Forschung für Raumflüge
100 Tage abgeschottet: Was Isolation für Raumfahrt-Crews bedeutet
Veröffentlicht:
von Claudia Scheele:newstime
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Videoclip • 01:17 Min • Ab 12
Sechs Freiwillige haben 100 Tage ohne Sonnenlicht und persönlichen Kontakt zur Außenwelt verbracht. Die SOLIS100-Studie soll zeigen, wie sich lange Missionen zum Mond oder Mars auf Körper und Psyche auswirken.
Nach 100 Tagen in völliger Isolation haben sechs Freiwillige eine Simulationsanlage des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln verlassen. Die europäische Crew bestand aus drei Männern und drei Frauen im Alter zwischen 26 und 32 Jahren. Am Freitag (7. August) kehrten die Teilnehmer:innen nach einer abschließenden Erholungsphase in ihren Alltag zurück.
Das Projekt SOLIS100 wurde im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) durchgeführt. Untersucht werden sollte, wie sich lange Raumfahrtmissionen unter extremen Bedingungen auf Gesundheit, Leistungsfähigkeit und psychische Belastbarkeit auswirken.
Alltag ohne Sonnenlicht und Familie
Mehr als drei Monate lebten die Freiwilligen abgeschottet von der Außenwelt in einer engen Forschungsumgebung. Persönliche Kontakte zu Familie und Freund:innen gab es nicht, Sonnenlicht stand ihnen ebenfalls nicht zur Verfügung. Stattdessen bestand der Alltag aus wissenschaftlicher Arbeit, medizinischen Untersuchungen, Sport und der Wartung der Station.
Die Crew musste außerdem mit begrenzten Ressourcen auskommen, darunter haltbare Lebensmittel. Der Kontakt zum Kontrollzentrum lief überwiegend über eine Sprechanlage. Damit wurden Bedingungen simuliert, wie sie bei langen Missionen im All auftreten könnten – auch wenn die Anlage auf der Erde liegt und die Teilnehmenden jederzeit medizinisch betreut werden konnten.
Daten sollen Raumfahrt sicherer machen
Nach Angaben der DLR-Bereichsvorständin Anke Pagels-Kerp sind solche Studien wichtig, um Astronaut:innen auf die körperlichen und seelischen Belastungen künftiger Missionen vorzubereiten. Projektleiterin Amelie Therre erklärte, SOLIS100 solle außerdem dabei helfen, Daten zu standardisieren. Dadurch könnten Unterstützungsmaßnahmen für verschiedene Raumfahrtcrews künftig besser verglichen werden.
Die Isolation selbst dauerte 100 Tage. Mit Vorbereitung und Nachuntersuchungen umfasste das Projekt insgesamt 126 Tage. Nach dem Verlassen der Anlage am 1. August blieb die Crew eine weitere Woche unter Beobachtung. In dieser Zeit wurden zusätzliche Daten zum körperlichen und geistigen Zustand der Teilnehmer:innen erhoben.
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Auswertung beginnt jetzt
Nun steht die wissenschaftliche Auswertung an. Das Studienteam untersucht die Informationen, die vor, während und nach der Isolation gesammelt wurden. Dabei geht es unter anderem um Veränderungen bei Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Stress, Schlaf und kognitiven Fähigkeiten.
Die Ergebnisse sollen helfen, Raumfahrtmissionen besser zu planen. Besonders bei Reisen zum Mond oder Mars müssen Crews über lange Zeit auf engem Raum zusammenleben und mit begrenzten Möglichkeiten zur Unterstützung auskommen. Die SOLIS100-Daten könnten deshalb Hinweise liefern, welche Trainings, medizinischen Maßnahmen und psychologischen Angebote für solche Einsätze notwendig sind.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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