Spritkosten zu hoch
Kreuzfahrtschiff "Odyssey" muss Weltreise stoppen: So geht es für die Passagiere weiter
Veröffentlicht:
von Valentin Kronberger:newstime
Forever Cruise: Wie lang ist Forever? (30. Juli)
Videoclip • 18:03 Min • Ab 12
Drei Jahre hätte die Kreuzfahrt um die gesamte Welt dauern sollen – jetzt endet sie frühzeitig. So reagieren die 200 überraschten Gäste ohne Zuhause.
Das Wichtigste in Kürze
Das Kreuzfahrtschiff "Odyssey" beendet seine "Forever Cruise" ein Jahr früher als geplant.
Über 200 Passagier:innen sind jetzt ohne Zuhause in Kambodscha gestrandet.
Das Unternehmen versprach, vorübergehende Wohnmöglichkeiten zu finden.
Mehr als 200 Passagier:innen sind jetzt ohne Zuhause: Das Kreuzfahrtschiff "Odyssey" hat seine Weltreise nach zwei Jahren vorzeitig beendet. Schuld daran sind laut dem US-Anbieter Villa Vie Residences explodierende Treibstoffkosten.
Das Konzept der Kreuzfahrt sah vor, dass Passagier:innen dauerhaft an Bord leben und gleichzeitig die Welt erkunden. Auf dem Kreuzfahrtschiff wurden Weltreisen auf dem Meer mit dem Komfort eines festen Zuhauses verbunden. An Bord sind außerdem über 150 Crew-Mitglieder.
Gäste stranden unerwartet in Kambodscha
Eigentlich hätte die Reise drei Jahre gedauert – nun endet sie verfrüht in Kambodscha. Alle Gäste aus rund einem Dutzend Ländern verlieren unerwartet ihr Heim auf See. "Das Unternehmen arbeitet mit den Bewohnern zusammen, um die Ausschiffung zu koordinieren und vorübergehende Wohnmöglichkeiten zu finden", teilte das Unternehmen mit.
Auch in den News:
Einige Bewohner:innen widersprachen der Darstellung des Anbieters, so das US-Portal "yahoo!travel". Ein Gast soll das Unternehmen beschuldigt haben, "absolut gar nichts" gemacht zu haben, um den Passagier:innen zu helfen. Sie seien ins Stadtzentrum gebracht und dort zurückgelassen worden – nicht mal eine Liste mit Hotels gab es demnach. Das US-Portal berichtete, die Bewohner:innen hätten nur sieben Stunden Zeit gehabt, ihre Koffer zu packen und das Schiff zu verlassen.
Kreuzfahrt wegen Spritkosten gestoppt
Bis Ende 2027 hätte die Weltreise über alle sieben Kontinente dauern sollen – der Krieg im Iran und die dadurch steigenden Treibstoffkosten in Asien durchkreuzten den Plan. Der monatliche Spritaufwand pro Kabine stieg von rund 1.800 US-Dollar auf zuletzt etwa 6.000 bis 8.000 US-Dollar, so das Unternehmen.
Der Kreuzfahrtanbieter hatte nach eigenen Angaben versucht, das frühzeitige Ende zu verhindern: Um Sprit zu sparen, sollte das Schiff langsamer fahren und länger in Häfen bleiben. Doch die steigenden Kosten konnten dadurch letztendlich nicht ausgeglichen werden, erklärte das Unternehmen. Die entstandenen Mehrkosten an die Bewohner:innen weiterzugeben, sei nicht möglich gewesen.
Das Unternehmen hätte wegen der hohen Spritkosten von den Gästen einen monatlichen Zuschlag von 1.500 US-Dollar verlangt, berichtete die "New York Times". Das hätten jedoch 70 Prozent der Bewohner:innen abgelehnt.
Kreuzfahrtschiff fährt nicht wie geplant weiter
Das Kreuzfahrtschiff "Odyssey" lief erstmals am 25. September in den Hafen von Sihanoukville in Kambodscha ein. Wenige Tage später fuhr es weiter nach Thailand und kam am vergangenen Freitag (23. Oktober) zurück – obwohl es eigentlich weiter nach Vietnam gefahren wäre.
Die Passagier:innen stammten den Angaben nach überwiegend aus den USA, Australien und Kanada. Sie zahlten für die Wohnkabinen und Suiten als ständigen Wohnsitz umgerechnet zwischen 108.000 und 395.000 Euro. Monatlich lagen die Gebühren bei Doppelbelegung bei 4.500 bis 9.900 Euro.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
yahoo!travel: "'Cruise for life' strands passengers in Cambodia as operator goes bust"
New York Times: "An 'Endless Cruise' Goes Broke, Stranding Passengers"
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