Nach Schüssen in Washington

US-Einwanderungsbehörde stoppt vorerst alle  Asylentscheidungen

Veröffentlicht:

von dpa

Warum der mutmaßliche Täter auf die Soldat:innen geschossen hat, ist nach wie vor unklar.

Bild: Franziska Spiecker/dpa


Die US-Regierung reagiert auf die Schüsse auf zwei Nationalgardist:innen in Washington mit einer weiteren Verschärfung ihrer Migrationspolitik. Auch ein unter Rechtsextremist:innen verbreitetes Wort fällt.

Die US-Regierung von Präsident Donald Trump verschärft ihr restriktives Vorgehen gegenüber Ausländer:innen nach den Schüssen auf zwei Nationalgardist:innen in Washington massiv. Die US-Einwanderungsbehörde USCIS verkündete, vorerst alle Asylentscheidungen auszusetzen. Dieser Stopp gelte, bis man sicherstellen könne, dass jeder Ausländer so gründlich wie möglich überprüft und kontrolliert werde, schrieb der Leiter der Behörde, Joseph Edlow, auf der Plattform X und auf Facebook.

Externer Inhalt

Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie Facebook, Instagram oder Youtube.

Aktiviere bitte Personalisierte Anzeigen und Inhalte sowie Anbieter außerhalb des CMP Standards, um diese Inhalte anzuzeigen.

Das US-Außenministerium teilte zudem auf X mit, es habe die Ausstellung von Visa für Personen, die mit afghanischen Pässen reisen, sofort gestoppt. Das US-Heimatschutzministerium schrieb auf der Plattform, das Ziel sei nie klarer gewesen: "Remigration jetzt". Rechtsextremisten in Deutschland und anderen Ländern benutzen diesen Begriff ebenfalls. Damit meinen sie in der Regel, dass eine große Zahl von Menschen ausländischer Herkunft das jeweilige Land verlassen soll - auch unter Zwang.

Der US-Präsident selbst hatte zuvor einen vollständigen Aufnahmestopp der USA für alle Menschen aus "Dritte-Welt-Ländern" angekündigt. "Ich werde Migration aus allen Dritte-Welt-Ländern dauerhaft stoppen", schrieb er auf seiner Online-Plattform Truth Social. Welche Länder genau davon betroffen sein sollen und wie und wann er einen solchen Aufnahmestopp durchsetzen will, erklärte er nicht.

Auf seine Weisung hin hatte die Einwanderungsbehörde USCIS bereits kurz nach dem Vorfall angekündigt, die Green Cards "aller Ausländer aus allen problematischen Ländern" umfassend zu überprüfen. Eine "Green Card" erlaubt es ausländischen Staatsangehörigen, sich dauerhaft in den USA aufzuhalten und zu arbeiten. Betroffen von dem Schritt sind neben Afghan:innen auch Menschen aus 18 weiteren Ländern wie dem Iran, Libyen, Somalia, dem Jemen, Kuba und Venezuela.

Der aktuelle Stand nach den Schüssen

Am Mittwoch waren zwei Nationalgardist:innen aus dem US-Bundesstaat West Virginia nur wenige Häuserblöcke vom Weißen Haus entfernt angeschossen worden. Eine Soldatin erlag Trump zufolge ihren Verletzungen. Der zweite Nationalgardist kämpft weiter um sein Leben, wie der Gouverneur von West Virginia, Patrick Morrisey, am Freitag sagte.

Der mutmaßliche Täter – ein Afghane – wurde festgenommen. Die amtierende Staatsanwältin für die US-Hauptstadt, Jeanine Pirro, kündigte nach dem Tod der 20-jährigen Nationalgardistin bei Fox News an, den Tatverdächtigen wegen Mordes anzuklagen. Zuvor hatte Justizministerin Pam Bondi im Gespräch mit dem US-Sender bereits zuvor verkündet, sie werde die Todesstrafe für den Mann anstreben, sollte einer der Nationalgardisten sterben. Das Motiv für die Tat ist nach wie vor unklar.

Medien: Psychische Probleme wegen Kämpfen in Afghanistan

Medienberichten zufolge soll der Tatverdächtige psychische Probleme gehabt haben. Familienangehörigen von ihm hätten erklärt, dass der 29 Jahre alte Mann unter einer posttraumatischen Belastungsstörung gelitten habe, berichtete der Sender CNN unter Berufung auf mit dem Fall vertraute Beamte. Diese sei auf die Kämpfe in Afghanistan zurückzuführen, wo er in einer von der CIA geförderten sogenannten Zero Unit der afghanischen Spezialeinheiten gekämpft habe.

Taliban-Vertreter und Menschenrechtsgruppen bezeichneten die Einheit laut "New York Times" als "Todesschwadron". Sie sei für außergerichtliche Hinrichtungen und Verschleppungen, wahllose Luftangriffe und Angriffe auf medizinische Einrichtungen verantwortlich.

Auch ein Freund des mutmaßlichen Attentäters sagte der "New York Times", dass der 29-Jährige psychische Probleme gehabt habe. Der Tatverdächtige litt demnach darunter, was seine Einheit getan habe. Er habe erzählt, dass die Militäroperationen sehr hart gewesen seien und sie unter großem Druck gestanden hätten, berichtete der Freund des jungen Mannes der Zeitung.

Mehr entdecken