werden. Kritisch wird es für den Baum dann, wenn Erdlinge der Käfer am Boden die Baumwurzeln fressen, so Biologe Petri.
Er mahnt: "Wir müssen sorgsam mit Wasser umgehen." Im betroffenen Raum in Hessen drohe eine zunehmende Austrocknung der Landschaft, mit dem Wind werde fruchtbarer Ackerboden davongetragen.
Bisher scheitern Bekämpfungsversuche
In den vergangenen Jahren wurde versucht, die Maikäfer-Population mit natürlichen Methoden sowie chemischen Mitteln einzudämmen. Bisher blieb das erfolglos, so Bernd Petri. Für einen wirksamen Rückgang bräuchte es vor allem wieder mehr Wasser in der Region.
Nabu-Experte Petri rechnet bereits in wenigen Tagen mit zwei bis drei Massenflügen.
Die Käferjahre seien jedoch laut Petri nicht für alle ein Nachteil: Füchse, Dachse und viele Vogelarten fänden in den Maikäfern eine reiche Nahrungsquelle. Auch Fledermäuse kämen in den Massenjahren extra von weit her geflogen.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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